L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (19.09.2017, 01:43)

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Bürgerinitiative weist Nabu-Kritik an Nordumfahrung Merzig zurück

Merzig. Der Verkehrsrefernt des Nabu Merzig, Manfred Braun, hatte die Umgehungsstraße gegenüber der SZ als „wirkungslos“ bezeichnet und kritisiert, dass durch die Straße sowohl der Bestand des Bundeswehrstandortes Merzig gefährdet wie auch die Wirtschaftskraft der Stadt gefährdet werde. Brauns Argument: Die Umfahrung könnte viele Merziger dazu verleiten, ihre Einkäufe außerhalb Merzigs zu tätigen und somit zu einem Verlust von Kaufkraft führen. Ein Bau der Straße ist aus seiner Sicht „aus dem Fenster geschmissenes Geld“.

Diese Argumente lässt Ulrich Kieborz, Sprecher der BI, nicht so stehen. „Wir lassen kein Geld zum Fenster rausschmeißen, und wir halten keine kaufwilligen Menschen raus aus Merzig“, betont Kieborz. Zudem nehme die BI keineswegs eine Gefährdung der Kaserne auf der Ell in Kauf. Kieborz: „Vor 14 Tagen haben wir zu einer Begehung der geplanten Trasse eingeladen und eine für Natur und Geldbeutel optimierte Variante aufgezeigt.“ Leider habe kein Nabu-Mitglied an diesem Termin teilgenommen. „Dabei hätten die Naturschützer sehr wohl erfahren, dass kein BI-Mitglied den Bundeswehrstandort in Frage stellt. Allerdings machen wir darauf aufmerksam, dass bereits 2003 mit der Bundeswehr ein Einvernehmen über eine Trassenvariante und deren Anpassung hergestellt wurde“, betont Kieborz.  Diese Trasse verlaufe auf der westlichen Grenze des Truppenübungsgeländes, quere dann auf einer Länge von 400 Metern den nordwestlichen Eckbereich des Truppenübungsplatzes und folge der nördlichen Grenze. Die Trasse finde oberhalb des Hundesdressurplatzes die Anbindung an die Vergissmeinnichtstraße, die von Losheim nach Mettlach führt. Kieborz: „Die Nordumfahrung wird also in keinem Fall den Übungsplatz der Kaserne auf der Ell zerschneiden, wie der Nabu behauptet. Das ist Angstmache.“



Der Nabu spekuliere in seiner Kritik zudem über die Ergebnisse einer noch laufenden Wirtschaftlichkeits-Untersuchung, die von der kreiseigenen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW) in Auftrag gegeben wurde. Die BI plädiere dafür, zunächst einmal die Ergebnisse dieser Untersuchung abzuwarten. Der BI-Vertreter gesteht ein, dass durch die Nordumfahrung die Natur in diesem Gebiet beeinträchtigt wird, auch das ein zentraler Kritikpunkt von Nabu-Sprecher Braun: „Eine solche Umgehung führt immer durch bisher verschonte Natur.“ Das Baurecht fordere, dass jeder Eingriff „geheilt“ werden müsse, das heißt jeder gefällte Baum müsse durch mindestens einen neuen Baum ersetzt werden. Ebenfalls müsse alles getan werden, um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten.  Aber, so Kieborz: „Nach unserer Meinung gilt es abzuwägen zwischen dem notwendigen schonenden Eingriff in die Natur und dem täglichen Verkehrsstau mit giftigem Feinstaub, Kohlendioxid und Lärm.“

Ohne eine Reduzierung des Merzig durchfließenden Verkehrs sei der Kollaps programmiert. Die BI wolle auch nicht mit der Umfahrung möglichst viele Menschen aus der Kernstadt heraus halten, betont Kieborz: „Den Merziger Geschäftsleuten geht keine Kaufkraft verloren, wenn sie sich für die Nordsaarlandstraße einsetzen und das tägliche Verkehrschaos nicht als gottgegeben annehmen.“


Was bringt Merzig weniger Verkehr?

Verkehrsgutachten für Kreisstadt interpretieren BI und Nabu unterschiedlich

Sehr unterschiedlich legen Nabu-Vertreter Manfred Braun und BI-Sprecher Ulrich Kieborz das vom Büro Brilon/Bondzio/Weiser erarbeitete Verkehrsgutachten für Merzig aus. Merzig. Braun hatte darauf verwiesen, dass nur 12 bis 17 Prozent des Verkehrs durch Merzig reiner Durchgansgverkehr sind, also auch nur dieser Anteil von Fahrzeugen die geforderte Nordumfahrung nutzen werde. Allein schon durch die Umsetzung der in diesem Gutachten gemachten Vorschläge zur Optimierung der Verkehrsführung werde sich eine Entlastung der Innenstadt ergeben, findet der Nabu-Vertreter.

Aus Sicht der BI ist jedoch eine andere Aussage in dem Gutachten bedeutsamer.  Ulrich Kieborz zitiert daraus: „Die Verkehrssituation im Zentrum der Kreisstadt Merzig ist insbesondere zu den Spitzenzeiten der Verkehrsnachfrage unbefriedigend. Im Verlauf der Hochwaldstraße treten massive Rückstaus auf, die sich zeitweise über den Bereich der Marienkapelle in Richtung Osten erstrecken. Im westlichen Bereich der Innenstadt treten zeitweise Rückstaus auf, die sich bis zur BAB-Anschlussstelle Merzig-Mitte erstrecken.“



Wachsender Lkw-Verkehr

Das Untersuchungsgebiet beginne im Bereich der Autobahnanschlussstellen und erstrecke sich bis zur Einmündung Zum Gipsberg. „Das bedeutet, es wird in diesem Gutachten überwiegend der Quell- und Zielverkehr zwischen dem Gipsberg und der Hilbringer Saarbrücke dargestellt“, argumentiert Kieborz.

Schon 2003 habe ein anderer Gutachter, Professor Hupfer, eine Entlastung in der Größenordnung von 12 bis 17 Prozent durch die Nordumfahrung prognostiziert. „In diesem Gutachten ist auch die Rede von einem um 24 Prozent wachsenden Lkw-Verkehr bis um Jahr 2025.“ Angesichts dessen sei eine zunehmende Verkehrsbelastung für Brotdorf, Bachem und auch Mettlach zu erwarten. „Natürlich“ müsse auch das Innenstadt Verkehrskonzept von Brilon/Bondzio/Weise umgesetzt werden. Aber die durch Merzig fließende Verkehrsmenge kann aus Sicht des BI-Sprechers nur durch eine Umgehung wirkungsvoll reduziert werden. cbe
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