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Bald viele Kirchen im Saarland dicht?

Von SZ-Redakteur Johannes Kloth

Saarbrücken. Alles hat seine Zeit, sagt Pfarrer Hölscher. Und jetzt sei die Zeit, sich von einem liebgewonnenen Gebäude zu verabschieden. Sonntag, der 7. November des vergangenen Jahres: Hans-Lothar Hölscher steht in der evangelischen Kirche Quierschied vor seiner Gemeinde. Er klappt die Altarbibel zu. Ein letztes Mal.

Um 11.15 Uhr ist das Gotteshaus „entwidmet“, künftig darf es nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden. Leicht hatte sich die Gemeindeleitung die Entscheidung nicht gemacht, doch eine andere Wahl blieb nicht, zu hoch waren die anstehenden Sanierungskosten des 50er-Jahre-Gebäudes.

Das einstige Gotteshaus in Quierschied gehört zu 13 Kirchen und Gemeindehäusern, die im Saarland in den vergangenen zehn Jahren geschlossen wurden. Gemessen an den rund 400 verbliebenen (darunter etwa 300 katholische Kirchen) scheint die Zahl gering. Doch Experten ist klar, dass dies nur ein kleiner Vorgeschmack auf das ist, was da in zehn bis 15 Jahren kommen wird. Denn der Trend ist eindeutig: Einer zurückgehenden Auslastung der Kirchen stehen steigende Betriebskosten und ein erheblicher Sanierungsstau gegenüber. Der kontinuierliche Bevölkerungsrückgang führt zu immer geringeren Kirchensteuereinnahmen. „Zukünftig wird es schwierig werden, die Kirchen überhaupt noch zu füllen“, sagt der Diözesanbaumeister des Bistums Trier, Christoph Freitag.

Ein düsteres Bild malt auch die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz: Ein Drittel der 45.000 christlichen Kirchen in Deutschland stünden vor der Schließung, heißt es – und das, obwohl Milliarden in Sanierungsmaßnahmen gepumpt wurden. Bezogen auf das Saarland äußern sich die Kirchen derzeit noch vorsichtig. In dem zum Bistum Speyer gehörenden Teil des Landes stünden keine Schließungen katholischer Kirchen an, heißt es. Ähnliches hört man aus dem Bistum Trier, wobei man hier auf den im September in Kraft tretenden „Strukturplan 2020“ verweist. Er sieht eine Konzentration von Pfarreien vor. Damit einher geht die Einführung von „Schlüsselzuweisungen“. Das Geld, das die künftigen „Pfarrgemeinschaften“ vom Bistum – auch für Sanierungen – erhalten, richtet sich fortan also nicht mehr nach dem Bedarf, sondern nach Anzahl der Pfarreien und Gemeindemitglieder. Damit sollen die Gemeindeverbände auch autonomer entscheiden können, welche Kirchen sie behalten und welche aufgeben wollen. Etwas deutlicher äußert sich die evangelische Kirche: Ja, auch im Saarland seien weitere Schließungen geplant, welche, könne man aber noch nicht sagen.

Das Thema ist sensibel und nicht rein mathematisch zu lösen, denn die Kirche als der Ort, an dem das Wort Gottes verkündet wird, hat zwar oft einen geringen materiellen, dafür aber einen hohen symbolischen Wert. Gemeindemitglieder hängen an ihrer Kirche als geistiger Heimstätte. Dass wissen auch die Kirchenverbände. Sie haben Richtlinien für Entwidmungen herausgegeben. So fordert die evangelische Kirche im Rheinland (EKR) von den Presbyterien detaillierte Gebäudestrukturanalysen, bevor eine Entwidmung bewilligt wird. Für einen möglichen Verkauf gilt: Eine Umnutzung zu kulturellen Zwecken ist erlaubt, der Verkauf an nicht-christliche Religionsgemeinschaften (mit Ausnahme des Judentums) verboten. Ähnliche Ausführungen finden sich in den „Entscheidungshilfen“ der Deutschen Bischofskonferenz. Die Einschränkungen erschweren ein systematisches Immobilienmanagement, wie es vielfach gefordert wird, zusätzlich.

Das bekommt auch die evangelische Kirche zu spüren: Die von Pfarrer Hölscher entwidmete Kirche in Quierschied etwa steht leer. Ein Mieter oder gar Käufer ist nicht in Sicht.


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