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Betrüger im Netz: Wenn die Online- Liebe auch im Saarland gar nicht existiert

. Victoria hatte sich über Twitter in Kai verliebt: einen Mann, der sich gerade im Ausland befand und sich vor allem dadurch auszeichnete, dass er einfühlsam, tiefsinnig und interessiert war. Auch die Schülerin Laura konnte sich stundenlang mit Felix im Internet austauschen: Sie schrieben sich täglich, flirteten, verliebten sich. Und als der 17-Jährige irgendwann ein Nacktfoto von sich schickte, sendete sie ihm intime Fotos von sich zurück.

 

Nur zu einer echten Begegnung, zu einer Beziehung im realen Leben, kam es weder bei Victoria noch bei Laura: Denn die, in die sie sich verliebt hatten, existierten nicht. Hinter den Profilen steckten Menschen mit einer ganz anderen Geschichte. Es handelt sich um sogenannte „Realfakes“: Betrüger legen sich eine falsche Identität zu und erschleichen sich das Vertrauen von Menschen – nicht, um an Geld zu gelangen und sie finanziell zu schädigen, sondern um Gefühle zu wecken und zu manipulieren.

 

Die beiden Frauen, die auf diese emotionalen Betrüger hineinfielen, sind keine Einzelfälle. Das weiß Victoria Schwartz, seit sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit ging: erst in einem Blog, jetzt auch in einem Buch („Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde. Das Phänomen Realfakes“). Und die Resonanz ist enorm: Mehrere hundert Zuschriften hat die 48-Jährige bereits von anderen Betroffenen erhalten. Auf ihrer Internetseite bietet Schwartz Informationen zum Thema und berät die Opfer; vor kurzem hat sie auf Facebook auch eine Selbsthilfegruppe gegründet. Dort können sich Betroffene im geschlossenen Raum austauschen und gegenseitig unterstützen. „Was mich besonders erschüttert, ist, dass viele von ihnen noch nie zuvor mit jemandem darüber gesprochen haben, was ihnen widerfahren ist“, sagt Schwartz. „Aus Angst vor Spott, Belehrungen, Unverständnis – und einer tiefgreifenden Scham.“ Denn die natürliche Reaktion darauf, dass jemand auf so einen Betrug hereingefallen ist, scheint immer zu sein: „Warum ist dir denn nicht aufgefallen, dass …“, „Du hättest doch etwas merken müssen!“, „Da gehören ja immer zwei dazu …“

 

Doch so leicht ist es nicht. Denn Realfakes verfügen nicht nur über das technische Knowhow, sich im Internet ein ganzes Netzwerk aus falschen Identitäten und Kontakten aufzubauen, sondern sie haben auch ein ausgeklügeltes Repertoire an psychischen Tricks, wie sie die Opfer, wenn diese Zweifel hegen sollten, an sich binden und immer wieder Vertrauen und Nähe schaffen können.

 

Wer so etwas tut, macht das nicht einfach aus Spaß, meint Dr. Bert te Wildt vom LWL-Universitätsklinikum in Bochum. Der Arzt und Psychologe gilt als Deutschlands führender Experte für Internetabhängigkeit. Seit Jahren beschäftigt er sich in Wissenschaft und Praxis mit Menschen, die unter einer exzessiven Internetnutzung leiden. Er ist überzeugt: „Jemand, der sich über einen längeren Zeitraum als jemand ausgibt, der er nicht ist, um so etwas wie eine Scheinbeziehung zu führen und immer wieder zu vertrösten, Unwahrheiten zu verbreiten, mit falschen Bildern und Versprechen zu arbeiten, hat sicherlich ein schwer gestörtes Verhältnis zu anderen Menschen. Bei ihm muss man davon ausgehen, dass er eine Persönlichkeitsstörung hat, schlimmstenfalls sogar etwas, was man früher als Psychopathie bezeichnete.“

 

Den Tätern gehe es vor allem darum, andere Menschen zu manipulieren – vermutlich jedoch ohne feste Absicht. „Das Phänomen ist wissenschaftlich noch nicht erforscht“, so der Experte, „aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand das macht, der ausschließlich bewusst böse manipulativ ist“, so te Wildt. „Eher sind es Menschen, die selbst immer mehr in solch eine Geschichte hineinschlittern.“

 

Er rät „grundsätzlich allen, die einen ersten Verdacht schöpfen, ganz schnell denjenigen auf die Probe zu stellen und eine Realitätsprüfung einzubauen: Sei es mit einem Telefonanruf, einem Treffen im öffentlichen Raum oder beim Skypen.“ Und sollte der Schwindel dann tatsächlich auffliegen, sollte man rigoros alle Verbindungen kappen und sich keinesfalls in neue Gespräche verwickeln lassen. Denn jeder Versuch, dem anderen eine Erklärung abzuringen, eröffne ihm neue Möglichkeiten, sich wieder herauszuwinden. „Man muss im Zweifel damit rechnen, dass das jemand ist, der eine Persönlichkeitsstörung hat und schwer gestört ist – aber der sehr sehr versiert ist darin, Leute zu manipulieren. Das kann man auch noch in der Situation tun, wenn jemand aufgeflogen ist.“

 

Auch die 17-jährige Laura hat irgendwann schmerzlich erfahren müssen, dass jener „Felix“, dem sie vertraut hatte, kein gleichaltriger Schüler war, sondern ein 40 Jahre alter Mann, der an intime Fotos von jungen Mädchen herankommen wollte. Und Victoria Schwartz hat nach aufwendigen Recherchen schließlich herausgefunden, dass hinter „Kai“ eine Frau steckte, die unter anderem mit 17 Facebook-Profilen, sieben Instagram- und acht Twitter-Accounts arbeitete – alle aufwendig befüllt und miteinander abgestimmt.

 

Trotzdem will Victoria Schwartz das weltweite Netz ausdrücklich nicht verteufeln: „Das Internet ist großartig, und ich bin gegen das Hinterherspionieren bei jedem neuen Kontakt“, sagt sie. Ihre Seite „realfakes.net“ befasse sich lediglich mit einem unschönen Phänomen, sozusagen „der dunklen Seite der Macht“. Und „nur wenn man über dieses Phänomen spricht, wird man es eindämmen können.“

 

www.realfakes.net

 

www.psychosomatik.

 

lwl-uk-bochum.de/

 

die-ambulanz/

 

medienambulanz

 

 
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