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Calypso-Bad kostet die Stadt pro Jahr Hundert- Tausende

Im Calypso stecken rund 28 Millionen Euro. Der Pächter bekommt von der Stadt jedes Jahr einen Zuschuss, der fast so hoch ist wie die Pacht, die er bezahlt. Ab 2012 möchte die Stadt das Bad selbst betreiben – aber sie muss sich das vom Rat absegnen lassen.

Von SZ-Redakteur Jörg Laskowski

Saarbrücken. Eine neue Runde im Millionenpoker um das Spaßbad Calypso hat Sportdezernent Paul Borgard, CDU, eingeläutet: Im SZ-Ältestenrat kündigte er an, die Stadtverwaltung werde dem Stadtrat empfehlen, das Spaßbad ab 2012 nicht mehr von einer Privatfirma betreiben zu lassen – sondern von der städtischen Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken (BBS).
Deren Prokurist Rainer Hück hatte schon im April 2008 auf SZ-Anfrage verraten: „Wenn die Politik uns beauftragt, das Calypso zu betreiben, würden wir das als Chance betrachten.“ Und Borgard glaubt sogar, das „unverzichtbare“ Calypso könnte – in der Regie der BBS – zu einer „Einnahmequelle“ für Saarbrücken werden.
Offizieller Eigentümer des Calypso ist die städtische Firma „Kommunalanlagen und Beratung Saarbrücken“ (KBS). In deren Entscheidungsgremium saßen bislang Stadträte von CDU und SPD sowie Vertreter der Stadtverwaltung. Im Herbst entscheidet der Stadtrat über die künftige Besetzung.

Riesenverlust bei Verkauf


Zurzeit ist das Calypso an die Spaßbad Saarbrücken (S&S) GmbH verpachtet. Der Vertrag endet 2012 – vorausgesetzt einer der Partner kündigt ihn bis zum 31.12.2010. Falls nicht, verlängert er sich um fünf Jahre.
Das Calypso zu verkaufen, wäre ein extremes Verlustgeschäft. 1999 ließ die Stadt das Bad für rund 25 Millionen bauen. Seither spendiert sie jährlich rund 300.000 Euro Investitionszuschuss. Damit hält S&S das Bad technisch up to date. Und das wird jedes Jahr von Fachleuten überprüft. Einen „Sanierungsstau“ gibt es also nicht. Was S&S für den Investitionszuschuss baut, gehört anschließend der KBS. Heute stecken rund 28 Millionen Euro im Calypso.
Die S&S hat ein Vorkaufsrecht zum Bilanzwert. Der wird am 31.12.2011 bei rund 19,6 Millionen Euro liegen. Aber KBS-Geschäftsführer Manfred Dörr erklärte schon 2008: „Ich gehe davon aus, dass niemand das Calypso zum Bilanzwert kaufen will. Das Calypso ist für einen Privaten nur interessant, wenn wir so weit mit dem Preis runtergehen, dass es für die Stadt absolut indiskutabel wird.“

Stadtsäckel muss bluten

Wenn die Stadt ihr Calypso also nicht zu einem Spottpreis verscherbeln oder gar dichtmachen will, dann muss sie es erneut verpachten – entweder an einen Privaten oder an die BBS, also an sich selbst. Aber wer auch immer das Bad betreibt, der braucht Zuschüsse aus dem Stadthaushalt. Dörr: „Es gibt bundesweit kein einziges solches Bad, das kostendeckend arbeiten könnte, ohne dass die Kommune Geld gibt.“
Der Stadtsäckel müsste also weiter bluten wie bisher. Und das sieht so aus: Saarbrücken bezahlt der S&S jedes Jahr den genannten Investitionszuschuss – und einen Betriebskostenzuschuss. Letzterer lag 2008 bei rund 778.000 Euro. Außerdem überweist die Stadt der S&S jedes Jahr rund 67.000 Euro dafür, dass Schulen und Vereine das Sportbecken nutzen dürfen.

Im Gegenzug bekommt Saarbrücken etwa 15.000 Euro von den Vereinen und 37.000 Euro von Privatschulen. Plus die Pacht von S&S – sie lag 2006 bei rund 900.000 Euro. Die Pacht steigt entsprechend den Investitionen, die über den städtischen Zuschuss finanziert werden. Die SZ fragte die Stadtratsfraktionen, ob sie dem Vorschlag der Stadtverwaltung zustimmen werden



Auf einen Blick


Die SZ fragte Gregor Korda, Geschäftsführer und Gesellschafter der Spaßbad Saarbrücken GmbH (S&S), ob seine Firma ein Konkurrenzangebot macht – falls sich die BBS (Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken) ums Calypso bewirbt. Aber dazu will Korda sich erst äußern, wenn die Stadt oder die städtische Firma KBS (Kommunalanlagen und Beratung Saarbrücken), der eigentliche Vertragspartner der S&S, offiziell an ihn herantreten. Korda: „Im Moment konzentrieren wir uns darauf, unsere rund 100 Mitarbeiter, davon die Hälfte fest angestellt, zu beruhigen. Schließlich sind es noch eineinhalb Jahre, bis die Kündigungsfrist unseres Vertrages ausläuft (31.12.2010; die Red). Bis dahin machen wir so weiter wie bisher. Und die Besucherzahlen – 2008 kamen rund 400.000 Leute – zeigen deutlich, dass wir unsere Arbeit ganz im Sinne der Saarbrücker Bürger machen.“ fitz






Stadträte fürchten Calypso-Verluste


Ab 2012 soll die städtische Firma BBS das Spaßbad Calypso betreiben - meint die Stadtverwaltung und will das dem Stadtrat vorschlagen. So jedenfalls kündigte Sportdezernent Paul Borgard an. Nicht alle Ratsfraktionen sind von der Idee begeistert.


Saarbrücken. Heftiges Echo erntet Sportdezernent Paul Borgard, CDU, für seine Ankündigung, die Stadtverwaltung werde dem Stadtrat vorschlagen, das Spaßbad Calypso ab 2012 von der städtischen Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken (BBS) bewirtschaften zu lassen.

Für die Freien Wähler reagierte Bernd Richter: "Bevor wir über die Zukunft des Calypso entscheiden, wollen wir ein Bäderkonzept und Zahlen. Aber nicht wegen der Betriebskostenzuschüsse. Wir gehen davon aus, dass BBS und ein privater Betreiber etwa dieselben Zuschüsse brauchen. Nein, unsere Frage ist: Wobei macht die Stadt die geringsten Verluste, beim Betrieb oder bei der Schließung. Wir wollen nachrechnen, ob es nicht sinnvoller ist, das Calypso gleich ganz dichtzumachen, bevor wir beim Betrieb des Calypso so viel verlieren, dass es danach allen anderen Bädern an den Kragen geht. Denn wir glauben, das Totobad entspricht eher den finanziellen Möglichkeiten der Durchschnittsbürger."

SPD-Fraktionschef Ralf Latz ist nicht prinzipiell dagegen, alle Saarbrücker Bäder in die Regie einer zentralen Instanz zu übertragen. Er fragt sich allerdings, ob das unbedingt die BBS sein muss. Latz mahnt: "Bereits beim Management der städtischen Bäder gibt es gravierende Mängel." Die BBS betreibe "keinerlei Marketing" und habe kein "Veranstaltungskonzept". Latz kritisiert, dass "der Katastrophendezernent" Borgard zwar seit Jahren ein Bäderkonzept ankündige, aber noch immer nicht vorgelegt habe. 

Daher werde die SPD in der nächsten Stadtratssitzung beantragen, dass die Verwaltung dieses Konzept endlich ausarbeitet. Denn bevor der Rat über die Zukunft des Calypso entscheidet, verlangt Latz "ein tragfähiges Zahlenwerk".

Calypso gegen Totobad

Schließlich wolle die SPD alle kommunalen Bäder sichern. Latz: "Ein Spielchen - Calypso gegen Totobad - ist mit uns nicht zu machen."

Ähnlich sieht es die FDP-Fraktion. Auch sie beklagt, Borgard sei der Stadt seit vier Jahren ein Bäderkonzept schuldig. Die FDP-Stadtverordnete Ana Isabel Klumpp fordert "Zahlen", die "einen Überblick über die Bäderlandschaft" liefern. Klumpp attestiert Borgard, er nehme "grob fahrlässig voraussichtliche Verluste" in Kauf, wenn er dem Stadtrat empfiehlt, das Calypso an die BBS zu verpachten.

Daraus, so meint Klumpp, könnte man auch schließen, dass Borgard das Totobad dichtmachen will, sobald die BBS das Calypso hat. Falls das Borgards Plan sei, müsse er mit dem Widerstand der FDP rechnen. Klumpp: "Wir machen keine Spielchen mit, die das Totobad gefährden."

Die CDU verteidigt ihren Dezernenten. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sascha Zehner erklärt, es sei "völlig abwegig" zu glauben, Borgard wolle mit der Übernahme des Calypso durch die BBS "heimlich" die "Schließung des Totobades erreichen".

Borgard habe auch nichts "übereilt", sondern sich lediglich "rechtzeitig Gedanken darüber gemacht, wie man mit dem Calypso nach dem Ende des Pachtvertrages mit der S&S Spaßbad GmbH" umgehen soll.  Zehner versichert außerdem, das von SPD und FDP angemahnte Bäderkonzept liege "schon seit vier Jahren" vor. Das Calypso, so meint Zehner, sei kein Verlustgeschäft, sondern "ein Gewinnbringer für den Betreiber". Zehner: "Sonst hätte der wohl kein Interesse daran gezeigt, es auch weiterhin zu bewirtschaften."

Gute Idee von Borgard

Zehner glaubt: "Der Vorschlag von Paul Borgard ist mit Sicherheit eine gute und überlegenswerte Idee." Im Übrigen stehe die Entscheidung über den künftigen Calypso-Betreiber erst 2010 an.

Auch die Grünen, so sagt die Stadtverordnete Karin Burkart, wollen endlich ein "Bäderkonzept" sehen. Einer Übernahme des Calypso durch die BBS würden sie nur zustimmen, wenn die Calypso-Einnahmen reichen, um "Instandhaltung, Unterhaltung und Betrieb" zu bezahlen.


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