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Bundesnetzagentur verschläft

Kraftwerk Ensdorf

Kraftwerk Ensdorf

Berlin/Saarbrücken. Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, betonte gestern, man brauche kein Atomkraftwerk mehr anzufahren, um im Falle eines strengen Winters Stromausfälle zu vermeiden. Für die Stabilität des Netzbetriebes sollen zur Not Kohle- und Gaskraftwerke sorgen. Bei Engpässen reiche es, Block C des Kraftwerks Ensdorf, Block 3 des Großkraftwerks Mannheim, das Kraftwerk 2 in Mainz-Wiesbaden sowie das Kraftwerk Freimann in München und die Ölraffinerie Oberrhein anzufahren. So könne man in Süddeutschland bei Bedarf ein Gigawatt Strom bereitstellen, was 1000 Megawatt entspricht. Kurth verschwieg, dass das Kraftwerk Ensdorf „als Kaltreserve“ nicht mehr zur Verfügung steht, da der Block 3 seit Verpachtung der VSE an Saarstahl wieder Strom liefert.



Auf Anfrage unserer Zeitung musste gestern Rudolf Boll, Leiter der Pressestelle der Bundesnetzagentur, einräumen, dass die Grundlagen für die Erkenntnisse der Bundesnetzagentur aus dem Mai 2011 stammen. Zu dieser Zeit war das Kraftwerk Ensdorf noch nicht am Netz. Eine Wieder-Inbetriebnahme von Ensdorf könne dazu beitragen, mögliche Stromausfälle im Rhein-Main-Gebiet zu verhindern, hieß es im Mai ergänzend. Wie es dazu kommen konnte, dass die Bundesnetzagentur gestern deutschlandweit verbreitete, das Kraftwerk Ensdorf stünde „in Kaltreserve“ zum Wiederanfahren zur Verfügung, konnte auch der Chef der Pressestelle nicht schlüssig erklären.  Zumal der aktuelle Stand im schriftlichen Bericht der Behörde „zu den Auswirkungen des Kernkraftausstiegs auf die Übertragungsnetze und die Versorgungssicherheit“ vom 31. August 2011 auf den Seiten 33 und 34 korrekt wiedergegeben ist.

Pressechef Bohl bemühte sich gegenüber unserer Zeitung persönlich um die richtigen Schlussfolgerungen: Dank der Wiederinbetriebnahme des Blocks 3 sei es gelungen, die Stromlücke von 1000 auf 700 Megawatt zu senken. Es sei nicht entscheidend, wo Ensdorf den Strom hinliefert. Entscheidend sei, dass das Kraftwerk in Betrieb ist und dadurch die Stromlücke geringer wird. Tim Hartmann, Vorstand der VSE, freute sich gestern über so viel bundesweite Beachtung. Und zeigte Humor. Auf Anfrage unserer Zeitung meldete er sich gestern am Telefon mit den Worten: „Hier spricht die Abteilung Deutsche Kraftwerksreserve.“ Seriös betrachtet sei eine Schlussfolgerung angebracht. Man könne in Deutschland nicht gleichzeitig auf zweierlei verzichten: Atomkraft und Kohlekraftwerke. Deshalb werde man „Kohlekraftwerke zur nationalen Energieversorgung noch sehr lange brauchen“, so Hartmann. Dieser freut sich gleichzeitig diebisch über das Verhalten der Bundesnetzagentur: „Noch nie hat jemand selbst so eindeutig die Notwendigkeit der Versorgungssicherheit durch Kohlekraftwerke unterstrichen wie die Bundesnetzagentur.“ ts



Meinung

Zu viel der Ehre

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Über Nacht erzielt das Saarland bundesweit einen positiven Bekanntheitsgrad, den sich jeder Marketing-Experte für seine Region wünschen würde. Das Saarland als Retter der nationalen Energiereserve. So verkündet es die Bundesnetzagentur, die dem Bundeswirtschaftsminister unterstellt ist. Denn, so die Behörde: Würde man „als Kalt8reserve“ das Kraftwerk Ensdorf wieder ans Netz nehmen, könne die Stromlücke nach der Abschaltung der Kernkraftwerke geschlossen und könnten Stromausfälle im Winter verhindert werden. Tolle Sache! Nur: Ensdorf ist längst wieder am Netz. Die Zahlen der Behörde sind veraltet. Bei der VSE freut man sich über so viel Beachtung. Und Umweltministerin Simone Peter hat sich beeilt, die Erkenntnisse der Bundesnetzagentur zu begrüßen. Um erst später ihre Pressemitteilung zu korrigieren. Deshalb: Nicht schnell schießen. Erst prüfen, ob die Fakten stimmen.

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