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Aussetzung der Wehrpflicht könnte Unis überlasten

Die geplante Aussetzung der Wehrpflicht 2011 könnte für die Hochschulen zum Problem werden.

Die geplante Aussetzung der Wehrpflicht 2011 könnte für die Hochschulen zum Problem werden.

Saarbrücken. Die Hochschulen im Saarland kommen einfach nicht zur Ruhe. Sie sind derzeit noch händeringend damit beschäftigt, die zweite, unerwartet hohe Belastung des doppelten Abitur-Jahrgangs zu verkraften, da droht ihnen im Wintersemester 2011/12 vielleicht ein weiterer unplanmäßiger Schwung an Studienanfängern. Der Grund: der Wegfall der Wehrpflicht. Seit Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) von der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 spricht, sind die Hochschulverantwortlichen im Saarland alarmiert.
Im Extremfall könnten 2011 rund 700 Studenten zusätzlich an die Saar-Hochschulen drängen. Die Hochschulen fragen sich nun, wie sie die drohende Zusatzbelastung verkraften sollen. „Wir sind am Limit“, klagt Wolfgang Cornetz, Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), bereits jetzt. Auch Uni-Präsident Volker Linneweber winkt ab. Mit einem erneuten Plus an Studenten sehe er die Qualität der Lehre in Gefahr.
Das Problem: Die Hochschulen müssten mehr Vorlesungen, Seminare und Laborplätze anbieten, mehr Professoren und sonstige Lehrkräfte einstellen. Gleichzeitig würde sich beispielsweise bei zulassungsbeschränkten Fächern der Numerus clausus verschärfen, und der sei bei den Lehramtsfächern mit 2,0 und besser eh schon sehr hoch, so Linneweber. Um die Qualität der Lehre beim möglichen Wegfall der Wehrpflicht zu erhalten, bräuchten die Hochschulen Millionen, sagt Cornetz.
Doch woher soll das Geld kommen? Cornetz und Linneweber favorisieren eine Lösung: „Die Ausweitung des Hochschulpakts.“ Die wurde bereits vor kurzem vom Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), als mögliche Problemlösung ins Spiel gebracht. Derzeit prüfe ein Staatssekretärs-Ausschuss den Ansatz.
Im Hochschulpakt einigten sich der Bund, die Länder und die Hochschulen, dass die Hochschulen für jeden zusätzlichen Studenten, den sie wegen des doppelten Abijahrgangs aufnehmen müssen, eine Ausgleichszahlung von Bund und Land erhalten werden. Das Saarland rechnet mit 22000 Euro pro Student auf vier Jahre verteilt. Die Summe bezahlen Bund und Land zu gleichen Teilen. Würde der Pakt also im kommenden Jahr auf die Wehrpflichtigen ausgeweitet werden, müssten Bund und Land den Saar-Hochschulen weitere 3,8 Millionen Euro jährlich geben.
„Die Summen, die notwendig wären, schafft das Land dann auch nicht mehr“, meint Linneweber und ergänzt: „Ich sehe hier sowieso den Bund mehr in der Pflicht.“ Schließlich sei es die Idee des Verteidigungsministers, die Wehrpflicht auszusetzen. Sollten Verteidigungsministerium und Bundesregierung ernst machen und die Wehrpflicht streichen, glauben Uni-Präsident Linneweber und HTW-Rektor Cornetz – sofern sie finanzielle Unterstützung erhalten – in weniger als einem halben Jahr die Vorgaben umsetzen zu können.

Hintergrund

1704 Schüler werden laut statistischem Landesamt 2011 im Saarland Abitur machen. 40 Prozent der jungen Männer absolvierten danach bisher Wehr- oder Zivildienst. Wenn diese knapp 700 Abiturienten nun direkt studieren, wird sich laut Statistik die Hälfte im Saarland einschreiben. Bei einem unveränderten Anteil von Studenten anderer Bundesländer müssten sich die Saar-Hochschulen 2011 auf 700 Studenten zusätzlich einstellen. pbe
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