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Bei ihren Einsätzen sind sie wie blind: Diese Polizisten tauchen im Trüben

Saarbrücken. Der Taucher watschelt in seiner rund 25 Kilo schweren Montur über schlammigen Grund in die Saar. Im trüben Wasser setzt er seine Brille auf. Dann geht er langsam unter, nur die weißen Sauerstoffflaschen auf seinem Rücken sind noch kurz zu sehen. Zwischen Bismarckbrücke und Wilhelm-Heinrich-Brücke arbeiten Polizisten in gelben Flossen. Elf Berufstaucher hat die Bereitschaftspolizei im Saarland, zwei von ihnen sind im Einsatz: Michael Seinsoth und Christian Rehne.

Taucheinsatzleiter Polizeikommissar Thomas Bettingen gibt die Kommandos: „Wir tauchen jetzt diesen Bereich ab, etwa 30 Meter.“ Ein Zeuge will beobachtet haben, wie eine Person in der Saar einen verdächtigen Gegenstand entsorgte – mutmaßlich eine Waffe. 
Etwa 30 bis 40 Einsätze haben die Polizeitaucher im Jahr. Meist geht es um das Suchen und Bergen von Beweisstücken – Papiere, Waffen und sogar Fahrzeuge. Dazu kommt die Suche nach vermissten Personen. Wichtig ist die Spurensicherung im Wasser: Wie ein Gegenstand vorgefunden wird, kann Aufschluss darüber geben, wie und wann er dort hingelangte. Auf diesem Gebiet sind die Saarländer Vorreiter und werden von anderen Bundesländern oder von Luxemburg angefordert.



„Wir mussten auch schon Leichen aus Güllegruben bergen"

Das weiße Boot der Wasserschutzpolizei Dillingen, die die Taucher angefordert hat, sperrt die Wasserstraße mit Blaulicht ab. Die ersten neugierigen Zuschauer sammeln sich am Ufer. Etwa vier Meter Tiefe und 22 Grad hat das Wasser. „Für uns ist das einer der angenehmeren Einsätze heute“, meint Bettingen, „wir mussten auch schon Leichen aus Güllegruben bergen.“

Der Mann im Wasser ist angeleint, die Kommunikation läuft über ein Kabel. Ein Mini-Computer am Arm speichert alle wichtigen Daten. Aus dem grau-braunen Saarwasser blubbern immer wieder Luftblasen hoch, außer der blaugelben Leine ist von dem Taucher nichts zu sehen. Doch aus dem Lautsprecher am Ufer dringt etwas verzerrt seine Stimme. Zwischen Piepsen und Rauschen hört der Kollege, was er gerade tut. „Sammelt mal die Pfandflaschen ein“, tönt es aus dem Funk. Bettingen grinst. „Wir müssen eigentlich alles rausholen, was gegen das Abfallbeseitigungsgesetz verstößt, denn dann liegt eine Straftat vor.“

Berufstaucher müssen einen neunwöchigen Grundlehrgang absolvieren. Die Ausbildung erfolgt länderübergreifend, Bettingen ist einer von neun Tauchlehrern bundesweit. „Viele merken aber bald, dass es nichts für sie ist“, erzählt Bettingen, „der Job ist eben nicht immer so lecker.“

Der Taucher hat inzwischen schon einiges gefunden: eine alte Nylontüte mit Müll, ein Radio, Fahrräder. Gerade wirft er eine verrostete Säge an Land. „Der Taucher hat zehn Augen“, lacht Bettingen und spreizt die Finger. Der Mann unter Wasser ist auf seinen Tastsinn angewiesen, denn eine Lampe nutze im aufgewühlten Schlamm nicht viel.

Nach knapp zwei Stunden taucht der Polizist wieder auf, hebt den Daumen – fertig. Mit Wasserpflanzen behangen hievt er sich wieder an Land, am Einsatzwagen reinigt ihn der Kollege grob mit einer mobilen Dusche. Eine Waffe haben sie nicht gefunden, aber für Bettingen ist es ein erfolgreicher Einsatz: „Wir wissen jetzt, dass hier nichts liegt und können den Hinweis ausschließen.“
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