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Ausbildung: Markt der Azubis wird rar - Ausbilder machen sich Sorgen um das Niveau

Von SZ-Redakteurin Christine Maack

Was ist mit dem Niveau der Auszubildenden los? Wie werden Firmen dem schrumpfenden Ausbildungsmarkt begegnen? Wir sprachen mit Norbert Seiler, Geschäftsführer des Ausbildungszentrums.

Homburg.
Die Deutsche Wirtschaft boomt, die Auftragsbücher sind voll, die Beschäftigung zieht merklich an – das vermeldeten gestern deutsche Wirtschaftsinstitute. Wo es nicht unbedingt boomt, ist beim Nachwuchs.

Nicht nur, dass er sich aus demografischen Gründen rar macht, er strebt auch nicht mehr unbedingt eine Lehrstelle an. Jedenfalls nicht sofort. Von 2400 saarländischen Hauptschul-Absolventen nehmen nur 400 direkt eine Stelle an, sagt Norbert Seiler, Geschäftsführer des Ausbildungszentrums Homburg.

Verlorene Lebenszeit


Die anderen gehen auf weiterführende Schulen, jobben ein bisschen herum oder können sich nicht so recht entscheiden, was sie wollen. „Wir werben künftig dafür, dass die guten Hauptschüler direkt in die Ausbildung gehen“, betont Norbert Seiler.

Der Betriebswirt, der sich fast sein ganzes Berufsleben mit Einstellungen, Personal und der Zukunft von jungen Leuten beschäftigt, weiß, wovon er spricht. Vieles laufe schief beim Berufsstart von jungen Leuten: „Sie werden schlecht oder gar nicht beraten. Oft verlangen Eltern etwas, was die jungen Leute gar nicht wollen, oder es herrschen Orientierungs- und Ahnungslosigkeit vor. Das wird später alles mit Lebenszeit bezahlt.“ Wenn ein guter Hauptschüler beispielsweise weiter zur Realschule ginge, dort mittelmäßige Noten und dann auf der Fachoberschule womöglich schlechte Noten habe, verliere er nicht nur die Motivation, sondern auch Zeit. „Dann landet er am Ende doch bei uns in der Ausbildung, was er früher hätte machen können.“ Eine schulische Weiterbildung stehe ja auch noch nach der Lehre offen. Deshalb unterstützt Seiler die kommende Initiative: Paten für gute Hauptschüler, die den Weg in die Ausbildung begleiten. Denn mehr Schule führe nicht automatisch zu besseren Stellen oder mehr Geld.

Die Industrie, so Seiler, zahle ohnehin recht ordentlich. Das legt er gerade Mädchen ans Herz. „Die wollen immer noch Kosmetikerin oder Friseurin werden, bis sie merken, dass das finanziell nichts bringt.“ Früher strebten diese jungen Frauen dann als ungelernte Kräfte in die Industrie, wo es deutlich mehr auf die Hand gab.

„Doch diese Abteilungen gibt es heute nicht mehr. Ungelernte Kräfte braucht man kaum noch, dafür aber jede Menge gut ausgebildeter Mädchen.“ Norbert Seiler wünscht sich, „dass Schule, Elternhaus und Ausbildungsbetrieb besser an einem Strang ziehen“.

Die jungen Leute würden nicht überall mit der gleichen Konsequenz behandelt, da gebe es große Unterschiede zwischen Betrieben, Schule und Elternhaus. „Das fängt mit banalen Dingen an“, sagt ein Ausbilder. Es könne nicht sein, dass ein Azubi mit Musik auf den Ohren und heruntergezogener Kapuze zur Arbeit schlurfe und erst dann grüße, wenn er die ,,Schaffkleider“ anhabe.

Höflichkeit gehört dazu

Menschliches Miteinander, Kommunikation, Höflichkeit – das alles gehöre zu einem ordentlichen Eindruck dazu. Die jungen Leute würden nicht dümmer geboren als vor 40 Jahren, „aber sie werden mit mehr Dummheit konfrontiert“, sagt Julian Seiler, der Sohn von Norbert Seiler.

Ihn nerven vor allem „die blöden Fernseh-Programme, die gaukeln jungen Leuten Dinge vor, die völlig an der Realität vorbeigehen“. Kein Wunder, dass als Wunschberuf dann Superstar, Ferrari-Pilot oder Starkosmetikerin angegeben würden. Es sei doch ein großes Glück, dass man die Freiheit der Berufswahl habe, „aber diese Freiheit ist auch oft eine Last“, weiß Julian Seiler.

Wenn sich Politiker, Schulen und Elternhäuser nicht bald einen Ruck gäben, „dann müssen die Betriebe künftig ihre Ansprüche an die Qualifikation in jeder Hinsicht herunterschrauben“, befürchtet Seiler, „das geht zu Lasten des gesamten Landes“. Immer heiße es, Bildung sei das höchste Gut, man wolle da nichts kürzen „aber unten kommt seit Jahren immer weniger an“. Es gebe ständig neue Organisationen und Programme, „aber immer weniger konkrete Hilfe und kaum wirkliche Beratung erreichen die jungen Leute“. Am Ausbildungszentrum Homburg sind 130 Azubis beschäftigt, die aus vielen großen Firmen im Saarpfalz-Kreis kommen, ebenso aus Rheinland-Pfalz und dem Raum Saarbrücken. 34 neue Azubis wurden den Firmen vor wenigen Tagen dem AZH anvertraut.

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