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Bald Atommüll-Lager in der Region?

Bonnet/Bure. „Ein kleines Festival gegen die große nukleare Mülltonne“ – so bescheiden bewerben die Gegner des geplanten atomaren Endlagers im lothringischen Bure sich selbst. Kein Wunder, erinnert ihre Geschichte doch an die des Kampfes zwischen David und Goliath: Einige hundert Aktivisten aus der Großregion wollen am kommenden Wochenende mit Vorträgen, Zirkus-Artistik, Kunst, Kabarett, Chansons und Punk- Rock in Bonnet nahe Bure ein Zeichen gegen ein gigantisches Projekt des französischen Staates setzen. „Wir repräsentieren die junge Generation rund um Bure. Wir möchten hier ohne Ängste leben. Mit unserem Festival werden wir die Menschen aufklären. Es ist noch nicht zu spät: Die Entscheidung für oder gegen Bure soll laut der französischen Regierung frühestens 2013 fallen“, erklärt der 30-jährige Maxime Lemonnier, Co- Präsident des Anti-Endlager- Vereins „Bure zone libre“ mit an die 500 Mitgliedern. Doch auch Maxime Lemonnier weiß: Bure ist der einzige Standort, der in Frankreich derzeit noch für die Einrichtung eines Endlagers gehandelt wird. An zwei Alternativ-Standorten gab es so massiven Widerstand aus der Bevölkerung, dass die französische Atomagentur Andra sich jetzt nunmehr auf Bure konzentriert. Maxime Lemonnier: „Unser Landstrich ist sehr dünn besiedelt. Hier kommen nur sechs Einwohner auf einen Quadratkilometer. Wenig Bürger heißt wenig Widerstand.



Darum hat die Regierung sich Bure ausgesucht.“ Auch mit an die 1000 Arbeitsplätzen, die das Endlager der strukturschwachen Region bringen soll, habe man bereits die regionalen Politiker geködert, behauptet der junge Aktivist. Nach jüngsten Recherchen der lothringischen Tageszeitung „Républicain Lorrain“ soll sich das Endlager unterirdisch auf 15 Quadratkilometer in den Kommunen Mandres-en-Barrois, Bonnet, Ribeaucourt und Bure erstrecken. Im Jahre 2025, so sehen es die Pläne der Andra im Moment vor, könnten die ersten hochradioaktiven Abfälle aus französischen Atomreaktoren und vom Militär anrücken. Auf Jahrhunderte würde dann in 500 Metern Tiefe – unter einer Lehm- und Tonschicht – 100 000 Kubikmeter hochradioaktives Material lagern. Darunter Cäsium 134 und 137 sowie Strontium 90. Seit 1998 betreibt die Andra in Bure ein Forschungslabor. Dort untersuchen Geologen, Chemiker und Physiker, ob das Gestein für den atomaren Müll geeignet ist. Mit Experimenten ermittelten sie, wie schnell sich radioaktive Elemente in der Lehmschicht fortbewegen. Und ob sie den hochgefährlichen Müll lieber in Glas, Stahl oder Beton lagern. „Wir sprechen über Zeiträume, die der Mensch nicht überblicken kann.



Wer kann garantieren, dass ein Verpackungsmaterial, das es gerade mal hundert oder zweihundert Jahre gibt, für die Ewigkeit taugt?“, fragt Markus Pflüger, Sprecher des Anti- Atomnetzes Trier und Mitglied des Vorstandes von „Bure zone libre“. Zu dem Anti-Endlager-Festival erwarten er und Maxime Lemonnier hunderte Atomkraft- Gegner aus Nancy, Metz, dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Gastredner ist etwa der Hamburger Politologe Wolfgang Hertle, der zu friedlichen Widerstandsbewegungen in Deutschland und Frankreich forscht. Er referiert in Bure über erfolgreiche Bürgerproteste. Zum Beispiel über die französischen Bauern, die im so genannten Konflikt von Arzac einen Truppenübungsplatz im südfranzösischen Département Aveyron verhindern konnten. Ein Happy End, auf das die Aktivisten von Bure noch hoffen.
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