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Bürger demonstrieren für Dudweilers Sonderstatus

Sparzwänge: Verliert Dudweiler seinen Sonderstatus?

Sparzwänge: Verliert Dudweiler seinen Sonderstatus?



Saarbrücken. „Wir haben durchziehende Völker überlebt, die Schweden, die Pest, die Reformation – ich bin sicher, dass wir auch das überleben werden.“ Das sagt Pensionär Hermann Schon (84), der erste Bürgermeister des Stadtbezirks Dudweiler nach der Gebietsreform von 1974, zu dem, was morgen im Saarbrücker Stadtrat beschlossen werden soll: die Abschaffung des Dudweiler Sonderstatus. Über kein Thema wird in der Landeshauptstadt so emotional diskutiert. Am Samstag machten vor dem Rathaus 300 Menschen ihrem Unmut über die Pläne Luft. Die Vorgeschichte: 1974 trat die Gebiets- und Verwaltungsreform in Kraft. So wurde die bis dahin eigenständige Stadt Dudweiler gegen energischen Protest der Bevölkerung nach Saarbrücken eingemeindet. Bei einer Befragung 1972 hatten sich 96,19 Prozent der Bürger dagegen ausgesprochen.

Am 28. November 1973 schlossen sich 4000 Menschen einem Protesmarsch vom Hauptbahnhof zum Landtag an. Viele der heute betagten Dudweilerer haben die Reform nicht verwunden und fühlen sich nicht als Saarbrücker. „Zwischen Dudweiler und Saarbrücken liegt ein großer Wald“, sagt Hermann Schon, der damit nicht nur die räumliche Distanz beschreibt. Um die enttäuschte, teils aufgebrachte Bevölkerung zu besänftigen, dachte sich die Landesregierung damals ein einmaliges Konstrukt aus: Das Gebiet der ehemaligen Stadt Dudweiler wurde, mit Ausnahme des Ortsteils Camphausen, zum Stadtbezirk Dudweiler erklärt – mit einem hauptamtlichen Bürgermeister, einer eigenen Verwaltung und einem Bezirksrat. Knapp 40 Jahre nach Einführung des Sonderstatus’ ist dieser nun in Gefahr. Die rot-rot-grüne Koalition und die Freien Wähler wollen morgen im Saarbrücker Stadtrat, gegen CDU und FDP, die Abschaffung der Teilautonomie ab 2014 beschließen.

Weil die mit rund einer Milliarde Euro verschuldete Landeshauptstadt sparen muss. Mit 750 000 Euro soll Dudweiler dabei seinen jährlichen Beitrag leisten. So soll ein Ehrenamtlicher die Arbeit des hauptamtlichen Bürgermeisters Walter Rodermann (CDU) übernehmen, der 2014 in den Ruhestand geht. Außerdem fallen laut Stadtverwaltung eine Fachbereichsleiterstelle und zwei Teilzeitstellen im Bereich „Zentrale Dienste“ weg sowie weitere Stellen im Standesamt, der Bauverwaltung und zwei im Rechnungswesen. Die Stadtspitze erklärte zudem, vier Mitarbeiter gingen in Rente, die anderen würden in die jeweiligen städtischen Fachabteilungen versetzt. Was vor Ort bleiben soll, sind die Mitarbeiter sowie sämtliche Dienstleistungen des Bürgeramtes, die Leute im Bauhof und im Grünamt. Die Saarbrücker Rathaus- Chefetage beteuert ein ums andere Mal, dass mit Abschaffung des Sonderstatus der Service für die Bürger nicht geschmälert werde; die anderen Stadtbezirke zeigten schließlich, dass man den Sonderstatus nicht brauche – was allerdings längst nicht jeder glaubt.

Und deshalb wollen Dudweiler Bürger in der entscheidenden Stadtratssitzung Flagge zeigen. Weil der Druck auf die Ratsmitglieder offenbar erheblich ist, soll geheim abgestimmt werden. Somit wird wohl für ewig ein Rätsel bleiben, wie dabei die elf in Dudweiler wohnenden Stadtverordneten abgestimmt haben.
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