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Betriebsrat der Dillinger Hütte kämpft für Schichtzuschlägen

Die Belegschaften der beiden Saar-Stahlunternehmen müssten sich auf härtere Zeiten einstellen.

Die Belegschaften der beiden Saar-Stahlunternehmen müssten sich auf härtere Zeiten einstellen.

Eine Krise in einem so heftigen Ausmaß mit wegbrechenden Aufträgen und einem starken Rückgang der Nachfrage nach Rohrblech habe die Dillinger Hütte noch nie erlebt. Das räumen sowohl Betriebsratschef Michael Fischer als auch Robert Hiry ein, Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat und Chef der IG-Metall-Verwaltungsstelle Völklingen. Auch die Arbeitnehmer seien bereit, ihren Beitrag zu einer möglichst raschen Überwindung der Krise zu leisten, sagen beide. Zumal die Belegschaft ohnehin sehr flexibel sei, auch bei Arbeitszeiten je nach Auftragslage. Jedoch dürfe es nicht zu finanziellen Nachteilen – etwa bei Schichtzuschlägen – kommen, fordern Fischer und Hiry.

Es geht vorrangig auch um Details einer Übergangsregelung für voraussichtlich 150 Dillinger Beschäftigte, die zu Saarstahl wechseln sollen. Ihnen soll nach Vorstellungen des Dillinger Betriebsrats und der IG Metall für mehrere Jahre zugestanden werden, dass sie keine Lohneinbußen befürchten müssen. Besonders die Schichtzuschläge in Dillingen sind ein heikles Thema zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Unternehmensführung. Auch der Chef der SHS Stahl-Holding Saar, Michael Müller, fordert in diesen Fragen mehr Flexibilität bei den Beschäftigten der Dillinger Hütte und von Saarstahl (SZ vom 14. Februar). In der SHS arbeiten beide Stahl-Standorte eng zusammen, um Parallelarbeiten zu vermeiden und Kosten stark zu senken. Die Argumentation von Müller: Angesichts immer kürzer werdender Intervalle bei der Vergabe von Aufträgen durch Kunden müsse die gesamte saarländische Stahlindustrie flexibler werden, auch bei Zuschlägen und Arbeitszeiten.

Betriebsratschef Michael Fischer argumentiert dagegen, die Belegschaft sei auf die Zuschläge angewiesen, zumal gerade auch die Einstiegslöhne für Facharbeiter alles andere als üppig seien. Bei den Schichtzuschlägen gehe es für jeden Einzelnen um mehrere hundert Euro. Man dürfe die Motivation der Belegschaft als Anreiz für Unternehmenserfolg nicht unterschätzen, gerade in Krisenzeiten. „Flexibilität muss auch attraktiv entlohnt werden“, fordert Hiry.

Keinesfalls hinnehmen wollen sowohl der Betriebsrat als auch die IG Metall die vom Vorstand beabsichtigte Vergabe von Aufträgen nach außen (Outsourcing), wovon weitere 100 Stellen betroffen sind. Hier wird bemängelt, der Vorstand informiere nicht offen. Auch fehle der Nachweis, inwieweit die Auftragsvergabe nach außen billiger ist. Zudem drohe eine wachsende Abhängigkeit von Fremdfirmen, die dann auch beliebig Preiserhöhungen durchsetzen könnten. Und es bestehe die Gefahr, dass zu viel internes Wissen nach außen gelangt.

Betriebsrat und IG Metall hoffen auf eine schnelle Einigung mit der Unternehmensleitung über Lösungen der Krise. Strategisch habe der Vorstand keine Fehler gemacht. Die Krise sei so nicht absehbar gewesen. Die Investitionen, etwa in eine neue Stranggussanlage, in die Fabrik in Nordenham und auch in die Saarschmiede seien wichtig gewesen, um jetzt besser gerüstet zu sein für neue Aufträge.
 
 
Meinung
Leise Töne überwiegen
Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

 
Mit gutem Willen auf allen Seiten lässt sich in Dillingen voraussichtlich schnell eine tragfähige Lösung finden, wie die Hütte aus der Krise kommen kann. Keiner in Dillingen ist auf Krawall und Machtspielchen aus. Es überwiegen die leisen Töne. Zu viel steht auf dem Spiel. Der Kampf um Besitzstände ist nachvollziehbar. Bemerkenswert ist aber die frühe Bereitschaft der Arbeitnehmervertreter zu Kompromissen. Ihnen ist klar, dass auch die Belegschaft einen Beitrag zur Überwindung der Krise leisten muss. Bemerkenswert ist auch, dass Betriebsrat und Gewerkschaft dem Management keine strategischen Fehler vorwerfen, wie man es angesichts eines so großen Sparprogramms erwarten könnte.
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