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Aus: Saarbrücker Theologe Hasenhüttl geht endgültig

  Saarbrücken. Irgendwann wurde es Gotthold Hasenhüttl einfach zu viel. Erst die jahrelange, nervenaufreibende Auseinandersetzung um seine Suspendierung als Priester, weil er die Kommunion an Protestanten ausgegeben hatte. Dann die schweren Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen, die nach Hasenhüttls Worten trotz aller Aufklärungsrhetorik bis heute vertuscht werden. Und zuletzt die sich abzeichnende Beförderung des konservativen Münchner Erzbischofs Reinhard Marx, der ihn zu seiner Trierer Zeit kaltgestellt hatte, zum Kardinal.

Um seinem Unmut Luft zu machen, hat der 76-Jährige bereits vor Wochen einen spektakulären Schritt gewählt, den er eigentlich nicht an die große Glocke hängen wollte: Der emeritierte Theologie-Professor, einer der bundesweit bekanntesten Kirchenkritiker, marschierte am 28. September zum Saarbrücker Standesamt und erklärte seinen Kirchenaustritt. „In der Institution Kirche geht es nicht um den einzelnen Menschen, es geht auch nicht um theologische Impulse, sondern um eine starre, fundamentalistisch orientierte Institution“, sagte er der SZ auf Anfrage.

Kritik an der Institution Kirche
So ähnlich hat er es auch in seiner Austrittserklärung fürs Standesamt formuliert. Darin heißt es weiter, als „persona non grata“ (unerwünschte Person) sei er „ausschließlich als Kirchensteuerzahler willkommen“. In einem – bis heute unbeantworteten – Brief an den Trierer Bischof Stephan Ackermann unterstrich Hasenhüttl, es sei „selbstverständlich, dass ich die Katholische Kirche als Glaubensgemeinschaft nicht verlasse“.

Das heißt: Hasenhüttl kehrt 51 Jahre nach seiner Priesterweihe lediglich der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts den Rücken. Er beruft sich auf den „Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte“, der 2006 betont hatte, dass ein bloß formaler Kirchenaustritt noch keinen Abfall vom Glauben darstellt – ein Betroffener deshalb mithin nicht exkommuniziert wird.

2003 als Priester suspendiert
Hasenhüttl war bundesweit in die Schlagzeilen geraten, als er beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin bei einer katholischen Messfeier evangelische Christen zur Kommunion eingeladen hatte. Daraufhin suspendierte der damalige Trierer Bischof Marx ihn vom Priesteramt. Weil Hasenhüttl sich weigerte, sein Verhalten zu bereuen, entzog Marx ihm 2006 die kirchliche Lehrerlaubnis.

Insgeheim hatte Hasenhüttl gehofft, dass sich sein Verhältnis zum Bistum mit einem neuen Bischof entspannen würde. Ackermann sei „freundlich und diskussionsbereit“, sagt Hasenhüttl. Er hatte daher geglaubt, Ackermann könne „in irgendeiner Weise einmal in Rom vorstellig werden, um zu sehen, ob er da etwas machen könnte“ in Sachen Suspendierung und Lehrerlaubnis. Aber Ackermann blieb hart.

Ein paar Tage vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag im Mai 2010 hatte Bischof Ackermann den Kirchenrebell in seiner Saarbrücker Wohnung – nach Hasenhüttls Darstellung ohne vorherige Ankündigung – aufgesucht. Dabei machte Hasenhüttl klar, dass er beim Thema Ökumene nicht anders kann – was er Tage später beim Kirchentag in München bewies: Außerhalb des offiziellen Programms feierte er trotz Verbotes einen ökumenischen Abendmahlgottesdienst in einem Hörsaal der Universität, weil nach dem Ärger von 2003 keine Kirche bereit war, einen Raum zur Verfügung zu stellen.

Sein Austritt soll aber kein Schlussstrich für immer sein, betont Hasenhüttl in seinem Brief an Ackermann: „Sollte es sich zeigen, dass die Katholische Kirche als Institution sich wieder voll an Jesu Froher Botschaft orientiert, werde ich gerne in ihr meinen Platz wieder suchen.“



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