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Bergbaustraße: Initiative definiert erste Etappenorte

Die Initiative Saarländische Bergbaustraße (ISB) hat erste Etappenorte definiert.

Die Initiative Saarländische Bergbaustraße (ISB) hat erste Etappenorte definiert.

Der Weg ist noch weit, vor allem: Das Ziel ist noch arg verschwommen. Das will auch Anke Rehlinger (SPD) nicht leugnen. Als Wirtschaftsministerin hat sie das Projekt vom Industriekultur-Überzeugungstäter Heiko Maas (SPD), ihrem Vorgänger, übernommen. Rehlinger formuliert in Sachen ISB ein kräftiges Sowohl- als-auch: Man müsse die richtige Balance finden zwischen „Folklore und anspruchsvoller Erinnerungskultur“, zwischen dem Ziel, die Saarländer mitzunehmen und zugleich für touristische Effekte zu sorgen.

Am 27. August 2013 hatte sich Maas sein Bergbaustraßen- Projekt vom Kabinett absegnen lassen; am 17. Dezember fand die erste Beiratssitzung mit 34 Vereinen und Kommunen statt. Die Botschaft aus dem Ministerium an die Praktiker vor Ort: Reichtümer gibt es mangels eines Sonderetats nicht abzugreifen. Die insgesamt für Industriekultur bewilligten 200 000 Euro fließen ausschließlich in die vier prioritären Denkmal-Standorte des RAG-Bergbauflächen-Gutachtens: nach Camphausen, Velsen, Itzenplitz und Luisenthal. Immerhin stehen alle vier auf der Startaufstellungs-Liste mit 17 Etappenorten, die nach Ostern im Internet öffentlich gemacht werden soll. Denn das Konzept sieht vor, die Bergbaustraße nicht zu einer mit Schildern gesäumten Wegstrecke nach dem Muster von Barockoder Viezstraßen zu machen, sondern als wachsendes Internet- Netzwerk anzulegen. Ein gemeinsames Label für Beschilderungen vor Ort soll es aber doch geben. „Wir definieren die ISB als einen zivilgesellschaftlichen Prozess. Sie dient als Kommunikationsplattform für die Akteure“, sagt Wolfgang Kerkhoff. Er ist zusammen mit Delf Slotta im Wirtschaftsministerium zuständig für die ISB. Sie erklären: „Wir haben dazu gelernt. Der Topdown-Ansatz der Industriekultur Saar (IKS) war falsch.“

Den Befund teilen auch der Museumsverband und der Landesverband Saar der Berg-, Hütten- und Knappenvereine. Gleichwohl scheint bei diesen beiden zentralen Stützen für die neue Bergbaustraße Skepsis vorzuherrschen. Museumsverbands- Chef Rainer Raber sagt der SZ: „Jeder, der will, kann mitmachen, das ist der falsche Ansatz. Man müsste die Etappenorte zuerst fit machen und qualifizieren.“ Er bemängelt, dass im ISB-Lenkungskreis touristische Fachkompetenz fehle. Es habe auch keine „Marktprüfung“ stattgefunden: „Niemand kommt ins Saarland, um eine Bergbau-Wallfahrt zu machen. Außerdem haben wir für den Bergbau keine Leuchttürme, kein Äquivalent zum Weltkulturerbe.“ Freilich besteht in diesem Punkt Konsens mit dem Wirtschaftsministerium, das ebenfalls nur bescheidene touristische Wertschöpfungs- Effekte sieht. Laut Kerkhoff liegt die Hauptfunktion der Bergbaustraße im Erinnerungswert. Man hat die Saarländer selbst als Zielgruppe im Auge. Auch weiß man im Ministerium um die Attraktivitätsdefizite vieler Heimatmuseen und Erinnerungsorte, die ehrenamtlich betrieben werden: „Wir starten mit Mut zu Schwächen“, sagt Kerkhoff.

Derweil haben Museums- und Bergarbeiter-Verband eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Titel: „Gemeinsam das Vermächtnis der Saarländischen Bergleute pflegen.“ Eine Gegengründung zur ISB? Es riecht nach Streit. Nein, sagt Raber. Aber auch: „Wir sind ,Erbe’- Geschädigte, wo wir nur Zulieferer waren. Wir wollen selbständig und unabhängig vom Ministerium das Bergbau- Erbe verwalten und vermarkten.“ 20 seiner 95 Museen befassen sich mit Bergbau, der Bergvereine-Verband zählt 26 000 Mitglieder.
 

AUF EINEN BLICK

Startaufstellung: Denkmäler in Camphausen, Luisenthal, Itzenplitz, Velsen; Erlebnisort Reden und Campus Göttelborn; Ensdorf- Duhamel, Kupfererzbergwerk Düppenweiler; Siedlung Maybach; Halde Lydia und Grülingsstraße; Carreau-Wendel, Rischbachstollen, „Das Erbe“ in Reden, Erlebnispfad „Brennender Berg“/Dudweiler; Rechtsschutzsaal Bildstock, Museum Bexbach. ce
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