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Bewährungshelfer berichten über ihre Arbeit mit Straftätern

Ein Team: Sonja Schmidt und Christian Bulle. Foto: Marc Prams

Ein Team: Sonja Schmidt und Christian Bulle. Foto: Marc Prams

Wer auch immer auf die Hilfe und Unterstützung von Sonja Schmidt angewiesen ist, hat zuvor eine Straftat begangen. Ob bei Raub, Betrug, Körperverletzung, einem Sexualverbrechen oder sogar bei Mord, Sonja Schmidt ist es stets ein Anliegen, ihren Teil dazu beizutragen, verurteilte Straftäter wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Seit 27 Jahren arbeitet die diplomierte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin als Bewährungshelferin in Saarlouis . Wie alle ihre 45 Kollegen im Saarland betreut sie in der Regel rund 90 Fälle parallel. In der Dienststelle Saarlouis , die für die Landkreise Merzig/Wadern und Saarlouis zuständig ist, kümmern sich derzeit neun Mitarbeiter um 816 Personen mit Bewährungsstrafe, 731 davon sind Männer.

Facettenreich und spannend sei ihre Arbeit, bei der sie sich stets im „Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle“ bewege, sagt Schmidt, die von „Probanden“ spricht, die sie betreut. „Das Wichtigste ist es, eine Vertrauensbasis aufzubauen“, erklärt sie. Dieses Vertrauen gewinne man am ehesten, indem man zu den Probanden gehe und ihnen praktische Hilfe anbiete. Sei es bei Behördengängen, Wohnungssuche, Finanzangelegenheiten oder Arbeitssuche. „Wir sind ja keine Verwaltungsmenschen. Wir entscheiden nicht über die Menschen hinweg, sondern mit ihnen“, sagt sie.

Der Zugang zu den Tätern ermögliche es auch, frühzeitig zu erkennen, wenn erneut die Gefahr eines Verbrechens bestehe. Dann müsse man mitunter schnell handeln und eingreifen, denn bei allem, was ein Bewährungshelfer tut, habe er stets den Blick auf die Sicherheit der Gesellschaft. Aber wie lässt sich beispielsweise ein Vertrauensverhältnis zu einem verurteilten Sexualverbrecher aufbauen? „Wir können das Verbrechen nicht ausblenden. Im Gegenteil: Wir müssen die Tat mit dem Täter gemeinsam aufarbeiten. Ich versuche immer, jedem unvoreingenommen entgegen zu treten“, sagt Schmidts Kollege Christian Bulle.

Der Saarlouiser arbeitet seit 2011 als Bewährungshelfer und weiß: „Man darf nie eine persönliche Beziehung aufbauen, sonst verliert man den Blick für die Objektivität.“ Gerade die Aufarbeitung einer Tat sei wichtig im Prozess der Resozialisierung , denn dadurch entwickelten viele Täter, die dazu neigen, ihre Tat zu bagatellisieren, erstmals Empathie für die Opfer. „Man wird mit menschlichen Schicksalen konfrontiert und hört oft Dinge, die erschreckend und unappetitlich sind“, sagt Bulle.

„Und dennoch“, fügt Sonja Schmidt hinzu, „wir moralisieren nicht.“ Jeder habe eine faire Chance auf Resozialisierung .

Die Aufarbeitung der Tat ist nur ein Aspekt der Arbeit von Bewährungshelfern. Sie achten auch darauf, dass gerichtliche Auflagen eingehalten werden, beispielsweise Arbeitsstunden geleistet oder Kontrollbesuche bei der Polizei gemacht werde. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, denn die Einhaltung von Regeln gehört nicht immer zum Alltag eines Straftäters. Da heißt es oft: „Klartext reden“, sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

Zwar sei es Berufsrisiko, dass man angelogen werde, sagt Christian Bulle, aber das dürfe man nicht persönlich nehmen. „Lügen gehört etwa bei Suchtabhängigen zur Überlebensstrategie. Das ist deren Alltag.“ Wer sich allerdings zu viele Fehltritte leistet, muss damit rechnen, dass Bulle und Schmidt die Daumen senken und bei Gericht einen Widerruf der Bewährung anregen.

Aber immerhin: 75 Prozent all derer, die unter Bewährung stehen, werde die Strafe erlassen, sagt Sonja Schmidt, die eine Sache noch betont: In all den Jahren, in denen sie mit Straftätern arbeite, täglich mit ihnen zu tun habe und auch zu Hausbesuchen stets alleine gehe, habe sie noch nie Angst um ihr Wohlergehen haben müssen. „Viele sind einfach dankbar für unsere Unterstützung“, sagt sie.
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