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Auftrag: sichere Saarbahn

Viele haben in der Saarbahn Angst. Deshalb fahren seit Anfang des Monats vier Männer in den Zügen mit. Sie achten auf die Regeln. Und sie sind geschult, sie durchzusetzen, ohne dass die Lage eskaliert.

Saarbrücken. Der S-Bahn-Mord von München hat die Diskussion über Sicherheit in Bahnen und Bussen neu angefacht. Auch über die Sicherheit in der Saarbahn (siehe Umfrage unten). Dort sind bislang Alkohol, Beleidigungen und Drohungen gegen Fahrgäste, die auf Regeln pochen, an der Tagesordnung. Saarbahn & Bus hat reagiert.

Seit dem 1. September fahren Zugbegleiter in Saarbahnzügen mit. Vorerst vier. Und vorerst ab 17 Uhr. Ihre Tätigkeit ist auf ein Jahr befristet. Partner von Saarbahn&Bus ist die Neue Arbeit Saar. Sie bildete die ersten Saarbahnbegleiter aus. Dietmar Margardt (47) ist einer der Neuen: „Die Arbeit ist mir wichtig“, sagt er. Seine Ziele: eine sichere Saarbahn. Und bald eine Vollzeitstelle. Seine Meinung: „Es müssten noch mehr Leute wie wir in den Saarbahnen sein. Dann gäbe es nicht die riesigen Vandalismusschäden.“ Schadenshöhe in Bussen und Saarbahnen nach Firmenangaben: 200.000 Euro pro Jahr.

Auch für Andreas König, 47, ist die Arbeit in der Saarbahn eine Möglichkeit, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen – sozialversichert und nach Tarif entlohnt. Mit einem Anti-Aggressionstraining geschult, auf Regeln zu pochen. „Wir hatten bisher ruhige Touren“, sagt er. Matthias Fischer, 38, nickt.

Bei der Neuen Arbeit Saar betreut Georgia Lofi die Saarbahnbegleiter. „Sie achten etwa darauf, dass niemand Alkohol trinkt. Passiert das, fordern sie den Fahrgast auf, das zu unterlassen. Es gab immer mehr Beschwerden über die Situation und die hygienischen Zustände in den Zügen.Die ersten Erfahrungen sind positiv.“

Leo Meyer betreut bei Saarbahn&Bus das Begleitpersonal. „Sicherheit ist uns wichtig. Wir hören, dass sich die Fahrgäste sicherer fühlen.“ Auch in den Bussen. Bereits seit 2005 begleiten Ein-Euro-Jobber Schul- und Nachtbusse. Harry Heintz, einer der beiden Geschäftsführer der Neuen Arbeit Saar: „Als 2005 Grundschulen geschlossen wurden, waren viele Kinder plötzlich auf den Bus angewiesen. Damals kam die Idee auf, die Kinder auf dem Schulweg zu begleiten.“

Die Neue Arbeit Saar suchte die Begleiter aus. Aktuell sind in den Schulbussen im Regionalverband 100 Frauen und Männer unterwegs, die meisten über 50 Jahre alt. Dank des Projektes haben 70 Prozent der Busse im Regionalverband einen Begleiter. Ein zehnstündiger Lehrgang von der Streitschlichtung bis zum richtigen Verhalten bei einer Vollbremsung macht sie fit für die Bus-Arbeit.

14 Nachtbusbegleiter sollen auf sechs Linien für ein gutes Klima in den Fahrzeugen sorgen, die am Wochenende zwischen Saarbrücken und dem Umland pendeln. Wenn alles klappt, ist die Arbeit in Saarbahnen, Schul- und Nachtbussen ein Sprungbrett zurück in den Arbeitsmarkt. Harry Heintz: „Wir dürfen die Vermittlung in eine reguläre Beschäftigung nie aus den Augen verlieren. Ich darf niemanden abschreiben, sondern muss jedem seine Chance geben.“



„Ein mulmiges Gefühl ist immer da“


Umfrage: Haben Sie Angst in der Saarbahn? – Sicherheitspersonal kommt gut an

Saarbrücken. Antonino Runco (17) aus Ensheim hat noch nie eine kritische Situation in der Saarbahn beobachtet. „Aber wenn man so was wie in München sieht, hat man schon ein bisschen Angst, dass so etwas hier auch passieren kann.“ Zu den Saarbahn-Begleitern meint er: „Ich fänd’s besser, wenn die den ganzen Tag mitfahren.“ Würde er zum Beispiel eine Prügelei beobachten, „würd’ ich erst mal sagen, dass sie aufhören sollen und dann zur Security gehen.“

Die Saarbrückerin Sabine Stief (33) hat generell keine Angst: „Laute Musik etwa ist nicht so störend, und die pöbelnden Jugendlichen sind eh nur in der Gruppe stark. Ich fände es aber besser, wenn die Sicherheitsleute zu den Hauptzeiten mitfahren, abends kann man dem Ganzen eher aus dem Weg gehen.“

Alexander Gerber (63), ehemaliger Sicherheitsmann aus Malstatt, griff schon selbst ein, weil zwei Fahrgäste handgreiflich wurden: „Die musste ich dann rausschmeißen. Aber heutzutage könnte ich nicht zugreifen, weil ich nie genau weiß, was da abläuft und weil ich auch oft die Sprache der Jugendlichen nicht so gut verstehe.“

Fredi Brausch (44) aus Malstatt sagt: „Angst habe ich gar keine, ich bin ruhig, ich will meinen Frieden. Aber wenn mich einer anpöbelt, muss er mit Konsequenzen rechnen. Ich würde mich wehren.“ Die neuen Saarbahn-Begleiter seien eine gute Sache, „vor allem am Wochenende, wenn viele zu viel Alkohol trinken“.

Petra Kasper (50) hat zwar keine Angst in der Bahn, „aber ein mulmiges Gefühl ist immer da. Kontrolle ist sinnvoll. Randale gibt es immer, Betrunkene auch, das ist normal“.

Lieselotte Kluthe (79) aus Saarbrücken meidet besonders Jugendliche in der Saarbahn, „weil ich Angst habe, dass etwas passieren kann. Ich wäre immer vorsichtig, auch wenn ich jünger wäre.“ Dass eigens Sicherheitspersonal für die Saarbahn engagiert wurde, freut sie besonders. gus







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