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Bloß keinen Schnaps mit den Chinesen

Ab und zu müssen sie auch „Saarlännisch“ pauken: Stahl im Unterricht mit seinen chinesischen Deutschschülern.</p>

Ab und zu müssen sie auch „Saarlännisch“ pauken: Stahl im Unterricht mit seinen chinesischen Deutschschülern.

Tief im Innern vermisst er „Stinke-Käse“, frische Waldluft und Sprudel. Deshalb ist Manuel Stahl froh, immerhin noch zwei Monate im Jahr im Saarland zu sein. Denn dort, wo er seit Anfang 2014 lebt, hat er selten Zeit, über Schwenker und Lyoner nachzudenken. Vor zweieinhalb Jahren verschlägt es ihn nach Harbin, in den Nord-Osten Chinas. Dorthin, wo der französische „Stinke-Käse“ fünf Euro pro 100 Gramm kostet, wo er zwei Stunden aufs Land fahren muss, um einen Wald zu sehen und wo es Mineralwasser nur ohne Kohlensäure gibt.

„Die Chinesen konsumieren leider mit Vorliebe zuckerhaltige Softdrinks“, schreibt der 32-Jährige in einer langen E-Mail, in der er seine Eindrücke aus dem fernen Land schildert. Die direkte Kommunikation mit ihm ist schwierig: Saarbrücken und Harbin trennen sechs Stunden Zeitverschiebung. Wenn hier um 9.30 Uhr die Geschäfte öffnen, ist es in der chinesischen Sechs-Millionen-Stadt schon Nachmittag.

Und dann ist Stahl meistens bei seinen Studenten. Denn er ist Leiter der Abteilung für deutsche Sprache an der Universität von Harbin. Anfang 2014 beginnt er dort als akademische Lehrkraft für Deutsch und Französisch.

Nach Dudweiler zieht der gebürtige Hesse aus Wetzlar im Jahr 2005. Er studiert Jura an der Saar-Uni, wohnt auch mal in St. Ingbert, ist viel unterwegs. Ein Auslandstrip hinterlässt nachhaltige Spuren: sein Studienaufenthalt an der Uni in Peking. „Ich war damals schon so fasziniert von China.“

Andere Kulturen sind sein Steckenpferd. Er liebt den Austausch, spricht fünf Sprachen. Seinen Studenten in Harbin versucht er immer wieder, die verschiedenen Wortbedeutungen von „Schwenker“ beizubringen. Mit Chinesisch hat er kein Problem. Aber: „Ich wage noch nicht zu behaupten, fließend Chinesisch zu sprechen oder gar zu schreiben.“

Das Saarland hinter sich zu lassen, fiel ihm schwer. Er nennt den Schritt daher einen „Meilenstein“. Sein Alltag verändert sich radikal. Er nimmt 40 Kilogramm ab. „Die chinesische Küche hat mit unseren Chinarestaurants nichts zu tun.“

Auf der Straße zeigen plötzlich Menschen mit dem Finger auf ihn: „Schau mal, ein Ausländer .“ Ein „Waiguoren“, wie es auf Chinesisch heißt. Im Restaurant lädt man ihn spontan auf ein Bier ein, Taxifahrer bieten ungefragt Zigaretten an. Fragen, die in Deutschland als unverblümt gelten, begegnen ihm in China häufig: Was verdienst du? Wann heiratest du eine chinesische Frau?

Das zwanglose Miteinander beeindruckt ihn. Und nach kurzer Zeit stellt er fest: Wer in einem gutbürgerlichen Restaurant laut schmatzt oder rülpst, signalisiert dem Koch, dass er seine Arbeit gut gemacht hat. Für die Zeit nach dem Essen kann Stahl nur raten: Wenn ein Chinese einen Schnaps ausgeben will, einfach höflich mit dem Hinweis auf Magenprobleme ablehnen. Denn: „Der hochprozentige Reisschnaps ist für uns Ausländer , wenn überhaupt, nur in Maßen erträglich.“

Um seine Eindrücke zu verarbeiten, startet der junge Mann kurz nach seiner Ankunft einen Youtube-Kanal mit dem Titel „Saarland-2-China“ („Saarland to China“). Eigentlich will er seine Erfahrungen nur mit Freunden im Saarland teilen. Doch mittlerweile interessieren sich Nutzer auf der ganzen Welt für seine Abenteuer im Reich der Mitte.

Stahl lädt jeden Tag ein Video hoch. Sein Ziel: Vorurteile abbauen. „Wer immer noch glaubt, Chinesen trinken Tee, essen Reis und Hunde, der kennt ein China, das es nicht gibt.“ Auf seinem Kanal erklärt er, warum fast alle Chinesen deutsche Autos fahren, warum chinesisches Brot für Deutsche ungenießbar ist und weshalb Veganer dort besser leben als hierzulande. Sein neuestes Video zeigt einen engagierten Imbissverkäufer, der chinesischen Pfannkuchen zusammenwürfelt.

Wie lange Stahl noch in Harbin bleibt, weiß er nicht. Er hofft, dass er seine Studenten bald nach Saarbrücken mitbringen kann. Bei ihm selbst dauert es nicht mehr lange. Dann kann er endlich zwei Monate lang wieder Sprudel trinken.

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