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Ausbildung: Er schlichtet Streit zwischen Azubis und Lehrherr

Stefan Emser

Stefan Emser

Nicht immer geht es in Ausbildungsverhältnissen konfliktfrei zu. Häufig lässt sich durch geplante Krisengespräche der Frieden wieder herstellen. Die HWK versucht bei Streitigkeiten zu vermitteln.

Von SZ-Redaktionsmitglied Gregor Haschnik

Saarbrücken
. Wenn ein Schreinerlehrling auf dem Betriebsgelände Hecken schneiden und Bäume fällen muss, anstatt zu lernen, wie man einen Schrank baut. Wenn ein angehender Kaufmann jeden Samstag arbeiten muss, keinen Urlaub bekommt und ständig schikaniert wird. Oder wenn ein Lehrling regelmäßig krank feiert und, wenn er mal da ist, schnell pampig wird. All dies sind Fälle für Stefan Emser. 

Emser ist Ausbildungs- und Konfliktberater bei der Saarländischen Handwerkskammer (HWK) – und kümmert sich seit etwa 25 Jahren fast jeden Tag um Streitigkeiten zwischen Lehrlingen und Betrieben. Sobald sich die betroffenen Azubis oder Unternehmen an ihn wenden, versucht er zu vermitteln. „Das Ziel ist immer, die Konflikte zu lösen und die Ausbildung fortzusetzen. Wenn das Verhältnis allerdings vollkommen zerrüttet ist, bemühen wir uns, es anständig zu beenden“, sagt Emser und fügt hinzu: „Wichtig ist, dass sich die Betroffenen so früh wie möglich an uns wenden.  Dann haben wir gute Chancen, eine Lösung zu finden, damit aus kleinen Problemen keine großen werden.“

Viele Betroffene würden sich jedoch erst melden, wenn sie bereits beschlossen haben, die Ausbildung zu beenden. „Sie stecken den Kopf in den Sand, anstatt sich sofort an einen Tisch zu setzen und die Konflikte offen, aber ruhig zur Sprache zu bringen“, sagt Emser. Er rät Firmen und Azubis, zunächst einmal zu versuchen, die Probleme untereinander zu klären, das Gespräch vorzubereiten und für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Das sei der direkteste und beste Weg. 

Doch wann handelt es sich um einen echten Konflikt, wann um kleinere Probleme, die immer wieder mal vorkommen? Grundsätzlich hat der Betrieb vor allem die Pflicht, dem Lehrling alle für den Beruf notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Im Gegenzug verpflichtet sich der Lehrling, im Unternehmen und in der Berufsschule mitzuarbeiten.

Die genauen Rechte und Pflichten lassen sich im Ausbildungsrahmenplan nachlesen, der bei den Kammern erhältlich ist. Darüber hinaus hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Broschüre „Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung“ herausgegeben. Doch wo liegt die Grenze zwischen Problem und Problemchen in einem Ausbildungsverhältnis? „Spätestens wenn die Lehre auf die Gesundheit schlägt, wenn der Azubi Ängste und Bauschmerzen bekommt, sollte er mit dem Arbeitgeber sprechen oder die Kammer als Schlichter einschalten“, empfiehlt Emser. Im Gespräch sollten die Beteiligten darauf achten, die Kritik des anderen zu respektieren, das eigene Verhalten zu hinterfragen, sich aber nicht mit Schuldzuweisungen aufzuhalten: „Stattdessen sollten sie Lösungen suchen.“ Trotzdem: Wo müssen die Betriebe, wo die Azubis, die einen Schlichter brauchen, dazulernen? „Manche Firmen sehen Lehrlinge nur als günstige Arbeitskräfte, die sich unterzuordnen haben – und vergessen völlig, dass sie auch einen pädagogischen Auftrag haben“, sagt Emser. Und die Azubis? „Denen fehlt es mitunter an Engagement und Zuverlässigkeit.“

Wenn bei Konflikten Gespräche und schriftliche Mahnungen wirkungslos bleiben, versucht Emser, das Ausbildungsverhältnis im Guten zu beenden und dem Lehrling dabei zu helfen, eine neue Stelle zu bekommen – oft mit Erfolg.

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