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Ballettchefin Donlon verlässt das Saarländische Staatstheater

Intendantin Dagmar Schlingmann,  Kulturminister Ulrich Commerçon und Ballettdirektorin Maguerite Donlon auf der Pressekonferenz am 18.06.2013.

Intendantin Dagmar Schlingmann, Kulturminister Ulrich Commerçon und Ballettdirektorin Maguerite Donlon auf der Pressekonferenz am 18.06.2013.

Schiller-Foyer im Saarländischen Staatstheater: Da kommt einem unweigerlich „Maria Stuart“, Schillers großes Drama der rivalisierenden Königinnen in den Sinn. Schließlich geht es auch hier um die Auseinandersetzung zweier Führungspersönlichkeiten, zweier Frauen – von Generalintendantin Dagmar Schlingmann und Ballettchefin Marguerite Donlon. Und, ja, der gestern eilig angesetzte Medientermin hat viel von einem Bühnenfinale. Die Intendantin wartet unruhig schon 15 Minuten vor der Zeit. Auch Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) ist überpünktlich. Noch-Ballettchefin Donlon aber kommt ganz zuletzt. Tänzer ihrer Company stehen fast Spalier. Umarmen sie. Für alle Fälle sitzt dann Rechtsanwalt Holger Kröniger von der Saarbrücker Kanzlei Rapräger neben ihr. Bei einigen Fragen raunt er Donlon zu: „Nichts sagen.“ Die beiden Spitzenfrauen des Theaters würdigen sich kaum noch eines Blickes. Es muss nicht offen gesagt werden, was seit Monaten immer wieder aus der Bühne nach außen dringt (wir berichteten): Schlingmann und Donlon können längst nicht mehr miteinander. Ein Un-Verhältnis, das das gesamte Theater belastete.

Die Ballettchefin, seit 2001 in Saarbrücken, wollte vor allem mehr Spielraum für ihre Company. Die 47-jährige Irin stellte damit auch die Theaterstruktur in Frage. Zuletzt wurde sie Anfang des Jahres mit dem Vorschlag einer weitgehend unabhängigen European Dance Company bei Commerçon vorstellig – ohne zuvor Schlingmann ins Bild zu setzen. Die Intendantin dagegen steht mit voller Überzeugung für ein Dreispartenhaus, in dem sie die Interessen von Oper, Schauspiel und Ballett ausgleicht. „Ich habe versucht, den Wünschen der Ballettchefin entgegen zu kommen“, sagt die 53-Jährige. Doch die gingen ihr wohl viel zu weit.

Die Vertragsauflösung sei das Resultat abweichender Vorstellungen zur zukünftigen Entwicklung der Ballettsparte gewesen, begründet der Minister betont sachlich das Vertragsende. Man habe sich „einvernehmlich darauf verständigt“, den Vertrag zum 31. Juli aufzulösen. „Das Saarland schuldet Marguerite Donlon Dank“, sagt er. Und macht deutlich, dass er ihre künstlerische Arbeit schätzt. Aber auch, auf wessen Seite er steht. Auf Seiten Schlingmanns – und eines klassischen Dreispartenhauses. Die Intendantin schließt sich mit knappen Worten dem Dank an. Donlon habe „Großartiges geleistet“. Auch Donlon ist wortkarg: Tanz habe großes Potenzial, das habe sie entwickeln wollen. Doch das schien ihr hier wohl nicht mehr möglich. Ansonsten bleiben manche Fragen unbeantwortet. Bekommt Donlon eine Abfindung, weil sie zwei Jahre vor Ablauf ihres Vertrags geht? „Das kommentieren wir nicht“, antwortet Commerçon.

Schlingmann macht auch noch einmal ihre Position deutlich: Sie stehe für ein Dreispartenhaus, dafür sei sie 2006 in Saarbrücken angetreten. Was von der Landesregierung, in der Donlon in Zeiten der CDU-Allein-Regierung und während der kurzen Jamaika-Episode etliche Fürsprecher hatte, nun wohl auch so gesehen wird. Die Landesregierung steht zu einem „vollgültigen Dreispartenhaus mit Oper, Schauspiel und Ballett“, sagt der Minister. Befürchtungen, mit dem Weggang Donlons könnte unter dem Druck der Schuldenbremse auch das Messer ans Ballett gesetzt werden, tritt er energisch entgegen.

Commerçon muss sich freilich auch um die Außenwirkung der Kulturlandes Saarland sorgen, das noch unter dem Debakel um den Vierten Pavillon leidet. Ivan Liska, Direktor des Bayrischen Staatsballetts, sprang seiner Kollegin mit einem Schreiben bei. „Der Rücktritt stellt die fachliche und kulturpolitische Qualifikation der Entscheidungsträger in Frage“, schreibt er. „Ein unmögliches Vokabular“, weist Commerçon solche Anwürfe zurück. Es dürften allerdings noch etliche Solidaritätsadressen folgen.

Und wie geht’s nun weiter? Es wird kein ganz radikaler Schnitt werden. Marguerite Donlon wird als Gast in der kommenden Saison noch zwei Produktionen auf die Saarbrücker Bühne bringen. Mit ihr allerdings werden auch drei ihrer 15 Tänzer gehen. Man werde jetzt nach einem Nachfolger für Donlon suchen, sagt Schlingmann, frei werdende Tänzerstellen neu besetzen. Marguerite Donlon äußert sich zurückhaltend zu ihren Zukunftsplänen. „Ich werde auch hinausschauen“, sagt sie. Konkrete Angebote auf eine andere Choreographenstelle hat sie bislang aber wohl nicht.




HINTERGRUND

Marguerite Donlon, 1966 im irischen County Longford geboren, begann ihre professionelle Ballettausbildung im Alter von 16 Jahren. 1988 erhielt sie beim London Festival Ballet ihr erstes Engagement als Tänzerin. Als Solistin wechselte sie 1990 zum Ballett der Deutschen Oper Berlin. Dort arbeitete sie mit Tanzgrößen wie Natalia Makarova, Rudolf Nurejew und Sir Kenneth MacMillan zusammen. Tourneen haben sie unter anderem ins Metropolitan Opera House in New York geführt. Seit 2011 ist Donlon Ballettdirektorin und Choreografin am Saarländischen Staatstheater. Die dortige Ballettcompanie, die bei Tourneen den Namen „Donlon Dance Company“ trägt, hat sie zu einem international gefragten Ensemble entwickelt. Ende 2012 wurde die Truppe vom renommierten Sadler’s Wells Theatre in London zu einem Gastspiel eingeladen. Donlon wird das Haus zum Ende der laufenden Saison am 31. Juli verlassen. Der bis 2015 laufende Vertrag wurde aufgelöst. red
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