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Barrierefrei: Wie behindertengerecht ist Saarbrückens Rathaus?

Behinderte Menschen stehen im Saarbrücker Rathaus vor so mancher Barriere...

Behinderte Menschen stehen im Saarbrücker Rathaus vor so mancher Barriere...

Eindeutig geflunkert! Das metallene Schild im Erdgeschoss des Saarbrücker Rathauses listet genau auf, welche Stockwerke, Ämter und Personen man mit dem Fahrstuhl angeblich erreichen kann. Kann man aber trotzdem nicht. Nicht alle. Jedenfalls schaffen es Besucher im Rollstuhl oder mit starken Gehbehinderungen nicht auf die leichte Tour, die hier verheißen wird. Da Treppen und nicht Rampen Niveauunterschiede zwischen den sechs Flügeln des Hauses ausgleichen, müssen Gehbehinderte je nach Ziel ins Erdgeschoss zurück und mit einem anderen Fahrstuhl erneut Anlauf nehmen. Wer die speziellen Saarbrücker Hindernisse kennt, kommt schneller an, wer nicht, muss halt üben. Oder die Schilder müssen neu beschriftet werden.

Blinde haben es am schwersten Manche Abteilungen, etwa ein ganzer Flur des Liegenschaftsamtes, sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gar nicht zu erreichen. Blinde und Sehbehinderte haben es am schwersten, denn die Fahrstühle sind ohne akustische Hilfen oder Markierungen, mit denen sie sich den Weg durch den Behördendschungel bahnen könnten. Blinde werden im ganzen Haus immer auf Helfer angewiesen sein. Dabei ist es das wichtigste Anliegen von Behinderten, selbstständig am öffentlichen Leben teilhaben zu können, also ohne andere um Hilfe bitten zu müssen. Die Landeshauptstadt hat soeben einen „Innenstadtplan der Saarbrücker City für mobilitätseingeschränkte Menschen“ vorgelegt, erstellt von einem Rollstuhlfahrer. Dem – nicht sehr hohen – Anspruch nach ist es ein „Wegweiser zu Institutionen und Örtlichkeiten... Er will eine Entscheidungshilfe sein bei der Frage, ob die aufgeführten Örtlichkeiten den behinderungsbedingten Anforderungen entsprechen“.

Die ehrenamtliche Saarbrücker Gesamtbehindertenbeauftragte Dunja Fuhrmann findet, dass der Plan fürs Finden von Parkplätzen und öffentlichen Toiletten gut geeignet sei. Den praktischen Nutzen müsse jeder für sich selbst herausfinden. Unter dem Titel „Kultur & Freizeit“ werden acht Saarbrücker Anlaufstellen aufgelistet. Eine ist der Bürgerpark. Die Beschreibung lautet: „Parklandschaft auf dem Gelände des ehemaligen Kohlehafens, teilweise Kopfsteinpflaster, Asphalt, Kiesbelag, kein WC.“ Hilft das einem ortsunkundigen Städtetouristen im Rollstuhl? Soll er da unbedingt hin? Oder besser wegbleiben? Wie ein Rundgang mit Rollstuhlfahrerin Fuhrmann aufzeigt, könnte das Rathaus St. Johann selbst noch deutlich behindertenfreundlicher sein, als es sich wähnt. Wegweiser und Tafeln hängen zu hoch, um aus dem Sitzen ganz gelesen werden zu können. Den meist geschlossenen, massiven Türen zu den Abteilungen fehlen automatische Öffner, und nur wer Armmuskeln und etwas technisches Verständnis hat, kann sie so weit aufdrücken, dass ein Elektro-Rollstuhl durchkommt.

Von zwei Behindertentoiletten ist eine sehr in Ordnung, die zweite ist unzweckmäßig aufgeteilt – Alltag für Behinderte: gut gedacht, schlecht gemacht, weil man sie beim Planen nicht fragt. Bei unserem Besuch der Toilette am Montag war dort der Arbeitswagen der Putzkolonne „geparkt“, sie war also unbenutzbar – so wie auch Behindertenparkplätze ständig missbraucht werden. „Es müsste hier einiges gemacht werden“, bilanziert die ehrenamtliche Interessenvertreterin Dunja Fuhrmann, wiewohl sie mit dem Rathaus St. Johann noch überdurchschnittlich zufrieden ist. Etwa im Vergleich zu den meisten Landesbehörden, wo die Bedingungen viel schlechter seien.

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