A620 Saarlouis Richtung Saarbrücken AS Saarbrücken-Gersweiler gefährliche Situation in der Einfahrt, Unfallaufnahme, Gefahr (06:47)

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Bei Burbach gesunkenes Schiff wird geborgen

Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

Saarbrücken. Tausende Autofahrer sehen täglich von der Autobahn A 620 hinter der Abfahrt Burbach/Gersweiler den Rumpf des Motorschiffs „Centurion“ aus den trüben Fluten der Saar ragen. Gestern Mittag saßen friedlich schlummernd fünf fette Enten auf dem aus dem Wasser ragenden Rumpfteil des untergegangenen ehemaligen Saarbrücker Fahrgastschiffs. Das hatte zuletzt im August 1999 einen großen öffentlichen Einsatz: Als Pendelschiff bei der Wahlkampf-Fete der Saar-SPD. Auch SPD-Ministerpräsident Reinhard Klimmt ging damals gegen CDU-Kandidat Peter Müller unter.

Das „MS Centurion“ war am 8. Dezember 2010, als die Saar wieder einmal Hochwasser führte, von einem in den Fluten treibenden Baum an seinem Liegeplatz in Höhe der Congresshalle getroffen worden. Die Wucht des Aufpralls des Baumes hatte das etwa 30 Jahre alte Motorschiff vom Liegeplatz losgerissen und Leck geschlagen. „Centurion“ trieb auf das Kraftwerk Saarbrücken der Saarwasserkraftwerke GmbH (RWE-Tochter) in Burbach zu, stürzte über das Wehr und versank etwa 100 Meter hinter der Staustufe in der Saar.

„Centurion“-Eigner Klaus Vogelgesang aus Kleinblittersdorf sagte der SZ: „Das Wasser- und Schifffahrtsamt wollte das mit einem großen Ponton, der unten den Rumpf geschoben wird, machen. Bedingt durch das Hochwasser hatten sie aber niemand abstellen können.“ Jetzt müsse man sehen, wie es weitergehe, eventuell komme auch ein Schwimmkran zum Einsatz. Das Leck sei bereits von einem Taucher zugeschweißt worden. In etwa zwei Wochen solle ein Bergungsversuch unternommen werden. Vogelgesang berichtete, dass die Bergung versichert sei und etwa 30.000 bis 40.000 Euro kosten werde. Zudem müsse die gesamte Inneneinrichtung saniert und auch der Dieselmotor überholt werden. Ein Auslaufen des Diesels, das die Saar gefährden könnte, sei nicht zu erwarten, da „die Tanks gut verschraubt“ seien. Ein Experte des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Saarbrücken erklärte der SZ, dass er mit einer sechsstelligen Bergungssumme rechne. Das Schiff taxierte der Experte auf etwa 350.000 Euro.

Auf dem „MS Centurion“ waren in den vergangenen Jahrzehnten tausende Saarländer auf der Saar geschippert.Vogelgesang hat das Schiff nach eigenen Angaben vor etwa sieben Jahren gekauft und auf einer Werft in Trier sanieren lassen. Der Chef eines Dachdeckerbetriebs gründete mit Freunden die „Centurion-Bruderschaft“, deren Mitglieder Freizeitausflüge auf den Kanälen in Frankreich unternahmen.

Die WSA-Vize-Chefin Elisabeth Richrath berichtete, dass es keinen „Wracktourismus“ wie am Rhein gebe. Umweltgefahren würden von der „MS Centurion“ nicht ausgehen, da lägen ihr keine Meldungen der Umweltämter vor. Jedoch sei die Freizeitschifffahrt durch die Lage des „MS Centurion“ beeinträchtigt, da es unmittelbar vor einer Rampe für Kanusportler liege, die jetzt gesperrt sei. „Bisher ist noch kein Schiff, das in Fahrt war, auf der Saar gesunken“, so Richrath.

Fall „Erna“ ungelöst

Derzeit liege aber ein weiteres Schiff auf dem Saargrund: Die Peniche „Erna“. Ein altrosa gestrichener Kahn, der im Saarbrücker Osthafen seit Jahren für Schlagzeilen sorgt: Mal wegen des Schrotts an Bord, mal wegen blutiger Kämpfe, mal wegen auslaufenden Öls, das das Hafenbecken verseucht. Doch an der „Erna“ beißt sich das WSA bisher die Zähne aus. Eine zähe Dame, die „Erna“.


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