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Britz und Breuer sind für „Frauenschwimmen”

Saarbrücken. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD, Foto: Maurer) hat sich hinter die Entscheidung der Bäderbetriebsgesellschaft und des städtischen Zuwanderungs- und Integrationsbüros gestellt, im Altenkesseler Hallenbad ein sogenanntes „interkulturelles Frauenschwimmen“ anzubieten. Unklar war am Freitag noch, ob das Bad dafür ab dem 24. September einmal oder zweimal im Monat zwischen 15 und 18 Uhr für Männer gesperrt wird. „Schwimmen für Frauen aller Nationen gibt es in vielen Städten“, teilte Britz auf SZ-Anfrage mit. In Saarbrücken, wo Menschen aus 154 Nationen leben, möchte Britz einem solchen „neuen Angebot eine Chance geben“. „Nach den ersten Veranstaltungen können wir Bilanz ziehen und dann über eventuell auftretende Probleme reden“, sagt Britz, der inzwischen knapp 200 Unterschriften gegen das Projekt zugestellt wurden. Die Diskussion um das Frauenschwimmen sei „auch deshalb entstanden, weil da viele Halbwahrheiten im Umlauf sind“, sagt Britz. So werde es im Bad – anders als von anderen Schwimmerinnen befürchtet – „zum Beispiel keinerlei Sonderregelungen hinsichtlich der Schwimmbekleidung geben“. Britz versichert: „Niemand geht in Kleidern ins Wasser. Es gilt der Grundsatz: Badebekleidung muss hygienisch und sicher sein. Diesem Anspruch genügen aber auch Burkinis, wenn Frauen diese überhaupt tragen.



Sie bestehen aus dem gleichen Material wie Bikinis oder Badeanzüge, und sie sind auch an allen anderen Tagen und in allen anderen Bädern in Saarbrücken erlaubt. Unhygienische Badebekleidung ist natürlich auch beim Frauenschwimmen nicht erlaubt.“ Ursprünglich sei ein Sichtschutz nicht vorgesehen gewesen. Die Bäderbetriebsgesellschaft habe sich aber „inzwischen doch dazu entschieden, um die Teilnehmerinnen nach dem großen medialen Interesse am Frauenschwimmen und den teils heftig geführten Debatten vor Schaulustigen zu schützen“, erklärt die Oberbürgermeisterin. Denn: „Sinn des Frauenschwimmens ist es schließlich, dass Frauen jeder Nation und jeden Alters unbeobachtet schwimmen können.“ Auch der für Zuwanderung zuständige Dezernent Kajo Breuer steht hinter dem Frauenschwimmen. „Geschlechtertrennung ist auch in anderen Bereichen üblich“, sagt er. „Allenthalben gibt es getrennte Saunen. Warum eigentlich? Warum gibt es getrennte FKK-Nutzungen? Passt so etwas in das aufgeklärte 21. Jahrhundert? Sollten die Muslime etwa schon seit geraumer Zeit, ohne dass wir es gemerkt hätten, ihren Einfluss geltend gemacht haben?“, fragt er. Über eine Sauna für Frauen rege sich niemand auf. „Frauen gehen dorthin, weil sie nicht von Männern angeglotzt werden möchten und keine Lust auf die blöden Sprüche und Gespräche verschiedener Männer haben“, erklärt der Dezernent.



Daraus ergebe sich die Frage: „Warum wird gleich für bare Münze genommen, wenn eine Handvoll Frauen etwas mit einem religiösen Motiv begründet, wo sie eigentlich auch sagen könnten: Wir wollen das nicht, weil wir uns schämen. Zu gestehen, dass man sich schämt, ist ein Zeichen von Schwäche, wer tut das schon gerne? Da scheint es leichter, sich auf eine höhere Macht zu berufen.“ Natürlich gebe es „Frauen, die sich nicht am ,normalen’ Badebetrieb beteiligen, weil ihnen ihr Vater, Ehemann oder Bruder, nicht zuletzt auch ihre Mutter oder Schwägerin im Nacken sitzt“. „Diese Abhängigkeiten halte ich für unerträglich. Aber: Sollte man aus diesem Grunde allen Frauen verwehren, der Entspanntheit des getrennten Badens zu entsagen, wenn sie denn das Abgesonderte als Moment der Relaxtheit empfinden?“, fragt Breuer. Er rät zur Entspanntheit, denn: „Das Frauenschwimmen mag auch ein Beitrag zum multikulturellen Zusammenleben sein, insbesondere aber ist es ein Beitrag zur Gesundheitsförderung und zur Lebensfreude. Wir tun also gut daran, die Sache etwas gelassener und nicht durch die Brille der Religion zu betrachten.“ Der Sichtschutz betreffe „lediglich einen Teil des Zaunes auf der Rückseite des Bades sowie die Fenster zur Terrasse“, betonte Sarah Schmitt, die Sprecherin der Versorgungsund Verkehrsgesellschaft Saarbrücken (VVS), zu der die Bäderbetriebsgesellschaft gehört, am Wochenende.



„Damit wollen die Veranstalter dem Bedürfnis aller teilnehmenden Frauen Rechnung tragen, unbeobachtet schwimmen zu können“, erklärte sie. Die private Schwimmschule „Seebär“ von Andreas Diehl, die bislang an Samstagen von 11 bis 16 Uhr eigenverantwortlich Schwimmkurse für Kinder durchführte, habe „bereits auf Eigeninitiative im Vorfeld die künftigen Termine samstags vorverlegt“. Schmitt: „So kommt es nicht zu Terminkollisionen zwischen den beiden Veranstaltungen.“
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