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Bringt Hochwasserplanung Homburger Kombibad-Projekt zu Fall?

Wie soll das Homburger Kombibad künftig aussehen, in dem die Wasserratten sich tummeln können? Das Hauptgebäude mit Außenbereich ist so geplant, wie auf dem Bild.

Wie soll das Homburger Kombibad künftig aussehen, in dem die Wasserratten sich tummeln können? Das Hauptgebäude mit Außenbereich ist so geplant, wie auf dem Bild.

In dieser Woche sollte eigentlich offizieller Spatenstich der Stadt Homburg für den Neubau eines Kombibades an der „Hinkelsbix“ sein. Daraus wird nichts. Rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten sind gravierende Probleme aufgetaucht. Wie unsere Zeitung erfahren hat, wird in den Planungen der Stadt zum einen der Hochwasserschutz nicht ausreichend berücksichtigt (siehe Text unten). Zum anderen – und das könnte der gravierendere Teil der Probleme sein – basieren die bisherigen Badplanungen auf unvollständigen Unterlagen. Alle Berechnungen zu den Baukosten sollen von einem Bodengutachten ausgehen, das mittlerweile rund 30 Jahre alt ist. Dieses Gutachten wurde von Seiten der Stadt allem Anschein nach den Anbietern für deren Planung zur Verfügung gestellt.

Hintergrund: In den vergangenen Jahrzehnten wurde rund um Homburg mehrere Trinkwasserbrunnen entlang der Bahntrasse geschlossen.

Der Grund dafür waren die Einschwemmungen von Unkrautvernichtungsmitteln, die früher auf die Gleise gesprüht wurden. Zwölf Brunnen entlang der Bahnlinie wurden deshalb zugeschüttet. Mangels Wasserentnahme stieg dadurch mit den Jahren zwangsläufig der Grundwasserspiegel. Die Baufestigkeit des Bodens sinkt – und damit auch die Tragfähigkeit.

Experten warnen nun vor dem Bau eines Schwimmbades im Bereich Hinkelsbix: Man könne nicht auf der Grundlage eines so alten Bodengutachtens ein Schwimmbecken planen. Denn es bestehe die große Gefahr, dass das Becken durch den falsch angenommenen Grundwasserspiegel (der heute deutlich höher liegt als vor 30 Jahren ) irgendwann nach oben gedrückt wird oder gar bricht.

Nach Informationen unserer Zeitung haben Experten ausgerechnet, dass man aus Sicherheitsgründen eine bis zu zwei Meter dicke Betonwanne unter dem Schwimmbecken installieren müsste. Das aber würde das Kombibad um schätzungsweise mehrere Millionen Euro verteuern. In diesem Fall müssten die Planungen ganz von vorne beginnen.

Die Stadt Homburg wollte sich gestern zur Grundwasserproblematik nicht äußern. Im Laufe der Woche lägen genauere Erkenntnisse darüber vor, sagte Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff auf Nachfrage. Fest steht jedenfalls, dass es vorerst keinen Baustart an der Hinkelsbix geben wird.

Eine Teilbaugenehmigung könne derzeit auch nicht erteilt werden, so Kruthoff. Wie lange sich der Arbeitsbeginn verzögern wird, darauf wollte er sich nicht festlegen. Womöglich kommt es am Ende zu gar keinem Baustart mehr.


„Sehr hoher Gefährdungsgrad“


In einem vom Umweltministerium in Auftrag gegebenen Gutachten zur Hochwasserbedrohung im Land ist auch das Gelände an der „Hinkelsbix“ als gefährdet aufgeführt.

Homburg. Eigentlich sollte Wasser für ein neu zu bauendes Kombibad kein Problem, sondern eine wesentliche Grundlage sein. Beim geplanten Kombibad zwischen Johannishof und Bruchhof allerdings könnte sich aber eben Wasser zu einem schwer überwindbaren Hindernis entwickeln. Dabei ist ein augenscheinlich veraltetes Grundwassergutachten als Teil der Grundlagen für Kostenberechnungen des Neubaus nur ein Teil der nun aufgetretenen Probleme (siehe oben stehender Artikel). Denn: Ein vom Umweltministerium in Auftrag gegebenes Gutachten zu Hochwasserbedrohungen im Saarland, auch begründet in der Hochwasserkatastrophe entlang der Elbe in den vergangenen Wochen, attestiert dem Gelände des geplanten Kombibades einen sehr hohen Gefährdungsgrad. So liegen gemäß Computerberechnung zumindest Teile des Baugeländes in einer Hochwasserzone.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Homburgs Pressesprecher Jürgen Kruthoff gestern das Ergebnis dieses Gutachtens, zeigte sich aber wenig aufgeregt. „Wir haben nach einem Gespräch im zuständigen Ministerium in der vergangenen Woche dem mit dem Gutachten betrauten Ingenieur-Büro den Auftrag erteilt, speziell Homburg noch einmal hinsichtlich einer möglichen Bedrohung bei einem Jahrhunderthochwasser zu überprüfen.“

Dieses Ergebnis wolle man nun abwarten und feststellen, ob sich das skizzierte Szenario bestätige. Sollte dies der Fall sein, solle geprüft werden, welche Maßnahmen zu treffen seien. Generell könne man aber derzeit und ohne das Ergebnis des zweiten, detaillierteren Gutachtens noch nicht abschätzen, ob und was tatsächlich getan werden müsse. „Alles ist im Ergebnis möglich.“ Dem entsprechend musste Jürgen Kruthoff gestern auch die Frage nach möglichen zusätzlichen Kosten offen lassen. Eben diese Kosten könnten aber durchaus beträchtlich werden – dann nämlich, wenn das Gelände an der „Hinkelsbix“ in Teilen mit zusätzlichem Grund aufgeschüttet werden müsste.

Meinung

Schluss mit der Provinzposse!


Von SZ-Redakteur Peter Neuheisel

Die Homburger Stadtspitze kommt auch bei derzeit mäßigen Temperaturen mächtig ins Schwitzen. Sie muss sich kritische Fragen stellen lassen zur Vorplanung des Kombibades. Wie kann es sein, dass anderthalb Jahre von ausgemachten Fachleuten geplant wird, ohne dass diese wesentliche Punkte wie den Grundwasserschutz berücksichtigen. Jeder Laie weiß doch, dass ein Großteil Homburgs, und hier besonders die Gegend vom Freibad in Richtung Bruchhof, Wasserschutzzone ist – mit zahlreichen Brunnen. Hier auf ein drei Jahrzehnte altes Gutachten zurückzugreifen, ist nicht zu verstehen. Wenn die Einwände der Fachleute zutreffen, ist der Bau des Kombibads höchst gefährdet. Zumindest würde er sich erheblich verteuern. Die Verantwortlichen im Rathaus sollten sich jetzt viel Zeit nehmen und alle Details noch einmal genauestens prüfen. Schluss mit der Provinzposse! Das Kombibad darf kein Millionengrab werden. Sicher ist: Wer von den Schwimmbad-Befürwortern jetzt seine Hausaufgaben nicht richtig macht, wird baden gehen – auch ohne Kombibad.
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