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Beckinger Schraubenwerk: Mitarbeiter fürchten Kahlschlag

Erst am Mittwoch (11.06.2014) hatten die Beschäftigten der Firma Whitesell Beckingen  vor dem Landtag des Saarlandes in Saarbrücken für den Erhalt  ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Erst am Mittwoch (11.06.2014) hatten die Beschäftigten der Firma Whitesell Beckingen vor dem Landtag des Saarlandes in Saarbrücken für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Stinksauer sind sie, die Beckinger Mitarbeiter des US-Schraubenherstellers Whitesell. Gerade ist gestern die Betriebsversammlung im saarländischen Werk zu Ende gegangen. „So geht man nicht mit Menschen um“, schimpft eine Frau. „Wir werden behandelt wie ein Stück Dreck“. Die rund 340 Mitarbeiter des Beckinger Traditionsbetriebs wissen nun, dass ein kräftiger Abbau von Arbeitsplätzen droht.

Insgesamt sollen bei Whitesell in allen vier Werken von 1300 Jobs bis zu 900 abgebaut werden. So habe es der Deutschland-Chef von Whitesell, Bob Wiese, ihnen gerade erzählt. Auf Beckingen heruntergebrochen, würden ihren Schätzungen zufolge noch etwa 60 Arbeitsplätze übrigbleiben. „Mit so einer kleinen Mannschaft lässt sich keine Schraubenproduktion aufrecht erhalten“, ist Betriebsratschef Gerfried Lauer überzeugt. Wann die Maßnahmen umgesetzt würden, habe Wiese offen gelassen. Sicher sei nur, dass nicht nur das Werk in Neuss geschlossen wird. Auch die Fabrik in Schrozberg steht wohl auf der Kippe, wenn Whitesell Deutschland einen Großauftrag des US-Autobauers General Motors (GM) nicht erhält. Dann blieben nur noch die Werke in Beckingen und Neuwied übrig.

Die Gewerkschaft IG Metall will „erheblichen Widerstand gegen diese geplante Massenarbeitslosigkeit organisieren“. Das kündigte Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter der Verwaltungsstelle Völklingen, an. Als die Amerikaner die Schraubengruppe zu Beginn des Jahres übernahmen, „haben die Werke Gewinn geschrieben und hatten mehr als 300 Kunden“, erzählt er. „Jetzt ist es nicht einmal mehr eine Handvoll.“ Durch massive Preiserhöhungen sei eine Vielzahl von Kunden vergrault worden. Die Gewerkschaft will erreichen, dass Whitesell die Gruppe wieder abgibt.

„Dieses Werk gehört zu Beckingen wie die Kirche zum Dorf“, sagt Dagmar Ensch-Engel, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Saar- Landtag und gebürtige Beckingerin. Die Fabrik gibt es seit 1869. Auch der SPD-Abgeordnete Stefan Krutten, ebenfalls aus Beckingen , hält das Vorgehen der Amerikaner für „skandalös“. Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine kündigte für die Parlamentssitzung am Mittwoch eine Aktuelle Stunde an. Er will erreichen, dass sich die Montanstiftung Saar bei Whitesell engagiert, um den Schraubenhersteller zu retten.

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