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Blaue Herzen hasten eilig



Saarbrücken.
Sie machen Graffiti mit Licht. Statt Sprühdosen gehen sie mit Handlampen auf den urbanen Raum los, um ihn in der Dunkelheit künstlerisch zu verwandeln. In ihren Animations-Clips verwandeln sich Mülleimer in Marsmännchen, die sich blinkend mit grellen Schlangenarmen übers Trottoir schieben. Wale wie aus dem Bilderbuch wachsen aus dem Pflaster und gleiten über Museumsstufen. „Light-Writing“ nennt sich die Kunstform, mit der sich das Kölner Künstlerduo Lichtfaktor international einen Namen gemacht hat. Marcel Panne alias VJ (Visual Jockey) $ehvermögen und David Lüpschen alias JIAR sind mit ihren Arbeiten in der Welt der Werbung, des Events und der Kunst gleichermaßen gefragt. So „illuminierten“ sie etwa die offizielle Euro-Einführung in Frankfurt, waren gleich mit sechs Projekten bei der jüngsten Linzer Ars Electronica präsent. Dagegen ist der Festival-Trailer, den die zwei für den 30. Max Ophüls Preis entwarfen, nur ein kleiner Auftrag, der erstaunlich schlicht ausgefallen ist: Blaue Lichtherzen, die hektisch durch die nächtlichen Saarbrücker Straßen hüpfen. Das Ganze dauert kaum 30 Sekunden. Welchen Aufwand es braucht, um 30 Filmsekunden herzustellen, ist für Laien kaum vorstellbar. Denn Lichtfaktor arbeitet ohne digitale Technik, rein analog.

„Die Filme werden aus Einzelbildern gemacht, die Kamera belichtet 30 Sekunden, in dieser Zeit können wir mit unseren Lampen in die Luft zeichnen“, erklärt Marcel Panne. Hunderte, Tausendende von Einzelbildern werden anschließend zum Film zusammengeschnitten. So schlicht wie der Ophüls-Trailer sind ihre Clips selten. „Eigentlich waren wir von etwas mehr Zeit ausgegangen und wollten eine Geschichte erzählen“, sagt Panne. „In den Parkanlagen sollte ein Ufo landen, aus dem ein E.T.-ähnliches Wesen steigt, das quer durch die Stadt in ein Kino flüchtet und sich dann in blaue Herzen auflöst“. Doch leider sei es nicht möglich gewesen, in den Kinos zu drehen, bedauert er. In Absprache mit den Festivalmachern bauten die zwei am ersten Arbeitstag in Saarbrücken ihr Storyboard komplett um.

Und den Auftraggebern hatten es offenbar nun mal die Herzen mehr angetan als E.-T.-Geschichten. Mit dem Wetter hatten die Kölner auch Pech. „Von einem Tag auf den anderen war der Winter ausgebrochen, wir mussten draußen mit Eis und Schnee bei Minustemperaturen kämpfen und einen Teil des Drehs in eine Taverne verlegen, weil draußen Land unter war“, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber auch in Istanbul sind wir von Schnee überrascht worden, obwohl alle sagten, das gibt es da nicht“. Ob sie zum Festival kommen? Na ja, meint Marcel Panne, wenn man uns eingeladen hätte ... 
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