A8 Saarlouis Richtung Karlsruhe Zwischen AS Neunkirchen-Kohlhof und Kreuz Neunkirchen Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn , Karton auf linken Fahrspur (08:30)

A8

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Benzinpreise verärgern Neunkircher Autofahrer

Neunkirchen. Laut lachen muss Dirk Honecker, als er am Mittwochmorgen auf die horrend hohen Spritpreise angesprochen wird. Galgenhumor nennt man das wohl, denn Honecker wartet im Taxi in der Lindenallee auf Kunden und weiß genau, dass die Rechnung heute wieder nicht aufgehen wird. „Seit vier Jahren fahren wir Taxifahrer in Neunkirchen zum selben Kilometerpreis, nämlich 1,60 Euro.“ Doch vor vier Jahren lag der Dieselpreis bei 1,05 Euro pro Liter, heute sind mindestens 50 Cent mehr zu berappen. „Da bleibt so gut wie nichts mehr hängen“, weiß der Taxifahrer. Die Taxiunternehmer müssten die hohen Fixkosten an ihre Fahrer „weitergeben“, deshalb würden viele deren Prozente streichen. Nach Informationen unserer Zeitung wurde Neunkircher Taxifahrern „angeboten“, zwölf Stunden für 36 Euro zu arbeiten. Da warfen einige das Handtuch und versuchten ihr Glück in Homburg. Kein Wunder, findet Dirk Honecker. „Wer soll davon leben?“ Und an Spritsparen ist für Taxifahrer kaum zu denken. Im Stadtverkehr mit dem Stop-and-Go an Ampeln und Fußgängerüberwegen ist der Verbrauch immens hoch.

Der normale Autofahrer kann da schon eher sparen. Gerhard Prowald tankt deshalb heute in der Jet-Tankstelle an der Süduferstraße, weil es einige Cent günstiger ist als anderswo. „Man muss heute um jeden Cent kämpfen, das ist ja nur noch Abzockerei“, schimpft der Neunkircher über die explodierenden Benzinpreise. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, lässt er das Auto stehen und geht zu Fuß. Das kann Gilles Klein nicht, denn der Franzose arbeitet in Neunkirchen und muss jeden Tag 60 Kilometer hin und zurück fahren. „Alle ärgern sich über die hohen Preise, aber es geht nicht anders“, sagt Klein. Er hat gerade an der Shell-Tankstelle Fernstraße vollgetankt. Er schätzt den guten Service hier, „und für die Preise können die ja nichts“. – „Trotzdem beschwert sich jeder bei uns“, berichtet Monika Steinhaus. An der Kasse der Tankstelle kriegt sie den Ärger der Kunden ab, die die Geldbörse zücken müssen. „Die sinn nur am Schelle“, pflichtet ihr Servicemann Günter Bach bei. Immer öfter komme es vor, dass die Kunden für zehn oder gar nur für fünf Euro tanken und spekulieren, ob es in den nächsten Tagen noch mal günstiger wird. „Die Leute laden sich beim Tanken den Frust auf und an der Kasse noch mal“, sagt Bach. Das sei auch für ihn frustrierend.

Sauer ist auch Janusz Pater, als er seine Rechnung in Empfang nimmt. 36 Euro hat der Student gerade für 23 Liter Diesel bezahlt. Die Rechnung gehe nicht auf. „Da kauft man sich extra einen Diesel, in der Hoffnung, Geld zu sparen, und dann so was!“ Der 24-Jährige wohnt in Saarlouis und hat in Neunkirchen einen 400-Euro-Job. „Da geht die Hälfte des Lohns für Sprit drauf“, ärgert sich Janusz Pater. Das sei so ungerecht, da man der Mineralindustrie quasi ausgeliefert sei. So sieht das auch ein Audi-A4-Fahrer, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Wir müssten alle mal geschlossen drei Tage nicht tanken, dann wär's gut“, sagt er sichtlich sauer.

Zu günstigeren Konditionen als Privatleute können Großabnehmer wie die Neunkircher Verkehrs AG (NVG) Diesel ordern. Allerdings trifft diese die kontinuierlichen Preissteigerungen genauso hart. Rund 1,2 Millionen Liter werden für die 5,5 Millionen Wagenkilometer der NVG im Jahr benötigt, berichtete der technische Leiter Gerhard Schmidt gestern auf SZ-Anfrage. Wenn der Diesel also im Jahresdurchschnitt „nur“ zehn Cent teurer werde, müsse das Unternehmen 120 000 Euro mehr an Spritkosten bezahlen. Auch wenn im Moment noch keine Preissteigerung geplant sei und die Entwicklung abgewartet werden müsse: „Irgendwann müssen wir die hohen Spritkosten an die Kunden weitergeben.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein