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Bis zu 120 Baumärkte von Praktiker auf der Kippe?

Der Baumarktkette Praktiker und der Tochter Max Bahr läuft die Zeit davon. Die vorläufigen Insolvenzverwalter mögen noch so viel Optimismus verbreiten. Das drängendste Problem ist die Belieferung mit Waren. Anfang der Woche versuchten die Verwalter Christopher Seagon und Jens-Sören Schröder Befürchtungen zu zerstreuen: „Die Warenbestände sind noch gut“, sagten sie. Und man arbeite daran, einen sogenannten Massekredit zu bekommen, der zahlungsunfähigen Unternehmen gewährt wird, damit der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann.

Aus Insiderkreisen ist aber zu hören, dass in den Regalen zunehmend Artikel fehlen und die Belieferung praktisch zum Erliegen gekommen ist. Die Gewerkschaft Verdi hatte bereits vor gut einer Woche gefordert: „Damit das Geschäft aber weiterlaufen kann, muss ausreichend Ware in die Regale und Lager.“ Beobachter sagen, es nütze wenig, wenn die Mitarbeiter bis Ende September Insolvenzgeld erhalten, es aber in den Märkten an Ware fehlt. Dann werde es mit einem Weiterbetrieb im Herbst immer schwieriger. So einfach scheint es aber nicht zu sein, den Massekredit zu beschaffen. Immerhin hat Praktiker bereits vor drei Wochen Insolvenz angemeldet, Max Bahr folgte vor gut einer Woche. Anfang kommender Woche soll über den Massekredit weiterverhandelt werden, heißt es.

Mehr als zehn Investoren hätten Interessen an dem Konzern bekundet, hatte Insolvenzverwalter Christopher Seagon gesagt. Darunter sind angeblich Finanzinvestoren, aber auch Mitbewerber. Grundsätzlich kommen aber auch ausländische Baumarktketten als Investoren in Frage. Die Insolvenzverwalter wollen möglichst viele der gut 300 Märkte in einem Gesamtpaket veräußern. Mitbewerber wie Obi oder Hornbach haben aber, selbst wenn sie wollten, kaum eine Chance, dabei zum Zuge zu kommen. Denn das Bundeskartellamt soll angekündigt haben, die Übernahme jedes einzelnen Marktes durch einen der deutschen Konkurrenten prüfen zu wollen. Bis zu zwölf Monate könne dies dauern, je nach Anzahl der Märkte. So lange könnten die Insolvenzverwalter die Baumarktkette aber nicht über Wasser halten, sagen Branchenkenner. Sie vermuten auch, dass Obi und Co. eher Interesse an einzelnen Standorten haben, also Rosinenpickerei betreiben wollen. Eine Lösung, die man bei Verdi mit Blick auf den Erhalt von Arbeitsplätzen für die schlechteste hält. Damit kommen für das erhoffte Gesamtpaket vor allem ausländische Baumarktketten oder Finanzinvestoren infrage.

Insolvenzverwalter Udo Gröner, zuständig für die Kirkeler Praktiker AG, käme das gelegen. Das hatte er auch kürzlich in einer Belegschaftsversammlung gesagt. Denn ein deutscher Wettbewerber könne auf die Dienstleistungen aus Kirkel recht bald verzichten. Die knapp 250 Beschäftigten dort decken für Praktiker das Rechnungswesen, die Personalbuchhaltung und die Informationstechnologie ab.

Wie viele Märkte bei einer Übernahme schließen müssen, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Manche Beobachter erwarten, dass 70 bis 90 Märkte dichtmachen müssen, andere befürchten, dass es bis zu 120 sein könnten. Unklar ist, wie viele der rund 15.000 Arbeitsplätze betroffen sein werden. Die Zahl von 4000 Stellen stand im Raum. Kräftig spekuliert wird auch darüber, wie viel ein Investor auf den Tisch legen muss. Als Wert der Baumarktkette wurden 260 Millionen Euro genannt. Manche halten diese Schätzung aber für viel zu hoch.



 
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