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Betreiber des Saarbrücker Calypso-Bads: „Streit ist Unsinn“

Um seine verunsicherten Mitarbeiter zu beruhigen, hat der Calypso-Betreiber die politische Diskussion gerügt und Zahlen vorgelegt, die belegen sollen, dass die Stadt sehr wohl von ihrem Spaßbad profitiert.

Von SZ-Redakteur Jörg Laskowski

Saarbrücken.
„Geschäftsschädigend“ – sowohl für die Stadt als auch für die S&S Spaßbad Saarbrücken GmbH – seien die „teilweise unsäglichen politischen Aussagen“ im aktuellen Parteienstreit über das Calypso. Das erklärte jetzt S&S-Chef Gregor Korda. Auslöser der Diskussion war eine Ankündigung von Sportdezernent Paul Borgard im SZ-Ältestenrat, wonach die Stadtverwaltung dem Stadtrat empfehlen will, das Calypso ab 2012 nicht mehr von einem privaten Betreiber, sondern von der städtischen Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken (BBS) bewirtschaften zu lassen.
Deren Prokurist Rainer Hück hatte schon im April 2008 auf SZ-Anfrage verraten: „Wenn die Politik uns beauftragt, das Calypso zu betreiben, würden wir das als Chance betrachten.“ Und Borgard glaubt sogar, das „unverzichtbare“ Calypso könnte – in der Regie der BBS – zu einer „Einnahmequelle“ für Saarbrücken werden. Die SZ fragte die Ratsparteien, was sie von der Idee halten. Darauf kam es zum Schlagabtausch zwischen CDU und SPD (die SZ berichtete). „Diese Diskussion ist großteils polemisch, politisch motiviert, und vieles, was da angeführt wird, ist schlicht Unsinn“, erläutert die S&S in einem Brief an ihre Mitarbeiter und versichert, die Stadt werde sich „gründlich überlegen“, ob sie das Calypso von der BBS betreiben lässt, „da nach aller Erfahrung ein Betrieb in städtischer Regie eine deutliche wirtschaftliche Verschlechterung mit sich bringen würde“.

Aber auch wenn die BBS das Bad übernimmt, seien „alle Arbeitsplätze geschützt“, weil das ein „Betriebsübergang nach §.613.BGB“ wäre.
Vehement widerspricht die S&S allen Darstellungen, wonach „die Stadt und ihre Gesellschaften jährlich Geld ins Calypso pumpen“.

Zum Beweis rechnet die S&S vor: 2008 steckte die Stadt einen Betriebskostenzuschuss von rund 776.000 Euro ins Calypso. Im selben Jahr bezahlte die S&S rund 1,33 Millionen an die Stadt – darin enthalten rund 952.000 Euro Pacht, 120.000 Euro Gewerbesteuer, 101.000 Euro Körperschaftssteuer, 5500 Euro Solidaritätszuschlag und 150.000 Euro Lohnsteuer. Außerdem bezahlt S&S nach eigener Darstellung jährlich rund 1,6 Millionen Euro an Löhnen, rund 1,4 Millionen Euro für Handwerker und Lieferantenleistungen sowie rund 1,1 Millionen für Wärme, Strom, Wasser und Entsorgung an städtische Firmen.
Weiter sagt S&S, dass ein großer Teil der jährlich rund 400.000 Calypso-Gäste von außerhalb kommt und nach dem Besuch im Bad weiteres „Geld in der Stadt liegen lässt“ – und zwar mindestens etwa 2 Millionen Euro, schätzt S&S.

Das Calypso sei also für Saarbrücken ein „unverzichtbarer“ Stadtortfaktor, „ebenso unverzichtbar“ wie das Totobad. Beide liefern sich nach Überzeugung der S&S „überhaupt keine Konkurrenz“.
Es sei irreführend, wenn Politiker von einem Nullsummenspiel für die Stadt sprechen und die Pacht (2008) von rund 952.000 Euro gegen den Betriebskostenzuschuss von rund 776.000 Euro aufrechnen.
Dieser viel zitierte Zuschuss sei allein dann richtig einzuordnen, wenn man sich klarmacht, dass er nur etwa halb so groß ist wie der Zuschuss, den die Stadt – vor Eröffnung des Calypso – jedes Jahr für das Stadtbad St. Johann locker machte. Und diese Halbierung sei eines der Argumente gewesen, die den Stadtrat 1999 fürs Calypso überzeugten. Zweites strategisches Argument fürs Calypso sei damals die enorme Steuerersparnis gewesen, die nur möglich war, weil die damalige Parkhausgesellschaft (PHG) das Geld, das sie für die Verpachtung ihrer Parkhäuser bekam, sofort in den Bau des Calypso investierte.

Diese Darstellung deckt sich mit den damaligen SZ-Recherchen: Bei einem Pachtgewinn von rund 42 Millionen Mark betrug demnach die Steuerersparnis rund 21 Millionen Mark. Die Kosten der Sanierung des Stadtbades St. Johann wurden auf 20 bis 22 Millionen Mark geschätzt. Im Calypso stecken mittlerweile rund 28 Millionen Euro. Am Tag, an dem der Pachtvertrag mit der S&S endet, am 31.12.2011 wird der Bilanzwert bei rund 19,6 Millionen Euro liegen. Die S&S hat ein Vorkaufsrecht zum Bilanzwert. Paul Borgard hat der S&S inzwischen schriftlich bestätigt, dass die Arbeitsplätze im Calypso in jedem Fall gesichert sind. Gleichzeitig erklärt Borgard: „Die zurzeit geführte Diskussion ist abwegig und völlig verfrüht.“

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