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Bahn veröffentlicht nun monatlich Daten zur Pünktlichkeit

Berlin. Die Statistiken zu den Zugverspätungen gehörten bisher zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Deutschen Bahn. Seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer, Verkehrsexperten und auch Politiker, dass ausgerechnet ein Unternehmen im Staatsbesitz so verfährt. „Wir sind froh, dass wir es jetzt gemacht haben“, sagte Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg gestern, ohne erklären zu können, warum es seine Vorgänger nicht getan haben.

Die Bahn will jedenfalls „mehr Transparenz zeigen“ und veröffentlicht nun monatlich die bundesweiten Pünktlichkeitswerte, getrennt nach Fern- und Regionalverkehr. Die Internetseite http://www.bahn.de/puenktlichkeit ist seit gestern, 12.30 Uhr, freigeschaltet.

Von Jahresanfang bis Ende August lag die Pünktlichkeitsquote der ICE und Intercitys bei 80,4 Prozent. Die Regionalzüge erreichten im Durchschnitt 93,5 Prozent. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagt, die Bahn selbst habe „ein Interesse daran, die eigene Pünktlichkeit zu verbessern und sich daran messen zu lassen“.

Wie Ramsauer finden auch die Verkehrsverbände die neue Offenheit gut. Sie fordern aber, mehr gegen die Ursachen von Verspätungen zu tun. Gerade die 80-Prozent-Quote im Fernverkehr sei nicht befriedigend. Noch vor zehn Jahren habe die Pünktlichkeit der Fernzüge bei über 90 Prozent gelegen, sagte der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann.

Seitdem sei zu wenig investiert worden in die stark belasteten Knotenpunkte des Schienennetzes und den inzwischen überalterten Fahrzeugpark, klagte Naumann. Um zu sparen, habe die Bahn sogar Weichen und Überholgleise abgebaut. „Das rächt sich jetzt“, sagte er. Immerhin habe Bahnchef Rüdiger Grube inzwischen umgeschwenkt und konzentriere sich auf das von ihm gern so bezeichnete „Brot- und Buttergeschäft“.

Auch Bahn-Manager Homburg nennt die hochbelasteten Knotenpunkte etwa in Köln, Hamburg und Frankfurt als wichtige Ursache für Verspätungen. Dagegen helfe nur ein Ausbau des Netzes. Andere Gründe seien die gestiegene Zahl an Suiziden auf dem Gleis, Kabelklau oder Unwetter.

Beim Thema Verspätungen gibt es für die Bahn aber auch Grenzen der Transparenz. Wie viel Entschädigung sie nach den gesetzlichen Vorschriften in den vergangenen Monaten für verspätete Züge an ihre Kunden zahlen musste, wollte Homburg nicht verraten. Und auch Vergleichswerte zur Pünktlichkeit in den Vorjahren rückte er nicht heraus. „Wir sind in diesem Jahr besser als 2010 und etwas schlechter als 2009“ – mehr Informationen gab es dazu nicht.


 

Meinung

Respekt, Herr Grube!

Von SZ-Redakteur

Volker Meyer zu Tittingdorf

Der neue Bahn-Chef liefert. Rüdiger Grube hat mehr Service und Transparenz versprochen. Und die Pünktlichkeits-Statistik ist ein weiteres Beispiel dafür. Dabei arbeitet Grube aber nicht nur daran, das Image der Bahn bei ihren Kunden zu verbessern. Mit den (Un-)Pünktlichkeits-Daten übt er indirekt – und damit höchst geschickt – auch Druck auf die Bundesregierung aus. Denn um die Ursachen von Verspätungen zu bekämpfen, braucht das staatseigene Unternehmen mehr Mittel für Investitionen ins Gleisnetz und in Züge. Jetzt ist Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Zug.

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