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Bei Schlägereien greifen sie ein

Nach dem tödlichen S-Bahn-Anschlag von München wird das Thema Zivilcourage debattiert. An vielen Schulen im Saarland beweisen bereits ausgebildete Streitschlichter Zivilcourage - indem sie der Gewalt mit Argumenten begegnen.

Saarbrücken. Von Kleinigkeiten sprechen Erwachsene oft, wenn es darum geht, worum sich Kinder streiten. Für die Kinder und Jugendlichen geht es bei diesen vermeintlichen Kleinigkeiten meist aber um mehr. Um Zugehörigkeit, sich zu behaupten und um verletzte Gefühle. Besonders in der Schule können aus vermeintlichen Kleinigkeiten schnell Situationen entstehen, die Kinder belasten. An 37 Grundschulen und an mehr als 90 Prozent der weiterführenden Schulen im Saarland gibt es daher für solche Fälle Streitschlichter, so geannte Mediatoren. Sie vermitteln, wenn zwei Streithähne nicht mehr weiterwissen. Im Zuge der Initiative "Halt, warum Gewalt?" des Bildungsministeriums wurde das Streitschlichter-Programm 2002 ins Leben gerufen, gemeinsam mit dem Verein "Wir im Verein mit Dir".

Mediatoren sind speziell ausgebildete Lehrer und Schüler. Die Ausbildung übernehmen die Landesinstitute für Präventives Handeln (LPH) sowie Pädagogik und Medien (LPM). In 50 Stunden werden Lehrer zu Mediatoren ausgebildet. Diese wiederum geben dann in rund 30 Stunden das Gelernte an ausgewählte Schüler weiter.

Für weiterführende Schulen übernimmt die Lehrer-Ausbildung Anne Feichtner. Die Diplom-Pädagogin erklärt das Prinzip: "Mediatoren sind unparteiische Dritte, die auf einem kommunikativen Weg die Streitenden begleiten. Die Streitenden müssen die Lösung selbst finden." Was sehr abstrakt klingt, ist in der Praxis eigentlich ganz einfach: Wenn zwei Streitende zu einem Mediator kommen, werden sie zunächst freundlich und formal vom Mediator empfangen. Der Mediator hört sich beide Seiten des Streits an, ohne einen Kommentar abzugeben. Aktives Zuhören nennt das Anne Feichtner. So können beide Streitparteien ihre Sicht der Dinge darstellen, müssen sich jedoch auch die Zeit nehmen, dem Gegenüber zuzuhören. "Es geht nicht um Schuld oder Recht haben bei der Lösungsfindung, sondern darum, dass beide Streitparteien die Lösung selbst entwickeln und damit einverstanden sind", sagt Feichtner. Das Vereinbarte wird schließlich in einem Vertrag festgehalten. Sind die Probleme zwischen Schülern zu groß, greifen die Lehrer ein. Ziel sei es, so Feichtner, "durch Prävention und Intervention eine verlässliche Streitkultur aufzubauen, die sozialen Kompetenzen der Schüler zu erweitern und das Schulklima zu verbessern." Sie verweist auf Studien, die belegen, dass sich an Schulen die drei Jahre dieses Programm im Schulalltag aktiv nutzen, das Schulklima nachweislich bessert.

Die Schülerinnen Juliane Hanck, Lena Wilhelm und Aline Elbouchikhi sind Streitschlichterinnen an der Gesamtschule Bellevue in Saarbrücken. Im vergangenen Schuljahr haben die Achtklässlerinnen sich ausbilden lassen. "Es ist oft nicht so einfach, neutral zu sein", sagt die 14-jährige Juliane Hank, aber durch Rollenspiele hätten sie während der Ausbildung gelernt, unparteiisch zu bleiben. Das Programm sei wichtig, sagt Aline Elbouchikhi, weil Schüler bei Problemen aus Angst vor Strafen nicht unbedingt zu Lehrern gehen wollen. Und Lena Wilhelm wirft ein: "Bei uns bekommen sie keinen Ärger und keine Strafen."

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