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Bis Ende März bietet der Kältebus Menschen in Not einen Platz zum Schlafen, Wärme und etwas zu essen

Leo tritt ins Licht. Er hat gehört, dass da zwei Leute vom Studentenparlament der Uni, dem Asta, gekommen sind. Er verlässt das kleine Grüppchen, das am Rand des kleinen Schuppens, in dem der Verein „Kältebus Saarbrücken – Hilfe für obdachlose Menschen im Winter “ Lebensmittel gelagert hat, steht und geht auf die jungen Leute zu. „Von der Uni kommt ihr?“, fragt er und schiebt gleich ein paar Namen nach. „Die kennt ihr bestimmt“, sagt Leo.

Katharina Waller und Valentin Sigal, beide Referenten des Asta, sind gekommen, um dem Kältebusteam 765 Euro und Kekse zu bringen. Das Geld ist der Erlös des Weihnachtsmarktes, den die Fachschaften organisiert haben. Dass die Studierenden damit den Kältebus unterstützen wollen, sei von Anfang an klar gewesen, „weil die sich hier um Menschen kümmern, die in der Gesellschaft sonst nicht so gut ankommen“, sagt Katharina Waller.

Phil Sahner hatte im vergangenen Jahr die Idee, Menschen in Not in einen Bus gut durch die Nacht zu bringen – einem Bus, der nicht fährt, sondern eine feste Adresse ist, von neun Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Tagsüber, so war die Überlegung haben Obdachlose die Wärmestube als Anlaufstelle. Für die Nacht gibt es zwar Notschlafstellen, aber das fühlen sich viele der Menschen, die überwiegend auf der Straße leben, nicht so wohl, erklärt Linus Blacha, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

In den Schlafstellen für Obdachlose herrschen Regeln, die viele von ihnen als zu streng empfinden, weiß Blacha. Das strenge Alkoholverbot zum Beispiel. Oder dass sie ihre Sozialhilfe abgeben müssen und nur ein Taschengeld ausgezahlt bekommen.

Im Kältebus gehe es weniger streng zu, weniger straff organisiert, sagt Blacha. „Hier gibt es keine Bedürftigkeitsprüfung, und es muss auch niemand seine Steuererklärung vorlegen“, sagt Linus Blacha. Und erklärt „Es gibt viele Menschen, die sind es ihr ganzes Leben lang gewohnt, zu bitten und zu betteln. Hier dürfen sie sich einfach hinsetzen.“

Es ist kurz vor zehn. Und Leo will nicht mehr sitzen. Er nennt den beiden jungen Leuten noch mal ein paar Namen. Die schütteln den Kopf. Dass die Menschen, nach denen Leo fragt, an der Uni aktiv waren, muss schon lange her sein. Es wirkt, als sei Leo aus dem Schatten nicht nur ins künstliche Licht getreten, sondern auch in seine Vergangenheit.

Leo ist Ingenieur, sagt jemand, hält inne und macht aus dem „ist“ ein „war“. Irgendwann ist irgendwas sehr schiefgelaufen in Leos Leben. Manchmal, sagt Phil Sahner, reichen Kleinigkeiten im Leben, um einen Menschen aus der Bahn zu werfen. Manchmal sei es ein Unfall, manchmal eine Trennung, die den Alkohol stärker und stärker werden lasse.

Im Kältebus spielt es keine Rolle, was einer war oder ist. Und wenn einer der Gäste verunsichert frage, was er denn hier jetzt tun müsse, sagt Linus Blacha, dann antworte er: „Fühlt euch einfach alle wohl!“

In den ersten knapp zwei Wochen, die der Kältebus nun schon am Trafohäuschen direkt hinter der Saarbahnhaltestelle Römerkastell steht, sind 25 bis 30 Gäste pro Nacht gekommen. Das sind schon recht viele, sagt Blacha – zumindest wenn man bedenke, dass e ja noch gar nicht wirklich kalt ist. Und wenn es kalt wird? Darüber mache man sich Gedanken, wenn es soweit ist, sagt Blacha.

Er ist von Beruf Projektmanager. Was im Kältebus laufe, sei das Gegenteil von absolut planmäßigem Vorgehen. Hier wird improvisiert. Wenn es richtig kalt wird und viel mehr Gäste kommen, dann müsse man schauen, wer im Bus einen Schlafplatz bekommt und wer vielleicht doch irgendwo anders eine gute Unterkunft hat.

Linus Blacha wirkt zuversichtlich. 178 Helferinnen und Helfer haben sich für diesen Winter beim achtköpfigen Organisationsteam gemeldet. So wird niemand überfordert. Denn schließlich dauern die Schichten bis morgens um sechs. Um fünf werden die Gäste, die im hinteren Teil des Busses übernachtet haben, geweckt, erklärt Jessica Leik, die Schatzmeisterin des Vereins. Dann gibt es noch ein Frühstück. Die Gäste gehen zurück auf die Straße, die Helfer zur Arbeit.

Linus Blacha ist sicher, dass die Helfer bis Ende März durchhalten. „Es geht den Leuten nicht nur darum, vor Weihnachten etwas zu tun, es geht ihnen um die Sache“, sagt er. Ebenso wie den vielen Spendern. Hotels liefern abends warmes Essen. Menschen aller Altersgruppen bringen Lebensmittel vorbei. „Wir haben von der Sache hier gehört. Und wir haben doch selbst genug, um noch etwas abgeben zu können“, sagt Steffi Lander, die gerade selbst gemachten Traubensaft neben die Lebensmittelhütte gestellt hat. Joachim Nickolai vom Organisationsteam erzählt von Menschen, die nach der Weihnachtsfeier anrufen und sagen, dass noch so viel übrig war, und dann spontan Köstlichkeiten vorbeibringen.

Vor ein paar Tagen parkte ein Friseurbus aus Dudweiler, der normalerweise über Land fährt und seine Dienste in entlegen Orten anbietet, neben dem Kältebus. Die Friseurinnen, erzählt Linus Blache, haben am Ende genauso gestrahlt vor Freude wie die Gäste, die sie kostenlos frisiert haben. Wer gibt, dem wird gegeben – Wärme.

„Die Leute hier sind so lieb und hilfsbereit. Für mich sind das Schutzengel“, sagt Angelika Lacour. Sie hat zwar eine Wohnung, aber sie kommt trotzdem oft her. Hier findet sie Menschen zum Reden. Hier muss sie nicht alleine essen. An diesem Abend gibt es Nudeln mit Lyoner und Soße. Ein paar Tage vorher gab es Gans.

Er komme nicht nur wegen des Essens, sagt ein Mann. Hier im Bus sei man nicht dem Lärm ausgesetzt, der in den Fastfoodrestaurants herrsche, in denen man sich sonst mal eine Weile aufwärmen könne. Und hier nennt auch niemand all das, was er besitzt und mit sich rumträgt, „Krempel“. „Krempel, mit dem man sich verziehen soll“, wie er oft höre. Leo nickt. Es ist nicht klar, ob er dem Mann neben sich zustimmt oder in Gedanken an der Uni ist.

Eine Helferin bringt frischen Kaffee, stellt ihn zu den Äpfeln und dem Spekulatius. Eine andere sucht in der Lebensmittelhütte Nachtisch. Als Streuselkuchen rumgereicht wird, ist Leo schon in der Nacht verschwunden, zurück im Dunkeln.

 

Zum Thema:

Der Kältebus ist im Winter jede Nacht geöffnet – einzige Ausnahme ist der 24. Dezember. Diesen Tag wollen die Helfer ganz ihren Familien widmen. An diesem Tag bieten die katholische und evangelische Kirche im E-Werk auf den Burbacher Saarterrassen eine Heiligabend-Aktion an. Zwischen 14 und 19 Uhr werden rund 600 Bedürftige zu einer Feier mit Essen, Programm und Geschenken erwartet.Der Kältebus ist auf Spenden angewiesen – vor allem auf Lebensmittel und Geld. Kleidung, sagt Linus Blacha vom Vorstand, werde kaum benötigt. Die Obdachlosen seien damit versorgt und könnten nicht viel Ersatzkleidung mit sich herumtragen.Kontakt: Telefon 01 57 80 88 48 30, E-Mail info@kaeltebus-saarbruecken.de olskaeltebus-saarbruecken.defacebook.com/kaeltebus.saarbruecken  
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