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Buon appetito: Zum Italiener in die alte Saarbrücker Post

In die Schalterhalle der Alten Post in Saarbrücken wird ein italienisches Restaurant einziehen.

In die Schalterhalle der Alten Post in Saarbrücken wird ein italienisches Restaurant einziehen.

Zur Frankreichstrategie passt sie nicht wirklich, die neue „Kantine“, die Kultusminister Ulrich Commercon (SPD) mit seinem neuen Amtssitz in der alten Saarbrücker Post gleichsam mitserviert wird. Denn dort wird kulinarisch Italia „regieren“. Bekanntlich ziehen die 300 Kultusministeriums- Mitarbeiter um. Auf das zweite April-Wochenende (11. bis 13. April) wurde jetzt der bereits drei Mal verschobene Umzugstermin festgelegt, teilte Ministeriumssprecher Jürgen Renner mit. Maximal vier Tage dürfe das logistische Mammut-Projekt beanspruchen. Gewechselt wird von Denkmal zu Denkmal, aus dem mittlerweile gefährlich maroden Pingusson-Bau an der A 620 in ein rundumsaniertes Gebäude der Völkerbundzeit (1930). 8500 Quadratmeter Bürofläche warten hinter der historischen Fassade, ins Erdgeschoss zieht die „L’Osteria“.

Das Franchise-Unternehmen hat rund 30 Standorte zwischen Hamburg, Frankfurt, Ulm und München, für das Saarland ist dies ein neues gastronomisches Konzept. Und die Kette wirbt im Internet bereits für den neuen Standort: „O lecko mio, ab April geht in Saarbrücken die ‚Alte Post’ ab“. 100 Plätze wird es in der historischen Schalterhalle geben, sagt Investor Patrick Müller, Geschäftsführer der Munitor AG mit Sitz in St. Arnual. Er verspricht ein „tolles Lokal“ mit besonderem Flair für die Landeshauptstadt: systematisiert, aber trotzdem individuell, kein Selbstbedienungs-Laden, aber dennoch breitentauglich, weil niedrigpreisig kalkuliert. Müller spricht von einer Aufwertung des Quartiers rund um die Europagalerie. Er kritisiert, dass das Alte-Post-Projekt bisher ausschließlich auf den Aspekt der Bau-Verzögerungen und der daraus resultierenden Vertragsstrafe für die Munitor- Gruppe (450 000 Euro) reduziert worden sei. Dabei sei es hier zu Lande doch wohl eine Rarität, wenn ein Privatinvestor 20 Millionen Euro in die Hand nähme, um ein dem Ruin und dem Vandalismus Preis gegebenes Denkmal zu retten.

Tatsächlich stand das trutzige Gebäude seit 1993 leer – ein Innenstadt-Ärgernis, bevor sich Munitor engagierte. Müller betont, die öffentliche Hand habe durch die Verzögerungen „keinerlei Risiko und auch keinerlei Nachteile“ erfahren. Die Ministeriumsmitarbeiter, die sich im „wackligen“ Kultusministerium täglich unwohler fühlten, sehen das womöglich anders. Nicht äußern will sich Müller zu den Modalitäten der Erstattung der Strafe, auch nicht darüber, ob das Land die 450 000 Euro schon geltend gemacht habe. Angemietet wurde die Post für fünf Jahre, die Miete beträgt 1,4 Millionen Euro im Jahr (inklusive Heizkosten).

HINTERGRUND

Die Post zieht sich aus dem 1993 eröffneten Hauptpostgebäude am Saarbrücker Hauptbahnhof zurück. 150 Briefund Paketzusteller, die von dort ausrücken, würden andernorts untergebracht, sagte Postsprecher Heinz-Jürgen Thomeczek der SZ. Wo deren neuer Standort sein wird, werde bis Ende des Jahres entschieden. Den Betonklotz zwischen dem neuen Kultusministerium und dem Bahnhof hatte die Post 2009 an eine Immobilienfirma verkauft.

Das Gebäude war schon zwei Jahre nach Eröffnung zu groß, weil die Post ihr neues Briefzentrum ins Saarbrücker Industriegebiet Süd verlegte. Die Schalter am Bahnhof bleiben jedoch weiter offen. Sie werden derzeit von der Postbank betrieben, hieß es. ols

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