Meldung aufgehoben: Saarland: L 243 Verbindungsstrecke zwischen St. Ingbert und Spiesen-Elversberg, Gefahr durch Person auf der Fahrbahn und Gegenstände auf der Fahrbahn. Fahren Sie besonders vorsichtig. (00:23)

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Bergbau: Personalabbau läuft nach Plan

Rund 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle werden im Bergwerk Saar noch gefördert, bis die Bergleute nach 250 Jahren regionaler Bergbaugeschichte genau heute in einem Jahr am 30. Juni 2012 zur letzten Schicht einfahren.

Rund 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle werden im Bergwerk Saar noch gefördert, bis die Bergleute nach 250 Jahren regionaler Bergbaugeschichte genau heute in einem Jahr am 30. Juni 2012 zur letzten Schicht einfahren.

Saarbrücken. Heute in einem Jahr, am 30. Juni 2012, fahren die Bergleute im Bergwerk Saar zum letzten Mal zur Schicht ein. Den politischen Beschluss, den Bergbau an der Saar einzustellen, habe die Belegschaft mittlerweile verkraftet, berichtet Friedrich Breinig, Direktor des Bergwerks Saar. Und auch die Notwendigkeit für viele, im Rahmen einer sozialverträglichen Lösung noch einmal den Arbeitsplatz wechseln zu müssen, von der Saar an die Ruhr beziehungsweise nach Ibbenbüren. Dennoch sei angesichts des nahenden Endes der Steinkohleförderung nach 250 Jahren jetzt auch zunehmend Wehmut in der Belegschaft zu spüren.



Stolz auf das Geleistete

Von den Vorbereitungen her läuft alles nach Plan, unterstreicht Breinig. Alles sei darauf ausgerichtet, „dass wir uns in Würde und mit Stolz auf das Geleistete von den Menschen im Saarland verabschieden“. Bis Ende 2011 werden täglich noch 6000 Tonnen Steinkohle gefördert, 2012 insgesamt 500 000 Tonnen. Die Förderung im Streb 8.6 endet zum Jahresende 2011, die im Streb 8.7 am 30. Juni 2012. Bis jetzt habe es keine spürbaren Erderschütterungen gegeben. „Wir gehen davon aus, dass es auch in de r verbleibenden Zeit unter Tage keine schweren Schäden mehr geben wird“, so Breinig. Dieser hebt den gemeinsamen Kraftakt des Unternehmens, der Landespolitik sowie der Saar-Wirtschaft hervor, mit dem es gelungen sei, den Personalabbau zu bewältigen. So galt es, nach dem schweren Grubenbeben vom 23.  Februar 2008 in der Primsmulde, neue Perspektiven für 4700 Beschäftigte zu schaffen. Ein Teil davon arbeitet mittlerweile in anderen Branchen wie der Automobil- oder Stahlindustrie. Der Großteil muss jedoch eine Versetzung ins Ruhrgebiet beziehungsweise nach Ibbenbüren hinnehmen. Das läuft noch bis 2013 und betrifft insgesamt 1700 Mitarbeiter. Die ersten 175 wurden schon 2010 auf die Reise geschickt, 2011 und 2012 sind insgesamt weitere 1260 Beschäftigte betroffen. Der Großteil davon, rund 1000, wird 2012 verlegt, kündigt Breinig an. Rund zwei Drittel dieser Beschäftigten haben bisher im Bergwerk gearbeitet, ein Drittel in anderen Bereichen wie etwa Werkstätten und Service.
Weitere 265 Mitarbeiter müssen nicht das Saarland verlassen. Ein tarifliche Regelung sieht vor, dass sie Freizeiten bis zum Ende ihrer beruflichen Tätigkeit aufsparen können.

Doch auch für die Zeit nach dem Ende der Steinkohleförderung wird noch Personal in der Region benötigt. Rund 600 Beschäftigte werden die notwendigen Nacharbeiten unter und über Tage übernehmen. Bandanlagen müssen demontiert werden. Außerdem ist das Bergwerksgelände von wassergefährdenden Stoffen zu befreien. Ende 2012 sollen alle Arbeiten im unterirdischen Streckensystem beendet sein. „Wir werden zu diesem Zeitpunkt den Unter Tage Betrieb verlassen“, so Breinig. Im zweiten Quartal 2013 sollen die Schächte mit Beton aufgefüllt und verschlossen werden. Einiges ist jetzt schon Geschichte. So wurden im laufenden Jahr die letzten 26 Auszubildenden aufgenommen.  Alle derzeit 120 Auszubildenden können ihre Lehre noch abschließen. In modernen Berufen wie Elektroniker oder Mechatroniker.



Der Landesbezirksvorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Dietmar Geuskens, bemerkt ebenfalls in der Belegschaft zunehmend Wehmut, verweist aber auch auf die nach wie vor hohe Motivation. Es werde „ein großes Stück Identität verlorengehen. Doch sowohl die Bergleute als auch die Menschen insgesamt in der Region werden damit klar kommen.“ Für Geuskens steht auch fest: „Es war falsch, den Bergbau aufzugeben. Doch die Politik wollte es so. Der Ärger in der Belegschaft auf Peter Müller ist immer noch da. Man macht ihn für das Ende des Bergbaus verantwortlich. Das geht auch mit ihm nach Hause.“ Seine Nachfolgerin, Annegret Kramp-Karrenbauer, werde damit nicht mehr in Verbindung gebracht.

Meinung

Die Würde bewahren

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Mag der politische Beschluss zur Einstellung des Saar-Bergbaus aus energiewirtschaftlichen Gründen noch so falsch sein: die Fakten stehen. Deshalb muss es jetzt darum gehen, den Abschied bis Mitte 2012 für alle Beteiligten würdevoll zu gestalten. Denn die Bergleute haben in den vergangenen Jahrzehnten neben der Stahlindustrie maßgeblich zum Wachstum des Saarlandes beigetragen. Das darf auch angesichts manch hitziger Diskussion über Bergschäden und Gefahren nicht vergessen werden. 2012 wird die Region ein Stück Identität verlieren.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein