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Carling-Umbau beunruhigt Bürger

Der Umbau des lothringischen Total-Petro-Chemiewerks Carling sorgt weiterhin für Streit. Die Bürgerinitiative (BI) „Saubere Luft im Warndt“, in der sich besorgte Anwohner zusammengeschlossen haben, fürchtet, dass sich durch die geplante zusätzliche Polypropylen-Anlage die Geruchs- und Schadstoffbelastung verschärfen wird (die SZ berichtete). Das saarländische Umweltministerium geht hingegen nicht davon aus. In der neuen Anlage sollen Verbundwerkstoffe hergestellt werden, die zum Beispiel verwendet werden, um Thermoplaste für Stoßstangen zu produzieren. Bei der Herstellung der Stoffe handele es sich nicht um einen chemischen Prozess im eigentlichen Sinne, sondern eher um einen Mischvorgang, sagte Damian Müller, Sprecher des Ministeriums. „Folglich ist zu erwarten, dass die Emissionen gering ausfallen.“ Insgesamt rechnet das Ministerium damit, dass nach Umsetzung aller Umbaumaßnahmen auf der Plattform die Emissionen sogar sinken werden.

Die BI hatte den Behörden zudem vorgeworfen, das Genehmigungsverfahren für die neue Anlage „durchzuwinken“, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Laut Ministerium steht das eigentliche Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit erst noch bevor. Bislang habe die lothringische Präfektur den Antrag lediglich geprüft. Das Ministerium habe der Präfektur in Metz mitgeteilt, dass es an dem Verfahren beteiligt werden möchte, so Müller. Der Umbau der Plattform beschäftigt Politik und Anwohner seit Monaten. Im Oktober hatten die lothringischen Behörden bereits eine C4-Harz-Fertigungsanlage genehmigt, was heftige Proteste nach sich zog. Dass dabei Einwände von Anwohnern und Anrainer-Kommunen nicht berücksichtigt wurden, wie die BI behauptet, ist laut Ministerium falsch. „Eine Berücksichtigung bedeutet, dass die Einwände bewertet werden, aber nicht, dass den Einwänden gefolgt werden muss“, sagte Müller.

Die BI hatte auch erhöhte Benzol-Werte kritisiert, die an der Messstation L'Hopital erfasst worden waren. Die stammen nach Angaben des Ministeriums jedoch nicht von der Chemieplattform, sondern wahrscheinlich von einem benachbarten Gewerbebetrieb, der lösungsmittelhaltigen Kleber verwende.Das Saarland hinke beim Klimaschutz hinterher, werfen die Grünen der Landesregierung vor (wir berichteten). Der Bund und zahlreiche andere Länder hätten verbindliche Ziele zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes formuliert, das Saarland hingegen habe sich zu keinen Klimaschutzzielen bekannt. Nach Angaben der Agentur für erneuerbare Energien seien die CO-Emissionen aus dem Primärenergieverbrauch im Saarland in den vergangenen Jahren angestiegen: Während es 2009 noch 18,4 Millionen Tonnen pro Kopf waren, stiegen die Emissionen 2013 auf 22,8 Millionen Tonnen pro Kopf.

Im Umweltministerium hält man die Werte für unbedenklich: In den Jahresbilanzen könne man erkennen, dass die Schwankungen sich in einem einigermaßen überschaubaren Rahmen gehalten hätten, sagte Damian Müller vom Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Er vermute auch, dass der CO-Ausstoß in 2015 sich eher an den unteren Werten der Bilanz eingependelt habe. „Zum einen kommt bei der Stromproduktion im Saarland zunehmend Windenergie zum Einsatz. Zum anderen war 2015 ein sehr warmes Jahr“, so Müller. Dementsprechend weniger Energieträger müssten zum Heizen verfeuert worden sein.

Jeder Saarländer kann daran arbeiten, seine persönliche CO-Freisetzung zu verringern, indem er das Angebot des Internetdienstes www.pendlerportal.de nutzt. Seit dem Start 2007 bis heute seien durch die Bildung von Fahrgemeinschaften nach Angaben der Portalbetreiber 1800 Tonnen CO im Land eingespart worden.
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