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Bleibt das 3. Kindergarten­jahr beitragsfrei?

Köln/Saarbrücken. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat die Entscheidung der Saar-Regierung kritisiert, die vor zehn Jahren eingeführte komplette Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr wieder abzuschaffen. Die IW-Expertin für frühkindliche Bildung, Susanne Seyda, wies in einem Gespräch das Argument der Jamaika-Koalition zurück, dass sich das Saarland als Haushaltsnotlageland ein beitragsfreies Kindergartenjahr nicht länger leisten könne.

„Langfristig eine positive Rendite“

Sie hob hervor, dass Investitionen in frühkindliche Bildung und Betreuung „langfristig eine positive Rendite“ hätten. Schließlich seien Kompetenzen, die Kinder im Kindergarten erwerben, wichtig für den späteren Bildungsweg. Entstünden hier Lücken, könnten diese „später nur mit erheblichem Mehraufwand gefüllt werden“. Die Wissenschaftlerin fügte hinzu: „Der Besuch des Kindergartens reduziert die Kosten, die später im Bildungssystem durch teure Nachqualifizierung entstehen.“

Seyda unterstrich zugleich: „Kinder, die länger einen Kindergarten besucht haben, haben höhere Chancen, das Gymnasium statt der Haupt- oder Realschule zu besuchen.“ Das bedeute langfristig, „dass das Bildungsniveau der Bevölkerung insgesamt höher ist und damit mehr Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden.“

Sie betonte, obwohl in der öffentlichen Debatte Studiengebühren immer als Hindernis für Arbeiterkinder dargestellt würden, ein Studium aufzunehmen, fange „die Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Schichten bereits im Kindergartenalter an“. Wenn sie hier bessere Startchancen hätten, wäre später auch die Wahrscheinlichkeit höher, „das Gymnasium zu besuchen – eine wesentliche Voraussetzung, um überhaupt studieren zu können“.

Beitragsfeiheit in weiteren sechs Bundesländern 

 Das letzte Kindergartenjahr ist bisher auch in Berlin, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Hamburg beitragsfrei. Schleswig-Holstein, das sich finanziell in einer ähnlich schwierigen Lage befindet wie das Saarland, hat das beitragsfreie Jahr kürzlich abgeschafft. In Rheinland-Pfalz ist der Kindergarten dagegen seit kurzem sogar für alle zwei- bis sechsjährigen Kinder beitragsfrei. Das rot-rot regierte Land Berlin will ab 2011 alle Kindergartenjahre beitragsfrei stellen.

Nach Einschätzung des Frankfurter Bildungsrechtlers Professor Hermann Avenarius ist der im Jamaika-Koalitionsvertrag festgeschriebene Plan, ein „obligatorisches Schulvorbereitungsjahr“ einzuführen, mit dem Konzept von Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) für ein „Kooperationsjahr Kindergarten – Grundschule“ nicht umzusetzen. Der SZ sagte Avenarius, es sei zwar grundsätzlich möglich, dass im Kindergarten „schulvorbereitende Maßnahmen“ stattfinden, die verpflichtend sind, wie etwa die von Kessler geplanten vier Grundschullehrerstunden pro Woche. Jedoch würde dies voraussetzen, „dass die Regie bei der Institution Schule liegt“.

Und obligatorisch dürften dann auch nur die schulvorbereitenden Maßnahmen selbst sein, nicht aber das gesamte Kindergartenjahr. In diesem Fall wäre aber das Problem jener Kinder ungelöst, die aufgrund der Freiwilligkeit nicht im Kindergarten sind und dann gezwungen wären, nur während der vier Grundschullehrerstunden diesen zu besuchen. Nach Kesslers Konzept scheine die Regie dafür aber ohnehin bei der „Institution Kindergarten“ zu liegen. Dann könne „man auch die vier Grundschullehrerstunden nicht verpflichtend machen“.

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