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Bald im Handel: „Faire Milch“ soll Bauern retten

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verkauft mit seinen Bauern künftig »faire Milch«. Damit will man ein Signal setzen, dass die Milchbauern nur mit höheren Erzeugerpreisen überleben können.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verkauft mit seinen Bauern künftig »faire Milch«. Damit will man ein Signal setzen, dass die Milchbauern nur mit höheren Erzeugerpreisen überleben können.

Saarbrücken. Er redet nicht nur über faire Milchpreise, der Landwirt Romuald Schaber aus dem Allgäu, er bringt sie auch in den Handel. Schaber ist Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Bauern seines Verbandes beliefern jetzt Handelsunternehmen mit Milch, bei der sichergestellt ist, dass die Landwirte 40 Cent je Liter bekommen. „Im Saarland soll diese Milch ab September in den Regalen der Rewe-Gruppe stehen“, erläutert Schaber in einem Gespräch mit unserer Zeitung.  Zunächst wird es H-Milch sein, später sollen Frischmilch und Käse dazu kommen. 40 Cent pro Liter „müssen die Milchbauern mindestens bekommen, um einigermaßen kostendeckend zu arbeiten“, ist seine Botschaft.

Hier kennt der „fröhliche Milchrevoluzzer“, wie ihn „die tageszeitung“ beschrieben hat, keinen Spaß. Vor zwei Jahren, als die Milchpreise bei 24 Cent lagen, hat er seine Bauern dazu gebracht, den weißen Saft in den Gulli zu schütten. Spätestens seit diesen Aktionen werden Schaber und der BDM ernst genommen. Immerhin sind inzwischen 30 000 Milchbauern bei ihm organisiert, im Saarland rund 180.



Mittlerweile hat sich der Milchpreis ein wenig erholt. Er pendelt bei 30 Cent, Schaber erwartet für den Herbst sogar 35 Cent. „Doch für wie lange?“, fragt er. Er will, dass die Preise nicht mehr so kräftig hin und her schwanken. Dadurch werde den Bauern die Kalkulationsgrundlage entzogen. Um Stetigkeit zu erreichen, „kann man an nationalen Grenzen nicht halt machen, sondern muss die Preisbildung europäisch organisieren“, mahnt Schaber an.

Er schlägt auf Europa-Ebene eine Monitoring-Stelle vor, die diesen Zielpreis sicherstellt. An ihr sollen sowohl die Milcherzeuger als auch die Verbraucher beteiligt sein. Der Staat solle sich aus der Preisbildung zurückziehen und lediglich die Rahmenbedingungen vorgeben. Diese Monitoring-Stelle „muss handlungsfähig sein und mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden“, fordert Schaber. Das will er mithilfe einer Gruppenfreistellungs-Verordnung erreichen, die die Organisation in die Lage versetzen könne, „dass Erzeugergemeinschaften eine Marktmacht von bis zu 30 Prozent auf sich vereinigen können“. Die einzelnen Landwirte sollen so viele Lieferrechte erhalten, dass der Erzeugerpreis von mindestens 40 Cent sichergestellt sei.

Die europäische Regelung würde auch einen Milchtourismus verhindern, wie er beispielsweise zwischen Deutschland und Frankreich stattfinde. Da die deutsche Milch vier Cent günstiger ist als die der französischen Bauern, kaufen die dortigen Molkereien deutsche Kontingente auf und versuchen gleichzeitig, die Preise ihrer Landwirte zu drücken. Mit dem Ergebnis, dass französische Bauern vor kurzem ihren Stallmist dort abgeladen haben.

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