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Bergbau-Ausstellung: „Das Erbe“ wird neu belebt

Die Bergbau-Schau »Das Erbe« blieb bislang hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem gibt das Land noch einmal 500000 Euro zur Weiterführung hinzu.

Die Bergbau-Schau »Das Erbe« blieb bislang hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem gibt das Land noch einmal 500000 Euro zur Weiterführung hinzu.

„Das Ausstellungsdesign hat heftig Geld gekostet, hat seine ästhetische Wertigkeit und bietet ausreichend Flexibilität für Ergänzungen.“ Das sagt Thomas Schuck, Geschäftsführer bei der Strukturholding Saar und seit der Abwicklung der Industriekultur Saar GmbH (IKS) zuständig für die Redener Bergbau-Ausstellung „Das Erbe“. Damit erteilt Schuck allen Vorstellungen über grundlegende Veränderungen an der als zu „kunstvoll“ oder „elitär“ kritisierten „Erbe“-Konzeption eine Absage.

 Die Schau, von Professor Jürg Steiner inszeniert, begann 2012 mit der Perspektive, zur Dauer-Einrichtung zu werden. Sie kostete das Land 1,25 Millionen Euro, blieb jedoch, vor allem bei den Berg- und Hüttenarbeitervereinen, ein ungeliebtes Kultur-Kind. Bis dato kamen 40 Prozent weniger Besucher als erwartet (31000). Trotzdem entschloss sich die Landesregierung im Sommer 2013 zur Weiterführung. Auf 500000 Euro bezifferte die IKS die reinen Betriebskosten. Es ist die Summe, die Schuck jetzt zur Verfügung hat, um dem „Erbe“ neuen Drive zu verpassen: Zugkraft-Optimierung lautet der Auftrag aus dem Wirtschaftsministerium.

Das hatte im Dezember ein „neues Ausstellungskonzept“ angekündigt. Freilich versteht sich von selbst, dass mit 500000 Euro revolutionäre Umgestaltungen, mitreißende Werbekampagnen oder spektakuläre Veranstaltungsprogramme nicht zu stemmen sind. Wobei der frühere Ministerpräsident und Ausstellungs-Koordinator Reinhard Klimmt (SPD) ausdrücklich fordert: „Das ‚Erbe’ braucht neue Impulse.“ Aber wann kommen die? Alles sei in der Mache, aber noch nicht gemacht, sagt Klimmt. Schuck spricht von Ende März.

Geplant ist eine grundlegende Verbesserung der Empfangssituation, innerhalb der Präsentation jedoch nur kleinere Veränderungen, für deren Inhalt Klimmt verantwortlich ist. Er besteht darauf, dass „die Gesamtanmutung bestehen bleibt. Ich habe einen bestimmten Anspruch und keine Lust auf Flohmarkt-Atmosphäre.“ Vorgenommen haben er und Schuck sich die Erweiterung um das Thema Eisen und Stahl sowie der Blick in die Zukunft: Was passiert an den aufgelassenen Bergbaustandorten? Außerdem würden mehr Mitmachstationen für Kinder und Schulen integriert. Gleichwohl müsse, so Schuck, „mehr passieren als das Umstellen oder Neudekorieren von Vitrinen“. Er hat eine konsequente Belebung durch Veranstaltungen im Blick: Wechselausstellungen, Lesungen, Vorträge. „Wir müssen dem Thema Bergbau in Reden seinen Ort geben.“

Wobei Schuck Reden nicht allein, sondern immer im Verbund denkt mit anderen Orten: Er hat die Tourismuszentrale Saar (TZS) mit im Boot, um über „Bergbau-Tagesprogramme“ nachzudenken: „Nur in der Kombination mit anderen Orten lässt sich aus dem ‚Erbe’ ein attraktives touristisches Produkt entwickeln.“ Das Langzeit-Ziel sei, „von der temporären Ausstellung zur Sammlung“ zu kommen. Freilich hat Schuck „keinerlei Zusagen“ über 2014 hinaus. Das Erreichen des Jahres 2018 – Ende des Bergbaus in Deutschland – spielt, anders als in der „Erbe“-Startphase, offensichtlich keine vorrangige Rolle mehr. Bleibt dem „Erbe“ also nur noch ein Jahr Überlebensfrist?

Für die Berg- und Hüttenarbeitervereine wäre dies keine Katastrophe, meint deren Präsident Klaus Hiery. „80 Prozent unserer Leute waren schon dort und gehen nicht mehr hin. Das wird kein Knaller mehr.“ Hiery sagt dies, obwohl er Unterschriften für die Weiterführung sammelte. Doch „Das Erbe“ sei in den Vereinen kein Thema. Hingegen bewege die Menschen, ob die Duhamel-Landmarke, das Polygon, fertig gebaut werde. „In Ensdorf wären die 500 000 Euro besser angelegt“, so Hiery. „Die Fehler wurden am Anfang gemacht, bei der Konzeption. Jetzt wird es eine Dauerbaustelle.“
 
Meinung
Viel Geld fürs Überleben
Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

 
Das „Erbe“ wurde zu spät aufgesetzt, es wurde keinem hiesigen Museum mit professionellen Strukturen anvertraut, sondern als Mitmach-Projekt mit zu vielen Gremien und Häuptlingen angelegt. Und die Organisation wurde der im Ausstellungsbereich dilettierenden IKS anvertraut mit einem Karl Kleineberg an der Spitze, dessen „Hoppla-jetzt-komm-ich“-Auftritte viele verprellten, selbst den Kurator. So ließe sich die Liste der Fehler munter fortsetzen.
Wäre nun also ein Ende mit Schrecken besser, Tore zu? Man muss tatsächlich fragen, ob die 500000 Euro gut angelegt sind. Denn sie ermöglichen nur ein Überleben, keinen Quantensprung. Andererseits wäre es fragwürdig, zu früh aufzugeben. Wer ja sagt zu Reden als einem Strukturwandel-Modell, als neuem Naherholungs- und Lernort, muss auch das Bergbau-„Erbe“ dort befürworten. Ob in der jetzigen musealen Präsentationsform, sei dahingestellt.
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