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Bahnbeamter hilft gestrandeter Rumänin

Zweibrücken. Ohne eine Bleibe und ohne Deutschkenntnisse gestrandet am Hauptbahnhof: Am Montag geriet eine junge Rumänin in Zweibrücken in genau diese Situation. Zu ihrem einzigen Ansprechpartner avancierte Kurt Blinn, Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn in Zweibrücken. „Sie hat mir eine Karte gezeigt, auf der die Adresse der Justizvollzugsanstalt stand. Ich habe ihr den Weg eingezeichnet und mit Händen und Füßen erklärt. Sie ist fortgegangen und abends um halb zehn war sie wieder da – mit einem Zettel in der Hand“, erzählt Blinn. Darauf eine Art Erklärung für ihre Lage: Ihr Mann sitze in der JVA ein, Besuchstermine müsse sie telefonisch vereinbaren.

Man habe ihr vorgestern auch ohne Besuchstermin einen einstündigen Besuch eingeräumt, berichtet JVA-Leiter Albert Stürmer. Ihr Mann, der eine Geldstrafe nicht zahlen konnte, habe ihr dabei die Situation geschildert. Weitere Termine müssten nun telefonisch ausgemacht werden. Seitdem hielt sich die Frau tagsüber in der Stadt und abends am Bahnhof auf: Ohne Möglichkeit sich zu waschen, wie Blinn schildert, hauste sie nachts in der Bahnhofsvorhalle, unbeachtet von der Allgemeinheit. „Wenn ich Dienst hatte, habe ich ihr Äpfel und belegte Brote gebracht, eine Jacke gegeben, die Toilette aufgesperrt und ihr die Übernachtung in einem warmen Geräteraum ermöglicht. Ich habe den Eindruck, dass sie Hals über Kopf hergekommen ist und nicht weiter weiß.“ Sie bettelte nicht, schildert Blinn rechtfertigend, warum man ihr helfen müsse.



Der Fahrdienstleiter half der Frau weiter, die Hilfeersuchen seinerseits bei Ämtern hätten zunächst keine Besserung gebracht. Weder Ausländer-, noch Ordnungs- oder Sozialamt sahen sich angesichts des ungewöhnlichen Falls zuständig, bemängelten die „fehlende Rechtsgrundlage“. Auch ein Rumänisch-Dolmetscher fand sich zunächst nicht. Für die Zweibrücker Gerichte tätige Fachleute wohnen zu weit weg, an der Fachhochschule gibt es keine rumänisch-stämmigen Studenten. Doch die Geschichte machte in Zweibrücken die Runde. Die Tageszeitung „Pfälzischer Merkur“ berichtete über den Fall. Kinderschutzbund und Deutsches Rotes Kreuz boten Hilfe an. Der Leiter der Volkshochschule vermittelte den Kontakt zu einem Rumänen, ein ansässiger Arzt ist ebenfalls gebürtiger Rumäne.

Am Donnerstagabend folgte das Happy End. Die Stadt Zweibrücken stellte der gestrandeten Rumänin eine Wohnung zur Verfügung, Mittagessen erhält sie im Mehrgenerationenhaus. Das alles seien freiwillige Leistungen, betonte ein Stadtsprecher. Die Frau, die nicht in Deutschland gemeldet ist, habe keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Die Stadt kümmere sich vielmehr aus menschlichen Erwägungen um die Frau – aufgrund der Initiative von Blinn.

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