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Buchhändler bangen um Existenz

Der saarländische Buchhandel bangt angesichts der geplanten Schulbuchausleihe um seine Existenz. "Dadurch werden wir ein Drittel unserer Kunden verlieren", prognostiziert Klaus Feld, Geschäftsführer des Börsenvereins Deutscher Buchhandel, Landesverband Saarland, der knapp 80 Firmen vertritt.

Zwar sei das Schulbuchgeschäft ein Umsatzposten mit wenig Rendite, es bringe aber die Kunden ins Geschäft und fördere damit den Absatz anderer Literatur oder Schreibwaren. "Vor allem die kleinen Buchhandlungen in den Dörfern können derzeit nur noch existieren, weil sie das Schulbuchgeschäft haben", ergänzt Manfred Queißer, Buchhändler in Lebach und Vorstandsmitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für das Saarland. 43 der vom Börsenverein vertretenen Firmen verkaufen nur Bücher. 25 bieten neben Literatur auch Schreibwaren und Zeitschriften an.

Die Vorsitzende des Börsenvereins, Brigitte Gode, moniert: "Wenn die Schüler ihre Lektüren in einem Paket geliefert bekommen, hält sie das von ihrem vielleicht ersten Besuch in einer Buchhandlung ab." Dies sei ein "Kulturbruch" und wirke der Leseförderung entgegen.

Sorge bereitet den hiesigen Buchhändlern auch, dass sie jetzt bei den Aufträgen für die Schulbuchbeschaffung in Konkurrenz zu Großhändlern aus ganz Europa geraten könnten. Generell gilt: Öffentliche Aufträge, die 206 000 Euro übersteigen, müssen EU-weit ausgeschrieben werden. Bei großen Schulträgern wie den Landkreisen oder der Stadt Saarbrücken, die allein für 27 Grundschulen zuständig ist, wird diese Summe leicht erreicht. Der Saarbrücker Schulamtsleiter Günther Buth hatte denn vor drei Wochen angekündigt, die Stadt werde entsprechend ausschreiben. Gegen Großhändler habe aber der örtliche Buchhandel kaum eine Chance, klagt nun der saarländische Handel. Großakteure könnten problemlos den im Rahmen der Buchpreisbindung möglichen Maximalrabatt von 15 Prozent gewähren. Der hiesige Buchhandel tue sich damit aber schwer, wolle er wenigstens kostendeckend arbeiten.

Dabei wähle die Stadt diesen Weg ohne Not, sagt Feld. Habe das Kultusministerium doch empfohlen bei der Schulbuchbeschaffung den örtlichen Handel zu berücksichtigen. Und die einzelnen Schulen kätten auch die Möglichkeit, die Buchbeschaffung jeweils für sich abzuwickeln - womit die für die europaweite Auschreibung relevante Summe klar unterschritten würde.

Endgültig entschieden, welchen Weg man wähle, habe man noch nicht, erklärt denn der Saarbrücker Kulturdezernent Erik Schrader: "Wolle man 150 prozentige Rechtssicherheit, muss man in diesem Fall europaweit ausschreiben". Und ein Schulträger müsse auch die Kosten im Blick haben. Allerdings prüfe man die rechtliche Situation genau und sondiere, welche Möglichkeiten es gibt, die Interessen des örtlichen Buchhandels zu berücksichtigen. Am 18. März wird sich nun der zuständige städtische Ausschuss des Themas annehmen und am 31. März soll der Stadtrat entscheiden. Für die Buchhändler ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Hintergrund

Was ist die Schulbuchausleihe? Ab dem Schuljahr 2009/2010 sollen saarländische Schülerinnen und Schüler pro Schuljahr ihre Bücher direkt von der Schule ausleihen können.

Damit müssen die Eltern die Bücher nicht mehr kaufen. Je nach Schulform soll die Leihgebühr zwischen 10 und 60 Euro pro Schuljahr betragen. Die Anschaffung der Bücher kostet das Land rund 13 Millionen Euro. Die Schulträger, zum Beispiel bei den weiterführenden Schulen die Landkreise, finanzieren zusätzliches Personal für die Ausleihe. red 
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