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Betrug? Durchsuchung bei Ärzten und Patienten

Saarbrücken/Lebach. Betrugsermittler sind Frühaufsteher, und sie arbeiten diskret. Kurz nach sechs Uhr tauchten gestern nach Angaben von Polizeisprecher Horst-Peter Schäfer etwa 100 Beamte an rund 30 Adressen, vorwiegend im Kreis Saarlouis und im Regionalverband Saarbrücken, zu unangekündigten Hausbesuchen auf. Die Fahnder fuhren unauffällig in Zivilfahrzeugen vor, um bei drei Ärzten, einem Apotheker, zwei Physiotherapeuten und mehr als 20 Patienten Durchsuchungsbeschlüsse zu vollstrecken. Die Federführung bei der Großaktion „Medicus VI“ hatte das Sachgebiet „Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen“ der Saar-Kriminalpolizei. Deren spezialisierte Ermittler kümmern sich seit Jahren schwerpunktmäßig um mutmaßliche Betrüger in weißen Kitteln. Am Mittwoch lief mit „Medicus VI“ die sechste Razzia.

Aus dem Schlaf gerissen haben die Fahnder bei ihrer frühen Visite einen 65 Jahre alten Lebacher Allgemeinmediziner, als sie an dessen schmuckem Privathaus klingelten. Der Arzt steht im Verdacht, gemeinsam mit Privatpatienten im großen Stil Krankenversicherungen abgezockt zu haben. Die Masche soll ungefähr so funktioniert haben: Der Arzt schreibt seinem Privatpatienten Rechnungen für Leistungen, die er nie erbracht hat. Der Patient lässt sich die falschen Rechnungen vom Krankenversicherer erstatten. Nach einer vorher vereinbarten Quote teilen sich Arzt und Patient das Geld. Nach Informationen unserer Zeitung sind bereits mehr als zehn Patienten dieses Allgemeinmediziners wegen solcher Machenschaften verurteilt. Der Schaden wird bisher auf mehr als 300 000 Euro beziffert. Gestern suchten die Fahnder bei weiteren Patienten nach Beweismaterial, aber auch bei dem Mediziner und mindestens einem Kollegen wurden Unterlagen beschlagnahmt. Ein weiterer Verdacht: Der 65-Jährige soll von seiner Versicherung zu Unrecht Krankentagegeld kassiert haben. Nach Angaben eines Kripobeamten, der an der Durchsuchung mitwirkte, machte der Arzt zu den Vorwürfen keine Angaben. Die Ermittler interessierten sich auch für Verordnungen, die der Mediziner in eigener Sache mit seiner Kasse abgerechnet hat – etwa für Massagen. Deshalb wurden auch zwei Physiotherapeuten besucht, auf deren Patientenliste er angeblich stand. Möglicherweise wurden Massagen zu Terminen abgerechnet, an denen der Mann im Ausland war.

Für die Fahnder ist dieser Hausarzt kein Unbekannter. Er saß 2011 neun Monate in Untersuchungshaft, wurde im September wegen Steuerhinterziehung in der Preisklasse von 220 000 Euro zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist, so die Staatsanwaltschaft, rechtskräftig. Die Steuerfahnder, die dem Arzt auf die Spur gekommen waren, als über ein Konto einer Praxismitarbeiterin 200 000 Euro in die USA überwiesen wurden, hatten damals Hinweise auf Abrechnungsbetrug entdeckt und die Kripo eingeschaltet. Das Pikante: Unter den Patienten, mit denen der Doktor Kasse gemacht hatte, waren auch zwei Ex-Finanzbeamte.
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