L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

L125

Priorität: Dringend

18°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
18°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Bald atomares Endlager in Lothringen?

Was passiert in Bure?
Enste: Seit 1998/99 wird in Bure ein Untertagelabor errichtet. Dort wird Tongestein untersucht für die Endlagerung radioaktiver Abfälle. 2000 gab es ja das Moratorium für Gorleben und da hat die deutsche Politik gesagt: Wir wollen alternative Wirtsgesteine, also Gesteine zur Einlagerung der Abfälle, erkunden. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe soll für Ton den gleichen Wissensstand erreichen, den sie für Salz hat. Da wir in Deutschland kein Untertagelabor haben, haben wir uns bei den Schweizern beteiligt und seit 2001 bei den Franzosen in Bure.

Warum untersuchen Sie gerade Ton für die Lagerung?
Enste: Ton hat die Eigenschaft, sehr dicht zu sein und sich selbst zu verschließen. Das heißt, der Ton quillt und Klüfte verschließen sich wieder. In Bure ist der Ton besonders dick und er liegt in einer Tiefe von 420 bis 540 Metern. Allerdings ist die Temperaturbelastbarkeit von Ton nicht so gut wie die von Salz. Das heißt, hoch radioaktive wärmeentwickelnde Abfälle, die in Ton gelagert werden sollen, müssen länger zwischengelagert werden, damit sie unter eine Temperatur von 100 Grad abkühlen.

Bei hoch radioaktiven Abfällen muss ein so genannter positiver Langzeitsicherheitsnachweis geführt werden, damit ein Endlager eingerichtet werden darf. Dieser muss für eine Million Jahre nachweisen, dass alle Sicherheitsbedingungen gegeben sind.  Eine Million Jahre! Wie kann man das?
Enste: Man schließt viel aus der Vergangenheit auf die Zukunft. Der Ton in Bure ist ungefähr 150 Millionen Jahre alt. Man kann also ermitteln, ob und wie er sich in der Vergangenheit verändert hat und kann daraus entsprechende Rückschlüsse über die Entwicklung in der Zukunft ziehen.



Es gibt nach Angaben der saarländischen Umweltministerin ein Gutachten, das vor bereits vorhandenen Rissen in der Tonformation von Bure warnt…
Enste: Mir ist nicht bekannt, dass in diesem ganzen großen Untersuchungsgebiet größere Störungen oder Klüfte, also offene Risse, entdeckt wurden. Im Gegenteil. Die Befunde zeigen, das ist ein sehr homogenes Gestein. Risse, die es gibt, sind Teil der Auflockerungszone. Sie entsteht bei der Erschließung der untertägigen Grubenräume. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass diese Zone um Strecken bis zu fünf Meter in das Gebirge hineinreicht. Sie wird aber beim Endlagerungskonzept mitberücksichtigt: Beim Einlagern werden Verschlusskorken eingesetzt, um den Bereich zu verdichten.

Risse wären ja eine Gefahr für das Grundwasser…
Enste: Ja, aber da diese Bereiche vollkommen trocken sind, ist da auch keine Verbindung zum Grundwasser.  Der Ton ist eine sehr gute Barriere.



Kritiker sagen auch, die Erdbebensicherheit in Bure sei noch nachzuweisen…
Enste: Bure liegt geologisch gesehen am Rande des Pariser Beckens – seismologisch eine relativ ruhige Gegend. Nach unseren Erkenntnissen gab es da bislang keine größeren Erdbeben. Das Gebiet ist klassifiziert worden und liegt innerhalb der für Deutschland geltenden Stufe 1. Gebiete, die darüber liegen, kämen für den Bau einer solchen Anlage gar nicht in Frage. Hinzu kommt, dass Beben ihre Auswirkungen eher an der Erdoberfläche zeigen, der Einfluss unter Tage ist relativ gering. Und: Ein potenzielles Beben bis zur Magnitude 6 würde natürlich in den Planungen des Bauwerkes berücksichtigt.

Wie ist Ihre Prognose aus Forschersicht: Daumen hoch oder Daumen runter für das Gelände in Bure?
Enste: Wenn man im Moment die Dossiers der Franzosen liest, gibt es keine Argumente, die gegen Bure sprechen. Ton als Wirtsgestein ist prinzipiell für die Lagerung geeignet und wenn das Konzept weiter verfolgt werden kann, gehe ich davon aus, dass man das Endlager in Bure realisieren wird.

Wann endet die Forschung?
Enste: Die Ergebnisse sollen Ende 2012 vorgestellt werden. Dann folgt die öffentliche Debatte.

Würden Sie nach Bure ziehen, wenn es dort ein Endlager gibt?
Enste: Ich persönlich hätte damit kein Problem, da ich schon sehr lange mit dem Thema vertraut bin.  Aber die Ängste der Menschen muss man natürlich ernst nehmen. Die Lagerung in tiefengeologischen Formationen ist aus meiner Sicht der einzig sichere Schutz, um die Abfälle aus der Biosphäre zu holen.



Auf einen Blick
Die Bundesrepublik ist an der Forschung zu einem möglichen Endlager in Lothringen beteiligt. Bis einschließlich 2010 haben laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover rund ein Dutzend Geowissenschaftler, Techniker und Ingenieure in dem Untertagelabor in Bure gearbeitet. ko
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein