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Bekommt dass Saarland eine Business School?

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft lädt Vertreter der Universität auf den Campus ein, um über die Vorschläge des Wissenschaftsrats zu diskutieren.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft lädt Vertreter der Universität auf den Campus ein, um über die Vorschläge des Wissenschaftsrats zu diskutieren.

Die saarländischen Hochschulen leisten insgesamt sehr gute Arbeit, steht im jüngsten Gutachten des Wissenschaftsrats über die akademischen Einrichtungen an der Saar. Wer dann aber weiterliest, stößt auf viele Kritiken im Detail, die mittlerweile für heftige Diskussionen sorgen. „Akuter Handlungsbedarf“ bestehe in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen der Uni und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und „dringender Bedarf, die Wirtschaftswissenschaften grundsätzlich umzustrukturieren“.

Die Gutachter schlagen dazu die Einrichtung einer sogenannten Business School vor, in die Studiengänge beider Hochschulen integriert werden sollen. Wie sie genau aussehen soll, lässt das Papier offen. Der Entwurf sprach noch allein von Masterstudiengängen und der Einstellung der Bachelor-Ausbildung der Universität. Die endgültige Version enthält zusätzlich eine Variante, die sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge vorsieht.

Gegen die Business School regt sich in der Fakultät I an der Saar-Uni, wo das Konzept als verunglücktes Spardiktat gesehen wird, heftiger Widerstand (wir haben berichtet). Doch dieser Aspekt der neuen Einrichtung ist für den Rektor der HTW, Professor Wolrad Rommel, zumindest im Augenblick zweitrangig. Rommel plädiert für eine offene Diskussion zwischen beiden Hochschulen, um „gemeinsam ein sehr gutes Profil zu entwickeln.“ Dabei könne auf beiden Seiten alles auf den Tisch kommen, was die Attraktivität einer saarländischen Business School steigert, „für die es ja keine Blaupause gibt.“

Wenn die HTW die Kompetenz ihres Deutsch-Französischen-Hochschulinstituts einbringe, „könnten wir sofort dreisprachig auftreten – Deutsch, Französisch und Englisch.“ Übers Wirtschaftsingenieurwesen und die starke Wirtschafsinformatik der Uni ließen sich eventuell Brücken zum Produktionsstandort Saarland schlagen. Über diese Gedanken sollten sich die Fachvertreter zuerst austauschen, bevor es um die Finanzen gehe. Und dafür sei es notwendig, sich besser kennenzulernen, so der Dekan der HTW-Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Professor Leonhard Firlus. Er werde deshalb seine Kollegen von der Saar-Uni einladen.

Dass die HTW in der Vergangenheit große Erfahrungen bei der Integration unterschiedlicher wissenschaftlicher Kulturen gesammelt hat, zeige das Deutsch-Französische-Hochschulinstitut (DFHI), so sein deutscher Leiter, Professor Thomas Bousonville. Am DFHI – „ein Alleinstellungsmerkmal der HTW“, so der Wissenschaftsrat – arbeitet die Hochschule seit 35 Jahren mit der Université de Lorraine zusammen. „Wir bilden also heute schon Studenten mit Doppelabschlüssen aus“, so Bousonville.

 Auch im Konzept einer Business School gebe es durchaus die Möglichkeit, Exzellenz und Anwendungsbezug unter einen Hut zu bekommen, so Bousonville. „Beide Bachelor-Profile haben ihre Berechtigung“, sagt Firlus. Um herauszufinden, wie sich die Kooperation zwischen beiden Hochschulen verbessern lässt, müssten sich die Fachvertreter von Uni und HTW erst zum Strategiegespräch treffen, so Firlus weiter. Danach werde es dann auch darum gehen, Fragen an die Landesregierung zu formulieren. Zum Beispiel zur Zahl der Studenten – und damit dann auch zu den Finanzen.
„Vom Grundsatz her nicht schlecht“ HTW-Studenten sehen Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes generell positiv
 
Mehr Kooperationen zwischen der Hochschule für Technik und Wirtschaft und der Saar-Uni finden die HTW-Studenten gut. Ihrer Meinung nach müssen die Konzepte dafür aber noch genauer ausgearbeitet werden.


Von SZ-Redaktionsmitglied Florian Mayer
 
Saarbrücken. Die vom Wissenschaftsrat vorgeschlagene engere Zusammenarbeit zwischen der Universität des Saarlandes und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) beschäftigt nicht nur Rektor Wolrad Rommel und die Dekane der verschiedenen Fachbereiche. Auch die HTW-Studenten denken darüber nach, wie die im Wissenschaftsratsbericht formulierten Empfehlungen umgesetzt werden könnten.

BWL-Student Christopher Steil bewertet die Kooperationsvorschläge des Wissenschaftsrats positiv: „Ich finde es gut, dass die Uni und die HTW mehr zusammenarbeiten sollen.“ Marc Girlinger, Student im Fach Wirtschaftsingenieurwesen sagt: „Vom Grundsatz her finde ich die Idee einer Kooperation zwischen HTW und Uni nicht schlecht.“ Sein Kommilitone Mokiadje Serge fügt hinzu, dass es aktuell schwierig sei, klare Aussagen zu den Vorschlägen des Wissenschaftsrats zu treffen. Momentan wisse noch niemand genau, wie die engere Zusammenarbeit der beiden Hochschulen aussehen soll. Marc Girlinger pflichtet dem bei und sagt, dass dieser Punkt zuerst ganz genau definiert werden muss.

Besonders der vom Wissenschaftsrat formulierte Begriff Business School muss inhaltlich geklärt werden, sagt BWL-Student Philipp Gödicke. „Dass aber ein gemeinsamer Masterstudiengang BWL angeboten werden soll, finde ich gut“, sagt Gödicke. Er ist der Meinung, dass es schwer sei, die Saar-Universität und die HTW miteinander zu vergleichen, weil beide Hochschulen verschiedene Leitbilder haben: „Uni und HTW sind zwei unterschiedliche Konzepte. Die HTW ist praktischer veranlagt und etwas schulischer, aber das ist gut“, betont Gödicke.
 
 
Hintergrund
Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken zählt derzeit rund 2200 Studenten. Die Abteilung Wirtschaftswissenschaften der Universität des Saarlandes hat aktuell rund 2500 Studenten. Drei von vier HTW-Studenten kommen aus dem Saarland, an der Universität beträgt diese Quote rund zwei Drittel.
An der HTW hören knapp 17 Prozent ausländische Studenten wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen, an der Universität des Saarlandes beträgt die Zahl ausländischer Studenten im Bereich der Wirtschaftswissenschaften rund zehn Prozent. byl
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