B423 Stadtgebiet Blieskastel, Zweibrücker Straße bis Saar-Pfalz-Straße Zwischen Blieskastel und Aßweiler Vollsperrung, Baustelle bis 28.10.2017 06:00 Uhr Zwischen Ortsausgang Blieskastel und Ortseingang Biesingen (09.10.2017, 06:27)

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Auftakt des Jazzfestivals St. Ingbert

St. Ingbert. Die Alte Schmelz, von Hause aus ein attraktiver Veranstaltungsort, ist in kalten Nächten nicht unproblematisch – wie beim Start des 23. Internationalen Jazzfestivals St. Ingbert: Am Eröffnungsfreitag froren viele Besucher wie die Schneider, am Samstag war's dann wärmer, doch das laute Rauschen der Heizung störte. Musikalisch wurden die Jazzfans aber gut bedient. Zu den positiven Neuerungen zählt der mit 3000 Euro dotierte Jazzförderpreis, der zum zweiten Mal verliehen wurde. Der 25 Lenze junge Preisträger Philipp Schug führte sich als Posaunist mit bestechender Klangkultur ein: Ob kerniger Biss oder samtener Schmelz, der gebürtige Saarländer verbreitete Wohlklang.

Dabei ist Schug Modernist, was seine fesselnden Kompositionen unterstrichen. Markenzeichen-Charakter besaßen Schugs mit Spannungsklängen gepfefferte Duette mit Frank Wingold, einem Gitarristen in Deutschlands vorderster Reihe, ebenso wie die erfrischende Groove-Laune des gesamten Quartetts (Ulla Oster, Bass; Bernd Oezsevim, Schlagzeug). Sehr ruhig hatte der Eröffnungsabend zuvor begonnen. Sinti-Musikern wird gemeinhin vulkanisches Temperament nachgesagt. Die in Berlin lebende Sängerin Dotschy Reinhardt jedoch sang mit geradezu zerbrechlicher Stimme ein sehr persönliches Repertoire aus balladesken Eigenkompositionen (in der Sinti-Sprache Romanes) bis hin zu Klassikern ihres Urahnen Django Reinhardt. Selbst manch zügige Rhythmen und flinke Gitarrenläufe (Lancy Falta, Alexej Wagner) konnten Dotschys Introvertiertheit nicht ganz ausgleichen. Als Finale begeisterte das Quartett des französischen Klarinettisten Louis Sclavis. Erfreulich, wie sich vermeintlich Gegensätzliches gewinnbringend verbündete: urig-rockiger Schwung (François Merville, Schlagzeug) und elastische Eleganz, klangforscherische Schräge und Eingängigkeit. Befremdend nur, dass die „Vorgruppen“ zuvor vom Mischpult aus deutlich weniger druckvoll und brillant aufbereitet wurden als der „Haupt-Act“. Beeindruckt vom „Wüstensound“ der Industriehalle zeigte sich am Samstag Sängerin Caroline Henderson.

Mochte die farbige Wahl-Dänin in Stretchhose und Sweatshirt nicht dem Bild glamouröser Jazz-Sängerinnen entsprechen, stimmlich darf sie sich sehr wohl in diese Riege einreihen. Weniger breitentauglich war die „Electric Poetry“ der Jazz Big Band Graz, die zu Video-Animationen traditionelle Bigband-Sounds mit elektronischen Klängen mischte. Als Gast dabei: die Berlinerin Barbara Buchholz mit einem „Theremin“ („Ätherwellengeige“), einem Instrument aus den Pioniertagen elektronischer Musik, das ohne direkte körperliche Berührung gespielt wird – faszinierend. Termine: Donnerstag: NDR Big Band „Anima Mundi“. Freitag: Viktoria Tolstoy-Band, Nils Landgren. Samstag: Axel Schlosser Quartett, Sun Ra Arkestra. Sonntag: Jacques Loussier Trio – Play Bach.  Kerstin Krämer & Stefan Uhrmacher 
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