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Berufskrankheit: Bergleute in Lothringen kämpfen um Anerkennung

Auf die Frage, ob zu dieser Thematik im Saarland ebenfalls neuere Erkenntnisse vorlägen, sagte der Landesvorsitzende der IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE), Dietmar Geuskens, dass man auch im Saar-Bergbau Stoffe eingesetzt habe, die da nicht hingehörten. (Symbolfoto)

Auf die Frage, ob zu dieser Thematik im Saarland ebenfalls neuere Erkenntnisse vorlägen, sagte der Landesvorsitzende der IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE), Dietmar Geuskens, dass man auch im Saar-Bergbau Stoffe eingesetzt habe, die da nicht hingehörten. (Symbolfoto)

Freyming-Merlebach. Obwohl die letzte Grube im lothringischen Kohlerevier bereits vor neun Jahren stillgelegt worden ist, gibt es neue Hinweise auf Krebserkrankungen, die auf den Einsatz giftiger Chemikalien unter Tage zurückzuführen sind. So schrieb die Metzer Tageszeitung „Republicain Lorrain“, dass die „Stäube und toxischen Produkte weiterhin den Organismen der verrenteten Bergleute mit ihrer verheerenden Wirkung zusetzen“.
Klar sei, dass Lungenkrebs und Silikose (Quarzstaublunge) bei der Betrachtung der gesundheitlichen Folgen des Bergbaus im Fokus stünden. Doch heute seien es weitere Krankheiten, die sich im Körper der Unter-Tage-Beschäftigten eingenistet hätten, etwa Blasen-, Haut-, Nieren- und Nasenkrebs oder Leukämie.

Rund ein Dutzend Gewerkschafter der politisch unabhängigen CFDT und der linksgerichteten CGT beschäftigen sich derzeit in Freyming-Merlebach mit den gesundheitlichen Folgen des Bergbaus für die verrenteten Bergleute. Und was sie dort zum Vorschein bringen, um den Rentnern zur Anerkennung einer Berufskrankheit zu verhelfen, ist für sie teilweise schockierend. So gehen die Wortführer dieser Gruppe, Frédéric Herrgott, Bernard Zanoskar und Enzo Paoletti davon aus, dass kaum noch ein Experte an den krebsauslösenden Folgen vieler unter Tage eingesetzter Chemikalien zweifelt: „Jüngst erst haben wir herausgebracht, dass der Tod eines ehemaligen Hauers, der nach einem Krebs an der Nase gestorben war, mit einem Klebstoff in Zusammenhang stand, der in Ritzen hineingespritzt wurde, um das Ausströmen von Grubengas zu verhindern.“ Dieser Hauer sei mit 36 Jahren gestorben, nachdem er sechs Jahre unter Tage gearbeitet hatte.

Gerade mal zwei Jahre länger arbeitete ein Vermesser in der Grube Reumaux von Freyming-Merlebach unter Tage; 2003, ein knappes Jahrzehnt nach seinem Einsatz, sei er den Folgen des seltenen Nasenwurzelkrebses erlegen. Dieser Fall ist nach Einschätzung der Gewerkschafter lehrreich, weil er einen Hinweis auf die Umstände liefere, unter denen die Aufnahme der Gifte im Körper erfolgte. In diesem Fall sei es um Formaldehyd zur Verfüllung von Spalten gegangen. Doch während die Chemikalien-Spezialisten Atemschutz und Masken getragen hätten, seien die Bergleute den Schadstoff-Ausdünstungen schutzlos ausgeliefert gewesen. Außerdem weisen die Gewerkschafter darauf hin, dass sich viele von den unter Tage eingesetzten Stoffen erst nach der Stilllegung der Gruben als giftig herausgestellt hätten. Dazu Bernard Zanoskar: „Wir haben die Komponenten bestimmter, im Bergbau eingesetzter Öle erst nachträglich herausgekriegt. Jetzt wissen wir, dass sie stark krebserregend waren und Haut und Nieren angegriffen haben.“ Die hohe Krebs-Sterblichkeitsrate im Kohlebecken führen die Gewerkschafter zum Teil auf giftige Chemikalien zurück, die unter Tage längere Zeit benutzt wurden.

Auf die Frage, ob zu dieser Thematik im Saarland ebenfalls neuere Erkenntnisse vorlägen, sagte der Landesvorsitzende der IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE), Dietmar Geuskens, dass man auch im Saar-Bergbau Stoffe eingesetzt habe, die da nicht hingehörten. Geuskens: „Aber als man ihre Wirkung erkannte, wurden sie schleunigst wieder abgeschafft.“ Problem sei heute deshalb die Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit. „Es ist schwierig, eine eindeutige Kausalität zwischen dem Einsatz eines Gefahr- oder Giftstoffes und einer dann folgenden Krankheit herzustellen“, sagt er. Eugen Roth, der DGB-Landeschef, kann sich ein Zusammenwirken der Gewerkschafter über die Grenzen hinweg vorstellen.


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