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Botanischer Garten: Verrottung ist bereits im vollen Gange

Die Pflanzen in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens welken bereits. Foto: Hans-Peter Richter

Die Pflanzen in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens welken bereits. Foto: Hans-Peter Richter

. Die Uhr für den Botanischen Garten an der Saar-Uni ist abgelaufen. Seit einer guten Woche gibt es keine Gärtner mehr, die die über 1500 verbliebenen Pflanzen in den Gewächshäusern pflegen. Die Verrottung ist in vollem Gange. Und dennoch gibt es seitens des Förderkreises des Botanischen Gartens einen weiteren Vorstoß, um die Pflanzen vor ihrem Ende zu bewahren. In einem offenen Brief, dem Fotos von den welkenden Pflanzen angehängt sind, fordert das Förderkreis-Mitglied Professor Hans-Peter Richter, Emeritus in der Physiologie der Uniklinik Homburg, dass die Uni-Verwaltung die durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützten Pflanzen an Botanische Vereine kostenlos und unbürokratisch abgibt. „Das Land ist nun eigentlich juristisch verantwortlich für das Weiterleben der oft über 60 Jahre alten Schützlinge. Ähnlich wie bei geschützten Tieren, die nicht sinnlos getötet werden dürfen, ist es eigentlich verboten, geschützte Pflanzen vertrocknen zu lassen oder anderweitig zu entsorgen“, schreibt Richter. Er hofft nun, dass sich in den botanischen Kreisen „Liebhaber“ finden, die die über 1500 Pflanzen retten.

 

Doch diese Hoffnung scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Nachdem bereits bei einer Versteigerung der Saar-Uni etwa 900 Pflanzen an Privatleute übergeben und weitere 500 von anderen Botanischen Gärten übernommen wurden, bleibt Richters Appell an Botanische Vereine vorerst ohne Echo. Die Vorsitzende des Vereins Delattinia, Naturforschende Gesellschafts des Saarlandes, Christine Harbusch, sagte, dass der Verein keine Gewächshäuser betreibe: „Wir haben nicht die Möglichkeiten, die Pflanzen zu hüten.“ Dennoch wollte sie eine E-Mail an alle Mitglieder versenden mit der Bitte, dass diese im privaten Rahmen Pflanzen übernehmen. Auch Peter Steinfeld, Sprecher der Regionalgruppe Saar des Arbeitskreises heimische Orchideen, sagte: „Wir haben keine Gewächshäuser.“ Eine Auswilderung der Orchideen aus den Gewächshäusern des Botanischen Gartens in die heimische Natur verbiete sich zudem, weil so artfremdes Genmaterial ausgebracht werde. Dafür benötige man eine behördliche Genehmigung.

 

Der Appell von Professor Richter, „man möge doch bitte die Restbestände besser in gute, pflegende Hände verschenken, als sie verbotenerweise zu töten“, hat rechtlich offenbar keine Grundlage. Wie Michael Müller-Boge, Referatsleiter im Bundesamt für Naturschutz (Bonn), auf Anfrage mitteilte, gelte das Washingtoner Artenschutzabkommen nur für Fälle der Vermarktung von Pflanzen. „Es gibt keine Verordnungen für den Pflanzenschutz, wie es sie für den Tierschutz gibt“, sagte Müller-Boge. Das Naturschutzgesetz greife im Fall von Gewächshauspflanzen nicht.

 

Umweltminister Reinhold Jost ( SPD ) winkt ebenso ab. Laut Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz sei im Zusammenhang mit der Abwicklung des Botanischen Gartens kein Verstoß gegen das Artenschutzabkommen ersichtlich, sagte Jost der SZ.

 

So bleibt dem Förderkreis nur noch die Hoffnung auf die Saar-Gartenfachbetriebe. Die haben nicht nur die nötige Expertise, sondern auch die notwendigen Gewächshäuser.
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