L365 Weiskirchen Richtung Nonnweiler Sitzerath Gefahr durch defektes Fahrzeug L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (08:29)

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Beamter bei Schlägerei in Burbach attackiert

Saarbrücken. Der große Rosenmontagsumzug durch Burbach war seit Stunden beendet, und im Bürgerhaus des Saarbrücker Stadtteils tanzten ausgelassen die Faasendbooze, als um kurz vor 21 Uhr bei der Polizei ein Notruf einging. Ein Anrufer meldete eine Massenschlägerei vor dem Bürgerhaus. Die sechs Polizisten, die von der Wache in Burbach ausrückten, beorderten auch gleich drei Diensthundeführer zum Bürgerhaus. Dort stießen sie auf bis zu 40 betrunkene Menschen, die sich lauthals anpöbelten und immer wieder aufeinander los gingen.

Den Polizisten gelang es nach Angaben von Polizeisprecher Georg Himbert nur schwer, die Streithähne zu trennen. Ein 50-jähriger Polizist wurde dabei krankenhausreif geprügelt. Ein 25-jähriger Burbacher schlug dem Beamten mit voller Wucht gegen den Kopf, zertrümmerte seine Brille, schleuderte ihn zu Boden und würgte ihn. Der Polizist kam mit Kopfverletzungen und Prellungen am Knie, an der Hand und an der Wirbelsäule ins Krankenhaus. Er sei inzwischen zwar wieder zu Hause, aber „bis auf Weiteres dienstunfähig“, sagte Himbert. Eine Kollegin erlitt zudem Verletzungen am Hals und an der Schulter.

Die übrigen Einsatzkräfte wurden von der aggressiven Meute am Einschreiten gehindert. Die Polizisten mussten Verstärkung aus dem gesamten Stadtgebiet anfordern, um die Situation schließlich unter Kontrolle zu bringen. Der 25-jährige Täter erlitt beim Einsatz der Polizeihunde Bissverletzungen und musste im Sulzbacher Krankenhaus ambulant behandelt werden. Gegen ihn und einen weiteren Burbacher (47), der massiven Widerstand leistete, wird wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährliche Körperverletzung ermittelt.

Übergriffe auf Polizisten gab es an Fastnacht auch in anderen Gemeinden: In Schmelz wurde ein 26-Jähriger nach dem Rosenmontagszug in die Ausnüchterungszelle gebracht, nachdem er auf Polizisten losgegangen war. Zwei 20-Jährige beleidigten die Beamten über ein Megafon, bei einem weiteren 20-Jährigen stellten Polizisten eine geladene Schreckschusspistole sicher. In Marpingen musste die Polizei neun Mal zu einer Fastnachts-Disco ausrücken; auch dort verletzten Jugendliche einen Polizisten.

Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat sich Behördenangaben zufolge nach dem Jahrtausendwechsel ungefähr verdoppelt und stagniert seit mehreren Jahren auf hohem Niveau. „Diese Entwicklung können wir nicht hinnehmen“, sagte Innenminister Stephan Toscani (CDU) gestern der SZ. Jeder Polizist repräsentiere den Rechtsstaat. „Deshalb ist für mich jeder Angriff gegen einen Polizeibeamten ein Angriff auf unseren Rechtsstaat und damit auf alle Bürgerinnen und Bürger.“ Im Auftrag des Saarlandes und neun weiterer Bundesländer hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen bis Juni 2011 Polizeibeamte für eine Studie nach ihren Gewalterfahrungen befragt. Die Ergebnisse werden derzeit detailliert analysiert.
 
Hintergrund
Angriffe auf Polizisten können seit Januar 2011 mit höheren Strafen geahndet werden. Im Strafgesetzbuch sind bei „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ bis zu drei, in besonders schweren Fällen sogar bis zu fünf Jahre Haft vorgesehen. Neu ist, dass das Gesetz auch Einsatzkräfte etwa der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes schützt. kir

„Konsequent gegen Gewalt vorgehen“

Psychologe sieht mangelnde soziale Kompetenz als Ursache für Ausschreitungen

Der saarländische Polizeipsychologe Werner Sorg fordert ein konsequenteres Vorgehen der Polizei gegen gewaltbereite Randalierer. Mit Sorg sprach SZ-Redakteur Johannes Schleuning.

Herr Sorg, offenbar sinkt in der Bevölkerung die Hemmschwelle für Gewalt gegen Polizeibeamte. Woran liegt das?
Sorg: Die Gewaltbereitschaft nimmt in unserer Gesellschaft generell zu, und damit auch gegenüber Polizeibeamten. Sie ist Ausdruck einer zunehmend mangelnden sozialen Kompetenz. Soll heißen: Es findet kein Austausch über unterschiedliche Auffassungen mehr statt, stattdessen wird gleich zum Mittel der körperlichen Gewalt gegriffen. Bei diesen Menschen ist die Fähigkeit zur Kommunikation meist nicht mehr richtig ausgebildet worden. Es fehlt zudem an Respekt, auch sich selbst gegenüber. Vielleicht müssen aber auch die Polizisten sehr viel früher und sehr viel deutlicher Signale setzen, dass sie gegen diese Gewalt konsequent vorgehen werden. Notfalls mit körperlichen Zwangsmitteln wie etwa Fesseln.

Statistiken zufolge nimmt die Gewaltbereitschaft vor allem bei alkoholisierten Jugendlichen zu. Und Alkohol enthemmt – kommunikative Fähigkeiten hin oder her...

Sorg: Deswegen muss die Polizei auch umso konsequenter solchen Leuten entgegentreten. Und im Zweifelsfall muss erst Verstärkung angefordert und dann eingegriffen werden.

Nach einer Forsa-Umfrage von 2011 genießen Polizisten neben Feuerwehrleuten und Ärzten unverändert das höchste Ansehen. Wie passt das zusammen?
Sorg: Polizisten werden in erster Linie als Garant für Sicherheit verstanden. Das würden vermutlich selbst die Randalierer so beurteilen. Aber nach der Eskalation zählt das nicht mehr.





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