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Bahn-Pläne und Autobahn-Anschluss passen nicht zusammen

Homburg. Die Route der Glantalbahn im Homburger Osten gilt für viele als aussichtsreichste Variante der Anbindung Homburgs an einen angedachten zweiten Autobahnanschluss an die A6. In der vergangenen Woche erhielt die von Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner (CDU) favorisierte Option allerdings Schlagseite: Über die mit der Sanierung der ICE-Strecke Paris-Frankfurt beauftragte DB Projektbau GmbH, eine Tochter der Bahn AG, erhielt die Verwaltung den Hinweis, dass abweichend vom eigentlichen Planfeststellungsverfahren beabsichtig sei, eine Überführung dieser ICE-Strecke über die Gleislinie der Glantalbahn bei Bruchhof zuzumauern und zu verfüllen. Der Grund: Ein Kostenersparnis von 400.000 Euro bei der Sanierung des Brückenbauwerkes (wir berichteten).

Nun ist das nicht die erste für Homburg unglückliche Wendung in Sachen Nutzung der Glantalbahn als Autobahnzubringer, war die Strecke doch erst vor Kurzem aus ihrem jahrzehntelangen Schlaf der gefühlten Bedeutungslosigkeit geweckt und durch das saarländische Landesdenkmalamt zum Baudenkmal erhoben worden. Schon dieses Unterfangen war in den Amtsstuben des Homburger Rathauses auf Unverständnis gestoßen. Die neuerliche Wendung führte zu nicht weniger Stirnrunzeln – spricht doch die angedachte Verfüllung der Glantalbahn-Überführung aus Sicht der Stadt eigentlich gegen den Gedanken eines erhaltenswerten Denkmals. Denn das Zumauern der Bahnbrücke würde die Strecke der Glantalbahn durchschneiden.

So steht Homburg nun zwischen zwei Optionen, die, jede für sich, den bevorzugten Autobahnzubringer Glantalbahn schon in Frage stellen, sich zusätzlich aber auch noch gegenseitig konterkarieren. Eine augenscheinlich verzwickte Situation.
Dass man sich gegen die Absicht der Bahn wehren wird, daran ließ Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner keinen Zweifel. So forderte er am Samstag bei einem zufälligen Treffen mit dem Bundestagsabgeordnete Alexander Funk (CDU) in Kirkel diesen dazu auf, für Homburg in Berlin aktiv zu werden.

Doch wie sieht die Rechtslage tatsächlich aus? Ein Antwort darauf liefert das zuständige saarländische Landesdenkmalamt. Dort wies man auf Nachfrage unserer Zeitung darauf hin, dass der Besitzer eines Baudenkmals, im Falle der Glantalbahn die Bahn AG, durchaus Änderungen an diesem vornehmen dürfe. Wie diese Änderungen aussehen können und dürfen, ergebe ein entsprechendes Prüfverfahren. Und man machte auch klar, dass in Einzelfällen eine solche Veränderung, wie jetzt bei der Glantalbahn geplant, durchaus statthaft sei.

Ein Abwägeprozess unterschiedlicher Interessen sei das. „Eine grundlegende Anfrage der Bahn AG zu einem möglichen Eingriff in das Baudenkmal Glantalbahn liegt uns derzeit allerdings noch nicht vor“, so Reinhard Schneider vom Landesdenkmalamt.

Käme dieser Eingriff aber, so wäre dies wohl das Ende für den zweiten Autobahnanschluss für Homburg, denn: Alternative Streckenführungen mit deutlichen Eingriffen in die Waldgebiete bei Erbach/Jägersburg dürften kaum mehrheitsfähig und umsetzbar sein.

Meinung
Planung mit Hintergedanken
Von SZ-Redakteur Peter Neuheisel


Seit längerem wissen wir, dass übergeordnete Stellen in Berlin und Saarbrücken in Homburg einen zweiten Autobahn-Anschluss planen. Favorit für die Architekten ist die in Homburg wenig geliebte Variante bei Reiskirchen, bei der ein Großteil Wald abgeholzt werden müsste. Auch ist man sich in der Kreisstadt einig, dass diese kaum Entlastung für die umliegenden Orte bringen würde, sondern eher eine Verkehrsverlagerung. Die im Rathaus und Stadtrat bevorzugte mögliche Anbindung über die stillgelegte Bahntrasse stößt in Saarbrücken und Berlin hingegen bislang auf mehr oder wenig offene Ablehnung. Das entmutigte die Homburger bislang nicht. Doch binnen kurzer Zeit müssen sie nun zwei Rückschläge einstecken: Zunächst wurde die Bahnlinie, für die sich über Jahrzehnte niemand interessierte, unter Denkmalschutz gestellt. Jetzt will man eine – für den Autobahnanschluss wichtige – alte Brücke zumauern. Da stellt man sich zwangsläufig die Frage: Kann das alles Zufall sein? Eher nicht. Es sieht so aus, dass ein Homburger Wunsch kräftig hintertrieben wird. Man schafft Fakten, um eine nicht geliebte Variante vorzeitig auszuschließen. Doch die Planer machen die Rechnung ohne den Wirt - sprich ohne den Bürger. Die werden sich mit der Ostanbindung bei Reiskirchen nicht abfinden. Die Trickserei könnte somit zur Retourkutsche werden. Es sei denn, man plant zwar, will aber eigentlich gar keinen neuen Autobahn-Anschluss.
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