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Brandstiftung: Völklinger Migranten haben Angst

Derzeit arbeitet eine Ermittlungsgruppe
an der Aufklärung
von Brandstiftungen mit möglicherweise
rechtsextremem Hintergrund
in Völklingen

Derzeit arbeitet eine Ermittlungsgruppe an der Aufklärung von Brandstiftungen mit möglicherweise rechtsextremem Hintergrund in Völklingen

Völklingen/Saarbrücken. Sie wurde gegründet, um elf ungeklärte Brandstiftungen in Völklingen neu aufzurollen. Nun kommt auf die Sonderermittlungsgruppe „GEG Komplex“ möglicherweise weitere Arbeit zu. Recherchen unserer Zeitung zufolge gab es in den vergangenen zwei Jahren in Völklingen mindestens vier weitere Brände, die in von Migranten bewohnten Häusern gelegt wurden oder möglicherweise Migranten treffen sollten. Bei allen handelt es sich  Informationen zufolge um Brandstiftungen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wollte die Brände weder bestätigen noch dementieren. Man arbeite an einem umfassenden Brandlagebild, teilte Generalstaatsanwalt Ralf-Dieter Sahm der Saarbrücker Zeitung mit. Zu Einzelheiten wolle man zur Zeit nicht Stellung nehmen. Die 47 Mann umfassende Ermittlungsgruppe wurde im Dezember gebildet, um elf Brandstiftungen in Völklingen zwischen 2006 und 2011 auf rechtsextreme Hintergründe zu prüfen und mögliche frühere Ermittlungsfehler aufzudecken.

Die nun neu bekannt gewordenen Brände wurden zwischen September 2010 und August 2011 gelegt. So stand am 3. September 2010 zeitgleich zu einem bereits bekannten Brand in der Innenstadt nur wenige hundert Meter entfernt ein Kinderwagen in einem Wohneingang in Flammen. Bewohner konnten verhindern, dass das Feuer auf das Haus übergriff. Am 27. Juli 2011 brach in einem unbewohnten Haus in der Innenstadt Feuer aus, nachdem es wenige Monate zuvor in einem Leerstand zwei Häuser weiter gebrannt hatte. Dazwischen lebt im einzig bewohnten Haus der Straße eine türkische Familie. Bewohner Resul E. gegenüber der SZ: „Ich fürchte, man wollte uns mit dem Feuer treffen.“ Am 12. August 2011 riefen die türkischen Besitzer eines Hauses im Stadtteil Geislautern die Polizei. Ihnen war es gelungen, in letzter Minute einen an ihrem Haus gelegten Brand selbst zu löschen. Es blieb bei einem Sachschaden.

Hellhörig macht auch ein Fall außerhalb Völklingens, im zehn Kilometer entfernten Großrosseln. Vor wenigen Wochen, am 20. Januar, fackelten Unbekannte die Gartenlaube einer türkischen Familie ab. Auf eine Wand der Ruine sei ein Hakenkreuz geschmiert worden, so Besitzer Ali T. Die Brandopfer sind verunsichert. Einige sagten der SZ, irritiert habe sie auch die Aufforderung der Polizei, die Brände „nicht an die große Glocke zu hängen“.

Wie der SR meldete, fordert der Rechtsanwalt Hans Lafontaine nun auch die Aufnahme von Ermittlungen zu einer möglichen Wohnhaus-Brandstiftung am 30. April 2000 in Völklingen. Neun Bewohner wurden damals verletzt, darunter Lafontaines Mandantin, eine Türkin, und ihre Kinder. Die Polizei hatte damals einen Elektroschaden als Ursache angegeben. Er halte dies für „aus der Luft gegriffen“, so Lafontaine zur SZ. Er verweist auf ein Gutachten und Zeugenaussagen, denen nicht nachgegangen worden sei.

Einen Drohanruf erhielt kürzlich ein Redakteur der türkischen Monatszeitschrift „Presstige“, die seit Januar in Völklingen erscheint. In ihrer Erstausgabe beschäftigte sich das Medium mit den Brandstiftungen.

Der anonyme Anrufer habe ihn beschimpft und mit dem Satz geschlossen: „Warte ab. Demnächst bist Du dran“, so der Redakteur. Er meldete den Vorfall nach eigenen Angaben am 27. Januar der Polizei.

HINTERGRUND:

Bisherigen Ermittlungen zufolge gehen weder der Anschlag auf die Saarbrücker Wehrmachtsausstellung 1999 noch die Völklinger Brandstiftungen auf das Konto der Zwickauer Terrorzelle NSU, auch wenn es im Falle der Wehrmachtsausstellung Hinweise in diese Richtung gebe. Das teilte der FDP-Abgeordnete Karl- Josef Jochem gestern nach einer Sitzung des Innenausschusses mit. Vertreter der Sonderermittlungsgruppe hatten über den Stand ihrer Arbeit informiert. jkl

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