Saarland, L 295 zwischen Wemmetsweiler und Heiligenwald, Unfallaufnahme, Vollsperrung (06:07)

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Bewährungsstrafen bei Enrotherm beantragt: Frühere Manager räumen Insolvenzverschleppung ein

Das Gefängnis wird den beiden früheren Geschäftsführern des St. Ingberter Glasherstellers Enrotherm wohl erspart bleiben. Im Strafprozess gegen die 44 und 65 Jahre alten ehemaligen Geschäftsführenden Gesellschafter haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung Bewährungsstrafen zwischen eineinhalb und zwei Jahren beantragt. Es wird erwartet, dass die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts den Anträgen folgen und Bewährungsstrafen wegen Insolvenzverschleppung und Bankrotts verhängen wird. So das Ergebnis einer Absprache zwischen den Beteiligten. Das Urteil wird am 26. Juni erwartet.

Die beiden Angeklagten hatten vor Gericht sämtliche Vorwürfe eingeräumt. Sie hatten 2006 das Ruder bei Enrotherm mit seinen rund 40 Mitarbeitern übernommen. Davor hatten beide sich als Angestellte in anderen Unternehmen hochgearbeitet. Und nun sollte der Traum vom eigenen Unternehmen Wirklichkeit werden. Aber der Betrieb war offensichtlich über Jahre nicht profitabel. Oder mit den Worten des heutigen Insolvenzverwalters, der als Zeuge vor Gericht aussagte: „Firmen gehen schleichend in die Insolvenz.“ Irgendwann sei nicht genug Geld da, um beispielsweise die Maschinen zu modernisieren. Dann leide die Qualität der Produkte, die Kosten würden aus dem Ruder laufen. So seien bei Enrotherm am Ende die Maschinen veraltet gewesen, es habe einen großen Reparaturstau gegeben, und die Leistungen seien oft mangelhaft gewesen. Sein Fazit zu Enrotherm: „Ich denke, dass die Insolvenz nicht abzuwenden war.“

Dazu ein Gutachter: In den Jahren 2007/2008 habe es mit Rückständen bei Finanzamt und Berufsgenossenschaft angefangen. Anfang 2009 habe es dann eine Liquiditätslücke gegeben: 60 000 Euro. Aber die Gesellschafter hätten immer wieder Geld zugeschossen – insgesamt mehrere hunderttausend Euro. Im Laufe der Jahre habe Enrotherm so zur Jahresmitte jeweils wieder eine Überdeckung geschafft. Aber 2012 sei damit Schluss gewesen. Die Kreditlinien waren erschöpft und sogar der Firmen-Lkw war verkauft und durch ein Leasingauto ersetzt worden. Die Krankenversicherungen wollten Geld , die Kfz-Versicherung auch, Lastschriftbuchungen und Schecks kamen zurück. Fazit des Gutachters: Seit 2008 war den Verantwortlichen bekannt, dass die Firma finanzielle Probleme hat und Handlungsbedarf bestand. Spätestens am 30. Juni 2012 sei das offensichtlich gewesen. Insolvenzantrag wurde aber erst im Februar 2013 gestellt.

Die Zahlungsprobleme, die Qualitätsmängel, die rückläufigen Umsätze – all dies sei ihnen klar gewesen, erzählte einer der beiden Ex-Geschäftsführer. Aber ihr Ziel sei gewesen, Enrotherm mit neuen Produktionsanlagen fortzuführen. Also hätten sie mit möglichen Investoren und den Banken geredet. Doch keiner wollte Enrotherm Geld geben. Also hätten sie im Internet gesucht und seien fündig geworden: bei einer Berliner Finanzberatung, die Hilfe für angeschlagene Unternehmen anbietet. Jedoch darauf zu hoffen, sei ein Fehler gewesen. Laut Anklageschrift handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Art „Firmenbestatter“. Ergebnis: Enrotherm wurde über die Schweiz nach Bayern verkauft, alle Mitarbeiter wurden entlassen und alle Forderungen wurden in die Schweiz übertragen. Erst nach entsprechenden Berichten unserer Zeitung wurde Insolvenz angemeldet, und die Staatsanwaltschaft nahm ihre Ermittlungen auf.

Doch für Enrotherm war es zu spät. Laut Insolvenzverwalter gibt es etwa 2,3 Millionen Euro angemeldete Forderungen, in der Insolvenzmasse stehen rund 210 000 Euro.
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