L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Autohersteller Daimler will vier Standorte im Saarland verkaufen

Die IG-Metall rief gestern bei der Betriebsversammlung in Saarbrücken zu Protesten auf.

Die IG-Metall rief gestern bei der Betriebsversammlung in Saarbrücken zu Protesten auf.

Für die Mitarbeiter der Mercedes-Standorte im Saarland kam die Nachricht gestern wie ein Schock. Der Autokonzern will die zur Niederlassung Saarbrücken gehörenden Standorte in Neunkirchen, Homburg, Saarlouis und St. Wendel verkaufen. „Es herrschte große Betroffenheit“, sagte Michael Christmann, Betriebsratschef der saarländischen Mercedes-Niederlassung, gestern nach einer Betriebsversammlung in Saarbrücken. „Die Kollegen haben schließlich gestern erst erfahren, dass ihre Betriebe auf der Liste stehen.“

Widerstand angekündigt

„Own Retail – Neuausrichtung der Niederlassungen“ heißt das Konzept, mit dem Mercedes nach Aussagen von Pressesprecherin Konstanze Fiola „langfristig wirtschaftlich und profitabel agieren“ können will. Zahlreiche Niederlassungen sollen fusioniert, 36 Standorte mit insgesamt 1500 Mitarbeitern sollen verkauft werden. Die Neuausrichtung bedeutet für die Niederlassung Saarland, dass sie gemeinsam mit Mannheim, Freiburg und Baden-Baden in der Vertriebsdirektion Süd-West aufgeht. Außerdem werden vier der Niederlassungs- Standorte zum Verkauf angeboten. Zwar sollen sie dann auch weiterhin bestehen bleiben. Statt des Konzerns werden dann aber unabhängige Händler die einzelnen Standorte führen.

Saar-Betriebsratschef Christmann fürchtet um die Zukunft der 150 teilweise langjährigen Mitarbeiter in den saarländischen Standorten. Zwar gilt für sie per Betriebsvereinbarung ein Kündigungsschutz bis 2017, „allerdings haben sie nur einen Anspruch, weiter bei der Daimler AG zu arbeiten“, sagte Christmann. Das müsse nicht im Saarland sein. Auch gegen einen Betriebsübergang, bei dem die Mitarbeiter dann nur noch ein Jahr Anspruch auf ihre bisherigen Konditionen haben, bietet die Vereinbarung keinen Schutz.

Thorsten Dellmann, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Saarbrücken, fürchtet auch einen Stellenabbau in der Verwaltung und der Führungsebene im Saarland: „Wenn die Niederlassung der Region Süd-West zugeschlagen wird, wird sicherlich in der Leitung, aber auch bei Buchhaltung, Einkauf, Disposition und Marketing gespart“, sagte Dellmann. Mercedes- Sprecherin Fiola bestätigte, dass mit der neuen Struktur natürlich auch „Synergien“ einhergehen.

Details für die Umsetzung der gestern verkündeten Strategie stünden aber noch nicht fest: „Über die konkrete Umsetzung werden wir nun mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften sprechen“, sagte Fiola. Der Konzernbetriebsrat hat gestern deutlichen Widerstand gegen die Pläne angekündigt: „Zerschlagung ist keine Zukunftsstrategie“, kommentiert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht die Verkaufspläne. „Wir verlangen Veränderungen im Konzept, bei denen es nicht nur um Margen, sondern auch um die Menschen geht.“ Die Unternehmensleitung müsse die Strategie noch einmal ganz neu mit dem Betriebsrat diskutieren.


MEINUNG

Nur noch ein Randgebiet

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Die Gerüchte gibt es schon länger, seit gestern ist nun klar: Das Saarland spielt im Daimler- Konzern nur noch eine Rand- Rolle. Die Saarbrücker Niederlassung wird künftig dem Raum Süd-West zugeschlagen. Nur ein grenzenloser Optimist wird erwarten, dass die Führungsrolle über Mannheim, Freiburg und Baden-Baden im Saarland angesiedelt wird. Neben dem Abverkauf der konzerneigenen Autohäuser wird sogar schon über einen späteren Verkauf der Niederlassung Saarbrücken spekuliert. Bleibt nur zu hoffen, dass die Mitarbeiter durch Verlust der Tarifbindung oder des Arbeitsplatzes nicht als die Verlierer der neuen Vertriebsstrategie auf der Strecke bleiben. Hier sind Gewerkschaften und Betriebsräte gefordert.
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