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Aus für Klinik Brebach? SHG will 22 Mio. in Sonnenberg investieren

Der Sonnenberg ist schon heute größter Standort für die Geriatrie der Saarland-Heilstätten GmbH. Im Vordergrund ist die Ellenruth von
Gemmingen Klinik zu sehen, benannt nach der Stifterin, einer Enkelin des Industriellen Hermann Röchling.

Der Sonnenberg ist schon heute größter Standort für die Geriatrie der Saarland-Heilstätten GmbH. Im Vordergrund ist die Ellenruth von Gemmingen Klinik zu sehen, benannt nach der Stifterin, einer Enkelin des Industriellen Hermann Röchling.

Oft liegen im Alter nur Augenblicke zwischen Alltag und Krankenhaus, zwischen kleinen Freuden und großer Angst vor dauerhafter Pflegebedürftigkeit. Nach einem Oberschenkelhalsbruch heißt es zum Beispiel erst mal: Operation. Die Hälfte der Oberschenkelhalsbruch- Patienten findet aber nicht in den alten Lebensrhythmus zurück, ein Drittel stirbt gar binnen eines Jahres an den Folgen. Um Patienten den Rückweg in den Alltag zu ebnen, kommt der Kooperationsvertrag der SHGKliniken Sonnenberg zum Beispiel mit dem Evangelischen Krankenhaus zum Zuge. Er beinhaltet, dass ein Chirurg und ein Geriater regelmäßig gemeinsam Rehabilitationsmöglichkeiten beurteilen.

Aus für Brebacher Klinik

Die Geriatrische Klinik der SHG mit ihren 126 Betten ist die älteste Geriatrie Deutschlands mit den Standorten Sonnenberg (75 Betten) und – noch – Klinik Halberg in Brebach (51). Die SHG will den Standort Brebach aufgeben, 22 Millionen für einen Klinikneu- und -umbau investieren und die Brebacher Geriatriebetten auf den Sonnenberg verlagern. Zwar wollen viele Brebacher die Klinik im Ort behalten. Dr. Rainer Scheel, einer der beiden Geriatrie-Chefärzte der SHG, aber findet es nachvollziehbar, die Altersheilkunde an nur einem Standort zu betreiben, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch zum Vorteil für die Patienten. Scheel setzt darauf, dass die Klinikplaner ihn und seine Kollegen bei der Gestaltung der neuen Stationen mitreden lassen – für eine Abteilung der kurzen Wege, die Therapieangebote bedarfsgerecht auf der jeweiligen Station vorhält.

2000 Patienten suchen bereits jedes Jahr in der SHG-Geriatrie Hilfe, 1200 auf dem Sonnenberg, 800 in Brebach. Die meisten kommen aus dem Regionalverband, etliche aus anderen Teilen des Saarlandes, einige sogar aus Rheinland- Pfalz. Sie bekommen schon heute bei der SHG eine Geriatrie, die mehr ist als Schulmedizin plus Arznei. Dr. Scheel: „Es geht uns darum, Patienten Alltagskompetenz zurückzugeben. Für den alten Menschen ist es zweitrangig, ob er zum Beispiel ein oder zwei kranke Herzgefäße hat. Wichtiger für ihn ist es, unabhängig zu bleiben, beispielsweise morgens wieder ohne Mühe an seinen Briefkasten zu gehen, um die Zeitung beim Frühstück lesen zu können.“

Geriatrie bedeutet Dr. Scheel zufolge auch, Arznei, mit der sich durchaus viel erreichen lasse, nur da wo nötig und so wenig wie möglich zu verabreichen. „Sonst ist die Gefahr unerwünschter Wechselwirkungen zu groß.“

Scheel und seine Arztkollegen sind Internisten oder Allgemeinmediziner, die schulmedizinisch die oft zahlreichen Erkrankungen des alten Menschen aufspüren und altersgemäß behandeln. Nur so lasse sich zum Beispiel im Falle einer Demenz, bei der der Kopf das schwächste Glied in der Organkette darstellt, Schaden abwehren.

Entsprechend hat die Geriatrie diagnostische Geräte für Ultraschall, EKG, Röntgen und Spiegelungen. „Wir setzen Schulmedizin ein, da sie dem alten kranken Menschen natürlich hilft, aber im Unterschied zu anderen medizinischen Disziplinen braucht insbesondere die Geriatrie ein therapeutisches Team aus Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeitern, um Pflegeabhängigkeit zu vermeiden. Die Menschen wollen sich zum Beispiel waschen und anziehen können, ohne um Hilfe zu bitten.“ Aber auch bei Pflegeabhängigkeit sind Verbesserungen möglich.

So ist es für die Lebensqualität eines Betroffenen entscheidend, ob er für den Rest seiner Tage eine Stahlpfanne unter den Allerwertesten geschoben bekommt oder sich selber auf einen Toilettenstuhl setzen kann. Wichtig sind in der Geriatrie Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung, besonders die nicht-medikamentöse Therapie. Für die ambulante Diagnostik betreibt die Klinik für Geriatrie Sonnenberg eine sogenannte Memory- Clinic. „Jeder Dritte über 80 Jahren hat Probleme mit dem Gedächtnis. Die Ursachen zu finden ist unabdingbar, insbesondere, da die modernen Demenzmedikamente den Verlauf hinauszögern können, wenn auch nicht in jedem Falle.“

Am wichtigsten ist Scheel der richtige Umgang mit dem Demenzkranken. „Es gilt, sich in die Gefühlswelt des Betroffenen einzufühlen, ihm Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, statt ihn auf Irrtümer hinzuweisen, was ihn kränken muss. Würde bewahren durch Einfühlungsvermögen!“ Die Geriatrie ist eine Art Drehscheibe. Die Sozialarbeit ist wichtig: Sie organisiert Pflegeversicherung, Vorsorgevollmacht, ambulante Pflegedienste, 24-Stunden-Pflege, Heim oder Hospiz und berät die Angehörigen. All das plus Naturheilverfahren bietet eine spezialisierte Station, die 2008 errichtete Ellenruth von Gemmingen Klinik. Sie behandelt Ernährungs-, Schlafstörungen, Schwindel, Gedächtnisstörung, Depressionen, Schmerzen und anderes mit Naturheilverfahren. Ob die Patienten einen der 24 Plätze bekommen, entscheidet zum einen der Zufall.

Zum anderen erfüllt das Klinik- Team, wenn möglich, den Wunsch, dort behandelt zu werden. Die Ergebnisse der Ellenruth von Gemmingen Klinik untersucht das Ispo-Institut St. Arnual in einer vergleichenden Studie. Scheel kann sich vorstellen, dass die Vorteile dieser Spezialstation im neuen Geriatrie- Bau einmal allen Patienten zugute kommen.

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